Donnersbergkreis Ältester Chor im Kreis feiert Geburtstag
Wenn am Freitag und Samstag der älteste Chor im Sängerkreis Nordpfalz, der Jakob-Scheller-Chor 1847 Einselthum, seinen 170. Geburtstag feiert, schaut er zurück auf Jahre voller Höhen und Tiefen. 13 Sängerinnen und 15 Sänger sind es noch, die unter der Leitung von Gudrun Scherrer aus Winnweiler den Verein nicht untergehen lassen wollen. Leider liegt das Durchschnittsalter bei 75 Jahren. Geprobt wird im Vereinshaus unter dem strengen Blick des Namensgebers.
Im Jahre 1846 fanden sich Einselthumer Männer zusammen, um Gedanken auszutauschen und dabei auch zu singen. Da die Schar immer größer wurde, kam man auf die Idee, einen Männergesangverein zu gründen. Ein Jahr später wurde er aus der Taufe gehoben. Mitbegründer war der damalige evangelische Pfarrer Adolf Ernst Theodor Berkmann, der wegen seiner politischen Aktivitäten, später sogar vom Dienst suspendiert wurde und auswanderte. 1848 legte sich der Verein eine schwarz-rot-goldene Fahne zu, die ein treuer Wegbegleiter wurde. Als der Ökonom Golsen aus Zell in den Reichstag gewählt wurde, brachten ihm die Einselthumer Sänger im Jahre 1871 ein Ständchen – seitdem ist die Fahne verschwunden. Erst 1889 konnte der Verein sich wieder eine neue Fahne anschaffen, die heute noch in Ehren gehalten wird. Der erste Dirigent war der Lehrer Kaufmann. Viele Lehrer waren in dieser Zeit in Einselthum als Dirigenten tätig. So auch Karl-Friedrich Holdefer und ab 1889 der Lehrer Utzinger. Im Mai 1893 übernahm der aus Maudach stammende 28-jährige Lehrer Jakob Scheller den Dirigentenstab. Er hatte gleichzeitig den Posten des Gemeindesekretärs und spielte die Orgel in der evangelischen Kirche. Seine große Liebe galt der Musik. Während seiner Seminarzeit versuchte er sich an Liedvertonungen, zwölf seiner Kompositionen erschienen in einem Sammelband. Er schrieb auch einen Walzer mit dem Titel „Gruß vom Zellertal“. Aus der Einselthumer Zeit sind 20 Kompositionen überliefert, von denen „Das neue Pfälzer Lied“ („Es liegt ein Land am grünen Rhein“; der Text stammt aus der Feder seines Freundes, des Bockenheimer Lehrers Jakob Böshenz) das wohl bekannteste ist. Dieses Lied wird auch heute noch mit viel Herzblut vom Einselthumer Chor gesungen und auch am Jubiläumsabend zu hören sein. Im Juli 1927 feierte der Chor sein 80-jähriges Stiftungsfest. Wegen Unstimmigkeiten und dem Ausschluss einiger Sänger legte Jakob Scheller nach 34-jähriger Tätigkeit sein Dirigentenamt nieder. Sein Nachfolger wurde Jakob Leuck aus Albisheim – für 3,50 Mark Entgelt. 1929 übernahm Eugen Roos aus Ilbesheim die musikalische Leitung des Vereins. Von 1938 bis 1946 wurde die Sangestätigkeit eingestellt. Im Sommer des Jahres 1946 ging der Gemeindediener mit der Ortsschelle durch die Straßen und verkündete, dass es mit dem Singen wieder weitergehe. Treffpunkt sei am 17. August beim Weller Julius. Gleich 38 Männer folgten dem Aufruf. Vorstand wurde Jakob Winter und Dirigent der Ortsschullehrer Eduard Kleindienst. Im Jahre 1947 feierte der Verein mit zwölf Gastchören in einem Festzelt sein 100-jähriges Bestehen. Der Mietpreis für das Zelt bestand aus zwei Sack Weizen. Allerdings konnte kein Wein aus den beschlagnahmten Beständen der französischen Besatzung freigemacht werden. Nach langen Verhandlungen und der persönlichen Vorsprache beim Regierungspräsidenten in Neustadt wurden dem Verein schließlich 200 Liter Rotwein bewilligt. Bier gab es gar nicht, stattdessen wurde rote Limonade ausgeschenkt. Die größte Anzahl an Aktiven verzeichnete der Verein im Jahr 1952: 65 Sänger. Wegen ständigen Dirigentenwechsels konnte das 110-jährige Stiftungsfest erst im Jahre 1958 gefeiert werden. 1967 wurde dem Verein die Zelterplakette verliehen und 1977 das Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz überreicht. Ein wichtiges Datum der Vereinsgeschichte ist der 31. Oktober 1978. Nach stetigem Rückgang der Sängerzahlen stellte der Verein, seit 1960 dirigiert von Willi Scholz, auf gemischten Chor um. Bedauert wurde das damals von Einigen, bereuen musste man es aber nicht, denn die Frauen brachten neuen Schwung, und es ging wieder aufwärts. Im Jahre 1983 wurde unter Chorleiterin Annemarie Müller ein Kinderchor ins Leben gerufen, leider war ihm nur kurze Lebensdauer beschieden. Das 150-jährige Bestehen des Chors im Jahre 1997, mit Anja Hartmetz als Chorleiterin, wurde im Bürgerhaus mit vielen Gästen drei Tage lang groß gefeiert. Seit 1993 werden die Altbürger der Gemeinde vom Scheller-Chor betreut und allmonatlich zum Seniorentreffen bei Kaffee und Kuchen ins Haus der Vereine eingeladen. Seit dem Jahre 2000 steht nun Gudrun Scherrer aus Winnweiler, immer wieder für neue Ideen bekannt, am Pult. Vorsitzender ist seit 2000 Johannes Burgey. Das jüngste aktive Chormitglied ist 47, das älteste 89 Jahre alt. Es gibt vier Ehrenmitglieder, und passiv wird der Verein von 63 Mitgliedern unterstützt. Zum Jubiläum wurde eigens ein Projektchor gegründet. Inzwischen wurden einige Lieder einstudiert, die an den Jubiläumsabenden zu hören sind. Festprogramm: —Freitag 19.30 Uhr: Festkommers mit Ehrung und Grußworten. Mitwirkende sind neben dem Schellerchor und dem Projektchor die Musikfreunde und die Chorgemeinschaft Bechenheim-Niederwiesen. —Samstag 19.30 Uhr: Freundschaftssingen mit dem Schellerchor, dem Projektchor und Gastchören aus Albisheim, Bolanden, Hangen-Weisheim, Ober-Flörsheim und Pfeddersheim.