Bad Dürkheim
Bad Dürkheim: Als Hardenburg sich wehrte
Ein Waldfest in einer Turnhalle ist ungewöhnlich. In Hardenburg gibt es genau das alljährlich am 28. Dezember. Wobei es eher eine Feierstunde ist. Sie erinnert an den 28. Dezember 1865, als die in Hardenburg lebenden Familien beschlossen, eine Entschädigungssumme von 39.000 Gulden für das Dorf zu verwenden.
Die Entscheidung sei in der Gaststätte „Zum Hirsch“, die es inzwischen nicht mehr gibt, getroffen worden, erinnerte der in Hardenburg lebende Hobbyhistoriker Reinhold Höhn in einem Vortrag. Der bayrische Staat hatte den Hardenburgern aufgrund eines Gerichtsurteils 39.000 Gulden als Entschädigung dafür zahlen müssen, dass die bayrische Forstverwaltung den Hardenburgern im Januar 1839 ihre Waldrechte aberkannt hatte.
Diese Waldrechte hatten die Leininger Grafen den Hardenburgern zugestanden. Sie beinhalteten, dass die Hardenburger aus dem Wald Holz, Laub und ähnliches holen und im Wald ihr Vieh weiden lassen durften. Im Oktober 1841 klagte die Gemeinde gegen die Aberkennung der Waldrechte. Das Verfahren ging über mehrere Instanzen, 1854 gewann Hardenburg den Prozess und es wurde festgelegt, dass die Bürger eine Entschädigungssumme für die Jahre seit 1839 bekommen. Bis deren Höhe feststand, dauerte es nochmals zehn Jahre.
Jede Familie hätte 481 Gulden erhalten
Wie Höhn berichtete, haben damals in Hardenburg 81 Familien gelebt, jeder hätte 481 Gulden zugestanden. Nach der Entscheidung, dass das Geld für das Dorf verwendet werden soll, wurden in den folgenden Jahren eine Waschküche, eine Kleinkinderbewahranstalt, ein Spritzenhaus für die Feuerwehr, ein Turm mit Turmuhr und ein Schulhaus gebaut, außerdem ein Friedhof angelegt.
Jede Hardenburger Familie habe zugunsten der Allgemeinheit auf etwa zweieinhalb Jahresgehälter verzichtet, sagte Ortsvorsteher Thorsten Brand (CDU). Er habe überlegt, was Grundlage dieser Entscheidung gewesen sei und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies Werte, wie Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, Verlässlichkeit, Demut und Toleranz waren. Das damalige Verhalten der Hardenburger sei vergleichbar mit dem heutigen Ehrenamt, so Brand.
Ein Ausdruck des Gemeinschaftsgefühls
Ehrenamtlich tätig seien auch die Mitglieder des Ortsbeirats. Brand nannte als Aktivitäten des Ortsbeirats Veränderungen auf dem Friedhof, etwa die Errichtung von Urnenstelen, Neugestaltung der Außenanlage der Kindertagesstätte und Umgestaltung der Räume der Kindertagesstätte, das Aufstellen eines Bauwagens für die Waldgruppe und eine Wiederbelebung des Dorfadvents.
Die Entscheidung der Hardenburger sei ein Ausdruck des Gemeinschaftsgefühls gewesen, sagten Brand und Bürgermeister Christoph Glogger (SPD). Es sei heute noch zu spüren, dass die Hardenburger die Gemeinschaft hoch halten, so Glogger. Die Tradition des Waldfestes sei eine Geschichte über Gerechtigkeit, sagte Glogger. Denn ein kleines Dorf habe sich gegen den großen Staat aufgelehnt und sein Recht eingefordert.
Mit Musik und Ausstellung
Musikalisch wurde die Feierstunde von Frank Metzger (Saxofon) und Matthias Denhoff (Piano) gestaltet. Für die Bewirtung der Gäste sorgten Mitglieder des Heimatvereins Hardenburg. Gezeigt wurde eine von Harald Buchert zusammengestellte Ausstellung über das vor 20 Jahren eröffnete Bürgerhaus.