BAd Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Kandidaten über die Ergebnisse der Landtagswahl sagen

Freude an einem spannenden Wahlabend: Markus Wolf (CDU) und seine Frau Gabi können am Sonntagabend feiern.
Freude an einem spannenden Wahlabend: Markus Wolf (CDU) und seine Frau Gabi können am Sonntagabend feiern.

Der Dürkheimer Markus Wolf hat dem miserablen Landesergebnis der CDU getrotzt und das Direktmandat im Wahlkreis 42 gewonnen. Am Ende eines spannenden Wahlabends holte er 885 Erststimmen mehr als SPD-Kandidat Christoph Spies. Der bleibt aber im Landtag – ein guter Listenplatz macht es möglich.

„Wahnsinn, Sensation“ – hörbar angefasst kommentiert Markus Wolf gegen 21.30 Uhr das Ergebnis der Landtagswahl im Wahlkreis 42. Zu diesem Zeitpunkt hatten nervenaufreibende Stunden hinter ihm gelegen. 15.396 Erststimmen konnte der 40-jährige Dürkheimer am Ende eines spannenden Wahlabends holen – 885 mehr als sein ärgster Rivale im Kampf um das Direktmandat, der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Spies aus Grünstadt. Lange war das Rennen offen, ehe sich der Vorsprung des Dürkheimers verstetigte. „Meine Eltern sind da, jetzt killen wir eine Flasche Sekt“, skizzierte Wolf seine weiteren Pläne für den Abend. Für ihn gehe ein Traum in Erfüllung, so der Politikwissenschaftler, der 2016 noch an Manfred Geis (SPD) gescheitert war: „So etwas versucht man nur dann zum zweiten Mal, wenn man wirklich davon träumt.“

Im digitalen Wahlkampf hatte er so viele Veranstaltungen angeboten wie sonst niemand seiner Mitbewerber, zudem von seiner politischen Arbeit und seiner Bekanntheit im Kreis profitiert – ein großer Vorteil, in Zeiten, in denen Wahlkampf auf der Straße oder an der Haustür nicht möglich sind. Als CDU-Kreisvorsitzender freue er sich, dass auch Dirk Herber im Nachbarwahlkreis Neustadt das Direktmandat geholt habe. An einem Abend, an dem es sonst wenig zu feiern gab für die CDU in Rheinland-Pfalz. „Niederschmetternd“ sei das Landesergebnis, redete Wolf nicht lange um den heißen Brei herum. Maskenaffäre, die schleppenden Fortschritte bei der Impfkampagne, die Probleme bei Schnelltests – all das sei zu Lasten der Landes-CDU gegangen, so Wolfs erste Analyse.

Natürlich hätte sich Christoph Spies (SPD) gewünscht, den Sprung ins Landesparlament direkt zu schaffen: „Ich hatte es gehofft. Aber es war eine Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger. Das ist Demokratie“, sagt Spies in der Wahlnacht. Gleichwohl seien die 14.511 Stimmen ein „tolles Ergebnis“. Zudem wird er den Wahlkreis Bad Dürkheim weiterhin im Landtag vertreten, weil die SPD im Land ein starkes Ergebnis hatte und Spies auf der Landesliste gut platziert war. Gleich zu Beginn des Gesprächs sagt Spies, der seit 2019 im Landtag ist: „Gratulation an Herrn Wolf.“ Für eine Analyse, warum es für ihn nicht direkt gereicht hat, sei es in der Wahlnacht noch zu früh: „Ich werde mir in Ruhe die einzelnen Orte anschauen und das Ergebnis analysieren.“ Sein Vorgänger Manfred Geis sei sehr bekannt gewesen, das habe sicher eine Rolle gespielt, warum der Dürkheimer SPD-Mann das Mandat immer wieder direkt geholt habe: „Das war in 1,5 Jahren nicht aufzuholen“, sagt Spies.

Stolz ist Spies auf das „tolle Landesergebnis und dass wir mit Malu Dreyer den Regierungsauftrag erhalten haben. Dass ich zum Team gehöre, freut mich sehr“. Spies sagt, er werde nun darauf achten, dass er sich weiter in Mainz einarbeite und das, was er dort mache, auch besser in den Wahlkreis transportiert. Dass mit Markus Wolf, Iris Nieland und ihm gleich drei Landtagsabgeordnete den Wahlkreis Bad Dürkheim vertreten, findet er gut.

„Wolf war viel präsenter vor Ort“

„Es ist ein sehr gutes Ergebnis. Es freut mich“, sagt Joschka Brodbeck, Direktkandidat der Grünen, über sein Abschneiden. Immerhin hat er im Gegensatz zur Landespartei ein zweistelliges Ergebnis erreichen können. Mit dem Landesergebnis hadert der 24-Jährige aus Weisenheim am Berg etwas. „Da habe ich mir mehr erhofft.“ Jedoch habe es wohl an der großen Popularität von Malu Dreyer gelegen, dass die Grünen nicht mehr erreichen konnten, vermutet Brodbeck, der den Wahlabend ruhig bei seinem Vater in Weisenheim am Berg verbracht hat. Dass Markus Wolf es schaffen würde, den Wahlkreis zu gewinnen, damit hat Brodbeck gerechnet. „Er war als CDU-Kreisvorsitzender hier viel präsenter vor Ort“, so Brodbeck.

FWG-Direktkandidat Frank Grieger hat gemeinsam mit Verbandsbürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) sein Wahlkreisergebnis in Freinsheim gefeiert. Der 43-Jährige freut sich insbesondere darüber, dass der FWG der Einzug in den Landtag gelungen ist. Mit fast neun Prozent das viertstärkste Ergebnis bei den Wahlkreisstimmen einzufahren, damit sei er „sehr zufrieden“. Der Dürkheimer, der in Kallstadt aufgewachsen und dort über seine Familie noch fest verwurzelt ist, hat in seiner Heimatgemeinde fast 24 Prozent an Erststimmen erhalten. Er führt sein Wahlkreisergebnis „auf ein starkes Netzwerk der Wählergruppen zurück“, auf das er in der nächsten Zeit aufbauen wolle: „Wir sollten die FWG-Familie weiter verbinden.“

„Total coronakonform“ hat Petra Dick-Walther den Wahlabend zu Hause verbracht. Als FDP-Direktkandidatin hatte sie keinen Wahldienst gemacht und am Abend die Medien verfolgt. „Ungewohnt, eigenartig“ sei dieser Wahltag in Pandemie-Zeiten gewesen. „Ich gratuliere Markus Wolf, er hat einen superambitionierten Wahlkampf geführt“, sagte die 54-Jährige über ihren Kollegen im Dürkheimer Stadtrat, der „gegen den Landestrend“ gewonnen habe.

Felix Eichner (Klimaliste Rheinland-Pfalz), freut sich, dass er mit 2,5 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 42 über dem Landesdurchschnitt von 0,7 Prozent liegt. „Immerhin ist es mir gelungen, das Vertrauen von mehr als 1000 Wählern zu bekommen“, sagt der 18-jährige Gymnasiast.

1,9 Prozent sei nicht das beste Ergebnis, so Linken-Kandidat Jens Schwaab. Ein oder zwei Prozentpunkte mehr hätte der 25-Jährige gerne geholt. Er sei aber zufrieden. „Ich habe mein Bestes gegeben“, sagte der Wachenheimer. Gerade kleinere Parteien seien auf den Straßenwahlkampf angewiesen, der durch Corona weggefallen sei, analysiert der Schüler, der den Wahlabend mit Vorbereitungen auf den nächsten Schultag verbracht hat.

Iris Nieland (AfD) war am Wahlabend nicht erreichbar. Politik

Über die Landesliste ins Parlament: Christoph Spies.
Über die Landesliste ins Parlament: Christoph Spies.
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