Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verleih für E-Bikes wird ausgebremst

Auch E-Lastenräder könnten verliehen werden. Doch wohin am besten mit der Verleihstation?
Auch E-Lastenräder könnten verliehen werden. Doch wohin am besten mit der Verleihstation?

Ob Verleihstationen für E-Bikes und E-Lastenräder im Kreis Bad Dürkheim gebaut werden, ist fraglich. Trotz einer Millionenförderung gibt es Widerstand. Warum?

Drei Tage nach der Feier im Kurfürstlichen Schloss in Mainz folgte die Ernüchterung: Das Konzept zum Aufbau von Verleihstationen für E-Bikes und E-Lastenräder bekam vom Bauausschuss der Stadt Bad Dürkheim die rote Karte – obwohl die Kreisverwaltung dafür vom Land eine Förderzusage in Höhe von 1,4 Millionen Euro erhalten hatte. „Verschwendung von Steuergeldern“, „unausgegoren“, „kein Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag“, lautete das vernichtende Urteil. Der Bauausschuss lehnte es ab, für drei Verleihstationen in der Stadt mit jeweils zwei E-Bikes und einem Lastenrad Gelände zur Verfügung zu stellen. Gebraucht werden für die Verleihstation etwa 50 bis 75 Quadratmeter sowie ein Pkw-Stellplatz. Ein Dorn im Auge waren den Ausschussmitgliedern auch die Unterhaltungs-, Betriebs- und Versicherungskosten in Höhe von 10.000 Euro jährlich, die die Kommunen selbst zu tragen hätten.

Das Konzept sieht vor, in allen fünf Verbandsgemeinden sowie in Haßloch, Grünstadt und Bad Dürkheim je drei solcher Verleihstationen einzurichten. Pro Station sollen zwei E-Bikes und ein Lastenrad an überdachten Fahrradabstellplätzen stehen. Durch Photovoltaik-Anlagen und entsprechende Energiespeicher sollen die Stationen komplett autark sein.

Bürger wünschten sich das Projekt

Die Idee zu dem Projekt entstand laut Kreisverwaltung im Laufe der Bürgerbeteiligung zum Klimaschutzkonzept „Klimafreundliche Mobilität“. Hier hätten die Bürger mehrfach den Wunsch nach einem solchen Verleihsystem geäußert. Eine Skizze des Projekts wurde Anfang März vom Mainzer Wirtschaftsministerium als förderwürdig eingestuft, der endgültige Antrag musste bis Ende Mai gestellt werden. Der Verleih der Fahrräder soll über das Mietradsystem VRN-Nextbike des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) laufen. Neben den Kommunen und dem VRN ist das TINK-Netzwerk (Transportrad-Initiative Nachhaltiger Kommunen) ein weiterer Projektpartner des Landkreises. Umgesetzt werden soll das Projekt bis zum Jahresende 2026.

Zielgruppe eines solchen Angebots sind laut Kreisverwaltung ökologisch motivierte Bürger, Familien sowie Touristen. „Das Angebot von Mietfahrrädern wird die Attraktivität der Region aus Sicht der Touristen weiter steigern und gleichzeitig dazu motivieren, sich während des Urlaubs mit dem E-Bike oder mit dem E-Lastenrad fortzubewegen“, heißt es auf Nachfrage von der Kreisverwaltung.

Welche der 21 Ortsgemeinden kommt zum Zug?

Kritik an dem Konzept gab es auch von der Verbandsgemeinde Leiningerland. Der Haupt- und Finanzausschuss versagte wie der Dürkheimer Bauausschuss seine Zustimmung. Wie Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) mitteilte, sei man sich zwar einig gewesen, dass der Umstieg auf E-Mobilität gefördert werden soll, jedoch habe das Gremium nicht den Nutzen solcher Verleihstationen gesehen. „Wir haben 21 Ortsgemeinden und würden drei Stationen bekommen. Da stellt sich die Frage, wo die sinnvollerweise aufgestellt werden sollen“, gibt Rüttger zu bedenken. Außerdem sei es unklar, wer das Angebot im ländlichen Raum nutzen sollte. Schließlich müsse man Wege zurücklegen, um an die Verleihstation zu kommen und aufs Rad umzusteigen. Danach müsse es wieder an die Station zurück gebracht werden.

Es sei schwer, sich Szenarien vorzustellen, für die ein solcher Radverleih sinnvoll sein könne. Dabei gehe es doch um eine Alternative zum Auto. „Trägt sich nicht“, „unausgegoren“, seien deshalb die Urteile im Ausschuss gewesen, so Rüttger. Es sei auch nicht klar, wer die Fahrräder kontrolliere und wie reparaturanfällig solche Mieträder seien. Der Nutzen stehe deshalb im Vergleich zu den hohen Kosten von 1,4 Millionen Euro in keinem Verhältnis, meint Rüttger. Die Meinung im Ausschuss sei deshalb gewesen, lieber in die Ladeinfrastruktur für E-Bikes zu investieren. „Nur wird das jetzt mit diesem Förderantrag nicht gehen.“

„Nicht damit gerechnet“

Freinsheims Verbandsbürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) sieht bei dem Projekt „noch viel Fragen offen“. Im ersten Moment habe sich das gut angehört. Es sei zwar gut gewesen, den Finger zu strecken und sich zu bemühen, Fördergelder an Land zu ziehen, jedoch habe er nicht damit gerechnet, dass das Land das Projekt tatsächlich mit 1,4 Millionen Euro anstoßen würde, sagt Oberholz. Eine Vermietung von E-Bikes habe die Urlaubsregion Freinsheim schon vor Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile sei dies seit der Schließung des Kallstadter i-Punktes in private Hände übergegangen. Da müsse man sich um gar nichts kümmern, auch nicht um die „Lieferung“.

Selbst die Grünen-Politikerin Silvia Schmitz-Görtler ist von der Idee in ländlichen Gegenden nicht überzeugt. „Für die Stadt Bad Dürkheim halte ich das noch eher für vorstellbar“, sagt die Beigeordnete der VG Freinsheim. Die Distanzen zwischen den Dörfern seien eine Bremse für eine erfolgreiche Ideenumsetzung. Auch die Firma Stadtmobil sei deswegen abgesprungen, als es um einen Car-Sharing-Standort für die Verbandsgemeinde ging.

Bechtel begrüßt kreisweite Lösung

Nicht ablehnend steht Wachenheims Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel (CDU) der Sache gegenüber: „Eine kreisweite Lösung finde ich gut“, sagte er mit Verweis auf den gelungenen barrierefreien Radweg. Er könne sich als Standorte die Zug- und Bahn-Haltestellen vorstellen. Die Räder könnten das Angebot der Radgaragen ergänzen und für Touristen und Einheimische attraktiv sein. Einziger Kritikpunkt seien die laufenden Kosten. „Vielleicht lässt sich ein Teil refinanzieren, beispielsweise über Werbung, die man anbringen könnte“, schlägt Bechtel vor.

Horst Bäuml, Sprecher der Dürkheimer Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), begrüßt die Initiative, sieht aber auch Diskussionsbedarf. So vermisst er den touristischen Aspekt. Außerdem hätte der Kreis dieses Thema besser an einem Runden Tisch Radverkehr diskutieren sollen. Doch den gebe es leider noch nicht, bedauert Bäuml.

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