Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vulcan-Projekt im Bruch geplatzt

Das Gewerbegebiet Bruch soll in Richtung Süden wachsen – aber ohne Vulcan Energie Ressourcen.
Das Gewerbegebiet Bruch soll in Richtung Süden wachsen – aber ohne Vulcan Energie Ressourcen.

Die Karlsruher Vulcan Energie Ressourcen GmbH wird sich nicht im Gewerbegebiet Bruch ansiedeln. Damit fehlt der Stadt ein großer Partner. Gibt es ein neues Konzept?

Am Mittwoch hatte Vulcan angekündigt, mit der BASF gemeinsam an der Gewinnung von Lithium und der Versorgung des Chemiekonzerns sowie der Städte Ludwigshafen und Frankenthal mit Erdwärme arbeiten zu wollen. Der Entschluss bedeutete faktisch das Aus für die Pläne, in Bad Dürkheim Lithium und Wärme aus dem aus großer Tiefe geförderten Thermalwasser des Oberrheingrabens zu gewinnen. Das bestätigte Vulcan-Geschäftsführer Thorsten Weimann am Freitag auf Anfrage.

Große Pläne, jähes Ende

Im Gewerbegebiet Bruch wollte Vulcan eine Anlage zur Extraktion des ebenso begehrten wie seltenen Metalls, das beispielsweise in Akkus von E-Autos enthalten ist, sowie ein Geothermieheizkraftwerk bauen. Dieses hätte eine Schlüsselrolle in der Wärmeversorgung der Stadt übernehmen können. Da Bad Dürkheim aus geologischen Gründen aber nicht als Standort für Bohrungen gesehen wurde, hätte das heiße Wasser über Pipelines aus der Vorderpfalz ins Bruch geführt werden müssen – eine ebenso aufwendige wie kostenintensive Idee. Trotz der immensen Investitionen hielt Vulcan bis zuletzt an den Plänen fest. Noch im September informierte Geschäftsführer Weimann im Bauausschuss über die Pläne, die in einen Kooperationsvertrag münden sollten. Damals sei noch nicht klar gewesen, dass sein Unternehmen mit der BASF kooperieren werde und beispielsweise auf dem Firmengelände Grundstücke für seine Anlagen erwerben dürfe, sagte Weimann.

In einem Hintergrundgespräch mit der RHEINPFALZ Ende September hatte sich Vulcan dagegen schon zurückhaltender gezeigt. Wenige Tage vor der Bekanntgabe der Kooperation mit der BASF informierte das Karlsruher Unternehmen nun die Stadtverwaltung, dass der seit 2023 verhandelte Kooperationsvertrag nicht zustande kommen wird. Die Vereinbarung sei bis auf wenige Kleinigkeiten unterschriftsreif gewesen, sagte Bad Dürkheims Bürgermeisterin Natalie Bauerschnmitt (CDU). Bauernschmitt sprach von einer negativen Botschaft für die Stadt. „Andererseits ist es wichtig, jetzt Klarheit zu haben“, betonte sie. Die Verhandlungen mit Vulcan fielen zeitlich mit der Erarbeitung der kommunalen Wärmeplanung für Bad Dürkheim zusammen. Das beauftragte Büro Team für Technik hatte daraufhin den Auftrag bekommen, zweigleisig zu planen – einmal mit Fernwärme aus dem Bruch und einmal ohne. Jetzt gehe es weiterhin darum, gute Lösungen für die Wärmeversorgung der Bad Dürkheimer zu finden, sagte Bauernschmitt – allerdings ohne Erdwärme aus dem Bruch.

Noch kein neues Konzept

Doch wie geht es mit der Süderweiterung des Gewerbegebiets weiter? Diese war 2022 nach langen Diskussionen und harten Auseinandersetzungen beschlossen worden. Umgesetzt werden soll eine kleine Lösung – die Erweiterung um 16 Hektar. Neun davon wollte Vulcan erwerben. Zwischenzeitlich hatten die Pfalzwerke in Kooperation mit KST geplant, eine Anlage zur Gewinnung von Wasserstoff, einen sogenannten Elektrolyseur, auf einem anderen Teil der Erweiterungsfläche zu errichten. Im März verabschiedete sich der Versorger von dem Vorhaben.

KST hat nach Angaben der Stadtverwaltung aber weiterhin Interesse an einer Fläche zur Erweiterung des Firmengeländes in Richtung Süden. Wie Petra Müller, stellvertretende Bauamtsleiterin, erklärte, stehen die KST-Pläne nicht in Zusammenhang mit dem nun abgeblasenen Vulcan-Vorhaben. „Unsere Herausforderung ist es nun, an der Erweiterung des Gewerbegebiets ohne einen großen Partner wie Vulcan weiterzuarbeiten“, fasste Müller die Ausgangslage zusammen.

Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt erklärte, ein neues Konzept dafür liege noch nicht in der Schublade. Dafür sei es noch zu früh. Die Situation soll nun mit den städtischen Gremien besprochen werden.

Bekommt die Stadt doch noch Vulcan-Wärme?

Ganz abgeschrieben hat die Stadtverwaltung die von Vulcan in der Vorderpfalz gewonnene Erdwärme noch nicht: „Die Firma Vulcan Energie hat uns mitgeteilt, dass es nach wie vor das Ziel ist, die Kommunen in der Region mit nachhaltiger Wärme zu versorgen. Hierbei will Vulcan berücksichtigen, dass ein Teil der Wärme auch nach Bad Dürkheim geliefert wird“, heißt es aus dem Rathaus.

Vulcan-Geschäftsführer Weimann wirbt derweil um Verständnis für die Entscheidung gegen eine Investition im Bruch: Die Verwendung der gesamten Wärme als Wärme oder Dampf sei sinnvoller als ihre Umwandlung in Strom. Die BASF sei dafür ein sehr guter Partner, weil die Wärme dort direkt als Energieträger für die Produktion genutzt werde. Zudem hätten sich mit den Stadtwerken Frankenthal und den Technischen Werken Ludwigshafen zwei große Energieversorger als Partner gefunden. Zwei getrennte Standorte – einer in Bad Dürkheim für die Gewinnung von Lithium und einer in Ludwigshafen für die Wärme – seien nicht sinnvoll.

Der Bereich in der Vorderpfalz, den Vulcan auf mögliche Bohrstellen mit der sogenannten Seismik ab 2025 untersuchen möchte, bleibt laut Weimann nahezu unverändert. Bad Dürkheim liegt am Rand dieser 250 Quadratkilometer großen Zone. Wo nach heißem Wasser gebohrt werden soll, stehe noch nicht fest.

x