Donnersbergkreis Ärger über Nutzungsgebühr für Spielplatz in Morschheim

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In Morschheim an der Selz ist vor einiger Zeit ein Piratenschiff gestrandet. Dank einer hohen Investition der Ortsgemeinde und der Arbeit von vielen freiwilligen Helfern ist rund um das Schiff inzwischen ein Spiel- und Wohlfühlplatz mit Grill, Wasserspielplatz, Labyrinth und weiteren Spielgeräten entstanden. Auch Tische und Bänke gibt es inzwischen, und die Gemeinde hat auch für Sonnenschirme gesorgt. Der Spielplatz ist frei zugänglich und kann von Bürgern aus Morschheim und Gästen gleichermaßen genutzt werden. Gruppen sollen allerdings einen Obolus bezahlen. Darüber hat sich eine Familie aus Orbis geärgert.

„Wir waren auf dem Kinderspielplatz in Morschheim und haben den siebten Geburtstag von meiner Tochter dort gefeiert“, schreibt Michael Heimers in einem Brief an die RHEINPFALZ. Insgesamt acht Kinder und drei Erwachsene seien mit einem Bollerwagen und in Begleitung des Border Collies der Familie an der Selz entlang nach Morschheim marschiert. „Dort angekommen, haben die Kinder dann friedlich gespielt, und wir haben mit ihnen dort gepicknickt und eine Schatzsuche veranstaltet“, schreibt Heimers weiter. „Nachdem die Party dann langsam am Ausklingen war und wir schon beim Aufräumen zugange waren, kam ein völlig aufgebrachter Ortsbürgermeister Fister zu uns an den Spielplatz gefahren und fuhr uns an, wer denn der Veranstalter hier wäre und dass man sich als Gruppe schließlich anmelden müsse. Dies würde dazu dienen, dass es keine Reibereien zwischen den Leuten gebe.“ An diesem Tag, so Heimers, hätten noch weitere drei Familien oder Großeltern mit jeweils zwei Kindern gleichzeitig den Platz benutzt. „Zu Reibereien zwischen den Kindern kam es aber nicht, da das Gelände recht weitläufig ist.“ Dass man sich als Gruppe hätte anmelden müssen, sei ihm nicht bekannt gewesen, gibt Heimers an. Seine Überlegung: „Sind drei Erwachsene und acht Kinder schon als Gruppe zu betrachten, die anmeldepflichtig sind? Wenn ich mich jetzt mit drei Eltern mit ihren zwei Kindern in Morschheim auf dem Spielplatz treffen möchte, soll das dann anmeldepflichtig sein? Ich denke mal, der Spielplatz ist größtenteils aus öffentlichen Geldern finanziert worden, also dürfte dann auch jeder ohne Einschränkung und ohne Gebühren dort hin.“ Aber anscheinend sei es seitens der Gemeinde Morschheim nicht gewollt, dass Auswärtige zum Spielen kämen. Oder die Morschheimer wollten einfach noch was dazuverdienen. „Wenn dem so ist“, schließt Heimers verärgert, „dann sollte man eventuell das ganze Areal einzäunen und dafür, wie in einem Vergnügungspark, Eintritt verlangen“. Die Familie habe eigentlich vorgehabt, in den Sommerferien mit weiteren Eltern und ihren Kindern am Piratenschiff zu grillen. „Das hat sich jedoch mit dem forschen Auftritt des Bürgermeisters für uns erledigt. “ Bürgermeister Joachim Fister, von der RHEINPFALZ dazu befragt, streitet besagten „forschen Auftritt“ gar nicht ab. Er habe aber seinen Grund gehabt: „Ich war ungefähr eine halbe Stunde vorher an dem Gelände vorbeigefahren und hatte festgestellt, dass die Leute ihren Border Collie dort frei herumlaufen ließen, und das, obwohl überall Schilder aufgestellt sind, auf denen die Besucher gebeten werden, ihre Hunde an die Leine zu nehmen“, so Fister. Der Platz sei so weitläufig, dass man freilaufende Hunde nun einmal nicht richtig beaufsichtigen könne – mit allen unangenehmen Folgen. „Hier kommen so viele kleine Kinder hin, da wollen wir nicht, dass das Gelände durch Hundehaufen verunreinigt wird.“ Deshalb sei er schon mit einer gewissen Grundverärgerung auf die Gruppe zugekommen. „Als man dann auch noch behauptet hat, der Hund sei gerade eben erst losgelassen worden, wurde ich erst richtig sauer“, so Fister. „Sind Sie überhaupt angemeldet?“, habe er dann gefragt. Tatsächlich ist es so, dass die Gemeinde Morschheim für die Nutzung des Geländes durch Gruppen eine Gebühr in Höhe von 30 Euro erhebt. Dabei, so Fister, habe man bewusst darauf verzichtet, eine Mindestgröße für eine Gruppe festzulegen. Elf Leute seien aber auf jeden Fall als Gruppe zu betrachten. Diese Hinweise könne jeder im Internet auf der Homepage der Gemeinde finden, außerdem sei es auch auf den Schildern, die an allen Zugängen zum Spielplatz angebracht seien, nachzulesen. „Da steht sogar meine Handynummer drauf, man kann also auch kurzfristig noch Bescheid sagen.“ Die Gebühr sei nicht etwa eingeführt worden, um Nicht-Morschheimer vom Platz fernzuhalten, sondern aus zwei Gründen: „Einmal, um einen Überblick über die Nutzung zu behalten. Wir haben sehr viele Anfragen. Mindestens 40 bis 50 Kindergartengruppen und Schulklassen haben die Anlage bereits genutzt. Bis zu den Sommerferien haben wir noch mal rund 25 Buchungen. Wir wollen verhindern, dass mehrere Gruppen gleichzeitig sich um den Platz streiten.“ Zumal in der Gebühr die Nutzung des Grillplatzes, der fest installierten Tische und Stühle sowie der fünf großen Sonnenschirme enthalten sei. Zum Zweiten dienten die 30 Euro pro Gruppe dazu, wenigstens einen Teil der Kosten wieder hereinzuholen: „Die beiden Dixi-Klos kosten 100 Euro je Toilette, wir lassen den Abfall von der Müllabfuhr da unten abholen, insgesamt entstehen allein dadurch jeden Monat Fixkosten von 230 Euro. Instandhaltungsarbeiten sind da noch gar nicht eingerechnet.“ Es habe sich übrigens noch keine Gruppe über die Gebühr beschwert. Worauf Fister außerdem Wert legt: „Die Orbiser Familie musste die 30 Euro nicht nachzahlen.“ Wir von der RHEINPFALZ wollten uns natürlich auch selbst ein Bild machen, was in der Piratenbucht so los ist. Bei einem Spontanbesuch am Dienstagnachmittag feiert eine Familie aus Kirchheimbolanden mit Eltern, Oma und großen und kleinen Gästen gerade einen Kindergeburtstag. „Wir finden das toll hier, das passt alles“, sagen sie. Die Erwachsenen sitzen an den Tischen unter den Sonnenschirmen, für die Kinder haben sie kleine Spielzelte und Sonnensegel aufgebaut. Ihre kalten Getränke lagern sie in einem Kühlschrank, den die Gemeinde Morschheim gestellt hat und der im Wasserhaus angeschlossen ist. Dass sie 30 Euro zahlen musste, hat die Familie nicht gestört. „Wir kriegen ja auch eine Gegenleistung dafür“, so die einhellige Meinung. „Wem 30 Euro für einen Geburtstag zu viel sind, der muss halt zu Hause feiern“, erklärt die Großmutter achselzuckend. Der Gemeinderat hat inzwischen beschlossen, über eine Staffelung der Gebühr nachzudenken und dabei auch zu berücksichtigen, welche Einrichtungen jeweils benutzt werden. Der Ausschuss Dorferneuerung soll jetzt Vorschläge für eine offizielle Nutzungsordnung erarbeiten.

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