Bad Dürkheim
Waldfest: Als Hardenburg sich wehrte
Sonntagmorgen um zehn: Die Turnhalle des ASV Hardenburg ist bis auf den letzten Platz besetzt. Unter dem Motto „Zu ehrender und dankbarer Erinnerung an unsere Vorfahren“ schlug das 160. Hardenburger Waldfest einen großen Bogen von 1865 bis ins Jetzt – mit Ernst, Herz, und überraschend viel Gegenwartsbezug. Ortsvorsteher Thorsten Brand (CDU) eröffnete das Fest bewusst analog, ohne Bildschirm und Effekthascherei. In seiner Ansprache schwor er die 170 Festgäste auf das Wort „Miteinander“ ein. Ein Begriff, der an diesem Tag immer wieder auftauchte, in Reden, Spielszenen und Erinnerungen.
In Anwesenheit vieler Ehrengäste würdigte Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) in ihrem Grußwort den Zusammenhalt als eigentliches Fundament des Ortes. Zwischen den Redebeiträgen spielte das Blechbläser-Ensemble unter Leitung von Martin Scheuber flotten Jazz.
Einen frischen Zugriff auf Geschichte wagt die Hardenburger Jugend. In ihrem Festspiel „schon mal gehört …?“, einstudiert unter Leitung von Heike Kiechle, rückten elf Jugendliche das Jahr 1865 ins Rampenlicht: Gründung der BASF, der Heilsarmee, des Secret Service, Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Im Deutschen Reich wurden in diesem Jahr Wagners „Tristan“ uraufgeführt, Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ veröffentlicht und es war der Auftakt der Frauenbewegung. Ihre Beiträge hatten die Kinder digital recherchiert, klug verdichtet und lebendig vorgetragen. Seit drei Jahren trifft sich die Gruppe wöchentlich im Projekt „Hardenburger Jugendraum“, ehrenamtlich betreut von Maja Schulz.
Sieben Gaststätten und eine Straußenwirtschaft
Die große historische Tiefenbohrung übernahm Manfred Rings, Vorsitzender des 1935 gegründeten Heimatvereins. Sein Vortrag war detailreich, ausschweifend und kenntnisgesättigt. Thema war der Wald als Lebensgrundlage und die Gaststätten als soziale Knotenpunkte. Vom „Wirtshaus im Tal“ (1464, nicht genau verortet) über die erste Hardenburger Gaststätte „Grüner Baum“ (1646), 1797 gefolgt von Gasthaus und Pension „Zum Hirsch“, Waldgaststätte „Alte Schmelz (1820), Ausschank „Zum Saupferch“ (1885), „Forsthaus Weilach“ (1887-1996) und den Gaststätten „Zur Hardenburg“ (1890), „Zur Linde“ (um 1910 bis 1938) und „Straußwirtschaft Adam Berger“ (um 1920 bis 1950).
Für 969 Hardenburger gab es in der Hochphase um 1910 sieben Gaststätten und eine Straußwirtschaft. Wo Lokalitäten entstehen, sind Frieden und wirtschaftliche Entwicklung nicht fern. Der wirtschaftliche Aufschwung in den 1950er-Jahren zeigte sich in der Eröffnung der Gaststätten „Waldschlöss’l“ (1954) und „Zum Schwalbennest“ (1959). Doch schon bald begann das Sterben der örtlichen Gastronomie. Die Geschichte der Gaststätten in Hardenburg sei auch eine Geschichte „der ständigen Anpassungsbereitschaft an klimatische Bedingungen, politische Umstände und wirtschaftliche Widrigkeiten gewesen“, betonte Manfred Rings.
Mut, Weitsicht, Gemeinsinn
Mit der Verwaltungsreform von 1969 kam Hardenburg als einer von fünf Ortsbezirken zur Stadt Bad Dürkheim – eine im Nachhinein wirtschaftlich gute Entscheidung, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Schließung ortsansässiger Wirtschaftsbetriebe wie der Kaiserdeckenproduktion (1965), der Türfabrik Buchert (1975), des Sägewerks Assel (später Ebling, 2010) und der Papierfabrik Cordier (2023).
Das Waldfest erinnere daran, „dass Menschen in einer lebendigen Gemeinschaft zu kreativen Lösungen für gesamtgesellschaftliche Probleme imstande waren“. Historischer Kern des Waldfestes ist der gewonnene Gerichtsprozess, den im Jahr 1865 81 Hardenburger Familien gegen den bayerischen Staat anstrengten zur Wiedererlangung verlorener Waldrechte. Die zugesprochene Summe von 39.000 Gulden stellten die Bürger ihrer Gemeinde zur Verfügung, die in späterer Zeit damit unter anderem Wasserleitung, Schulgebäude und Feuerwehrgerätehaus finanzierte. Und noch heute erhalten die derzeit 234 Hardenburger über 65 Jahre aus der damaligen Schadenssumme jährlich einen Gutschein für einen Laib Brot.
In ihrer Gedenkansprache verlas Ortsbeirätin Heike Kiechle schließlich die Namen jener zwölf Männer, die stellvertretend für Mut, Weitsicht und Gemeinsinn stehen: Johann Wilhelm Behret, Ortsvorsteher, sowie die Gemeinderäte Adam Berger, Daniel Cornelius, Peter Leib, Theobald Matheis, Wilhelm Ritter, Johannes Ritter, Martin Schmitt, Johannes Speicher I. und Georg Philipp Storck. Hinzu kamen Gemeindeeinnehmer Friedrich Bernhard Resch und Gemeindeschreiber Jakob Wenner – Persönlichkeiten, die den erfolgreichen Kampf um die Waldrechte trugen und deren Entscheidungen bis heute nachwirken.
Zum Ausklang bewirtete der Heimatverein: Beim gemeinsamen Essen mit Kartoffelsuppe (Alte Schmelz), Brot und Hefebrezeln (Tempel Backparadies) feierten die Hardenburger ihr Miteinander – und den Ausblick aufs nächste Jahr. 2026 feiert der ASV sein 120-jähriges Bestehen und zum 50-jährigen Jubiläum des Hardenburger Kindergartens steht die Einweihung des neuen Spielplatzes an der Kita an.