Bad Dürkheim Traditionsgeschäft Manthey: Die Mode ändert sich, das Schaufenster bleibt
Einer kommt sogar aus der Schweiz. Treue Kunden sind das Fundament des Herrenausstatters in der Dürkheimer Innenstadt. Und so reist ein ehemaliger Dürkheimer regelmäßig extra aus dem Nachbarland an, um sich im Modehaus Manthey in der Mannheimer Straße komplett einzukleiden.
Aber es sind längst nicht nur langjährige Kunden. Junge Männer ab 30 Jahren will Firmenchef Christian Manthey genauso erreichen – etwa mit Werbung auf Social Media. Generell sei Erfindungsreichtum gefragt, um das Geschäft am Laufen zu halten, gerade in Krisenzeiten. „Während Corona gab es Videoshopping und wir hatten unser komplettes Haus nur für einen einzigen Kunden geöffnet“, sagt Manthey.
Ein besonderer Service sei das Probieren zu Hause: Noch immer sei es nicht ungewöhnlich, dass die Frau im Laden sondiere und eine kleine Auswahl mit nach Hause nehme. Und: „Männer kaufen bedarfsorientiert. Und hier bekommen sie alles von Kopf bis Fuß“, erklärt Manthey seine Kunden. Und etwas anderes ändert sich wohl auch nie: Immer noch legt das Bekleidungsgeschäft Wert auf das klassische Schaufenster. „Wir haben hier viele Passanten“. erklärt Manthey.
Mantel des Urgroßvaters ergattert
Die Geschichte des Herrenausstatters beginnt kurz nach dem Ersten Weltkrieg: Der 1875 in Stettin geborene Firmengründer Hans Manthey ging nach seiner Schneiderlehre nach Berlin – die Metropole des modeschaffenden Handwerks. Manthey absolvierte seine Meisterprüfung und kam nach Bad Dürkheim, wo er sich 1918 selbstständig machte. „Maßkleidung in feiner Ausführung und Fertigkleidung in großer Auswahl“ war in großen Lettern am Haus in der oberen Schillerstraße zu lesen.
Um im Herzen der Kurstadt präsent zu sein, kaufte Firmengründer Manthey 1925 das Haus in der Mannheimer Straße Nummer 4. Er beschäftigte damals fünf Mitarbeiter und hatte die Befugnis, Schneider auszubilden. „In dieser Zeit gab es keine Fertigkleidung“, erzählt Senior Arno Manthey. Kunden kamen ins Geschäft, suchten sich den Stoff aus, die Kleidung wurde maßgeschneidert. Jüngst habe er einen vom Urgroßvater gefertigten Mantel in einem Mannheimer Secondhandladen ergattern können, ergänzt Christian Manthey.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Wandel zur Konfektionsware. Heute präsentiert sich das Haus auf zwei Stockwerken und rund 400 Quadratmetern Verkaufsfläche. Mit den Zeiten änderten sich auch die Schnitte. Herrenmode sei körperbetonter geworden, weiß der Textilfachmann: „Die Zeit der Schulterpolster ist vorbei. Und Blau in allen Schattierungen ist angesagt.“ „Corporate Fashion“ heißt ein neues Angebot: Manthey liefert T-Shirts und Poloshirts mit den Schriftzügen des Arbeitgebers, etwa an die Dürkheimer Verwaltung.
„Zwischen Hosen und Anzügen gespielt“
Wichtig bleibt: „Die Beratung durch unsere Mitarbeiterinnen ist unser größtes Kapital“, sagt der 46-jährige Firmenchef über sein Team, zu dem auch seine 43-jährige Partnerin Jacqueline Jochum zählt, mit der er gemeinsam Verantwortung trägt. Seit gut 20 Jahren gehört sie wie auch Mitarbeiterin Andrea Tempel zur Firma. Immer noch dabei sind die Eltern Arno und Ursula, heute beide 80 Jahre alt, die 1971 das Geschäft in dritter Generation von Otto Manthey übernahmen und ausbauten. Sie nahmen das Obergeschoss hinzu und vergrößerten 1990 durch den Kauf des Nachbarhauses die Verkaufsfläche fast um das Dreifache. Mutter Ursula sei noch immer regelmäßig im Laden und unterstütze das zehnköpfige Team. Und Manthey braucht noch Verstärkung: „Wir suchen Personal.“
Seit 2007 bestimmt der Textilbetriebswirt und geschäftsführende Gesellschafter Christian Manthey, der „zwischen Hosen und Anzügen gespielt“ habe, die Geschicke im Männermodehaus. Er engagiert sich zudem als Vize im Dürkheimer Gewerbeverein. Mit Partnerin Jacqueline Jochum ergänzte Manthey 2010 mit der „Street One“-Filiale am Stadtplatz das Angebot auf 100 Quadratmetern um Damenmode. Ob auch die Tochter einmal ihren Weg in Sachen Mode gehen wird? Die Fragestellung sei noch viel zu früh, betont Christian Manthey: „Sie ist gerade mal fünf.“