Bad Dürkheim Straßennamen: Ur-Enkelin über Karl Räder

Die Karl-Räder-Allee in Seebach.
Die Karl-Räder-Allee in Seebach.

Als „Hexenjagd“ bezeichnet die Ur-Enkelin von Heimatdichter Karl Räder, Ingrid Bauer, die Debatte um die Straßennamen in Bad Dürkheim. Ihr Urgroßvater sei ein Mann gewesen, der sich „selbstlos und unermüdlich für die Stadt“ eingesetzt habe. Ob die Karl-Räder-Allee in Bad Dürkheim einen neuen Namen bekommt, entscheidet der Stadtrat.

Bauer hat sich nach einer Umschulung seit 2013 zunehmend mit ihrem Erbe beschäftigt. Bei Veranstaltungen in Schifferstadt und Ludwigshafen sei sie auf Räders NS-Gedichte aufmerksam gemacht worden. „Das Ausmaß des NS-Engagements meines Urgroßvaters erfuhr ich jedoch erst aus dem Bericht Roland Pauls. Ich bin entsetzt darüber, und dennoch gelingt es mir, eine gewisse Empathie zu empfinden für die Menschen, die in der damaligen Zeit ihre Entscheidungen treffen mussten.“ Sie kenne Räder „als einen wirklich rechtschaffenen, ehrlichen und hilfsbereiten Mann, der zu seinem Fehlverhalten stand und dem ich seine Reue und Läuterung hundertprozentig glaube!“ Ihr Vorfahr habe sich für seine „Verfehlungen“ geschämt „und sie bereut, und niemals hätte er sich je wieder derart geäußert“.

Kritik an der Stadt

Bauer kritisiert den Historiker Paul, der bis zu seinem Ruhestand Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde war, für seine aus ihrer Sicht „unsachlichen Meinungsäußerungen“ in dessen Gutachten über Räder – etwa durch verschiedene Formulierungen. Paul hatte im Auftrag der Stadt das Wirken des Heimatdichters in der NS-Zeit nachgezeichnet. Der Historiker kommt zu dem Schluss, Räder habe sich ohne Zwang dem NS-Regime angebiedert, er sei dessen „Propagandist“ gewesen. Bauer kritisiert auch die RHEINPFALZ für ihre Berichterstattung über das Gutachten – „denn diese Information bildete die öffentliche Meinung über Karl Räder, die jetzt in den Köpfen der Leser gespeichert ist.“ Die Stadt habe, kritisiert Bauer weiter, das Gutachten interpretiert und verschärft veröffentlicht. „Somit wurde Karl Räder für Jedermann unmöglich“, so das Fazit von Bauer. Die Stadt teilt die Kritik an Paul nicht.

Zur Straßenumbenennung hat Bauer eine klare Meinung. Sie könne es „niemals akzeptieren, dass der Name gelöscht wird, und trotzdem seine Verfehlungen abrufbar bleiben“. „Sollte die Stadt auf ihrer neuesten Idee beharren, kann ich nicht ruhen, bis zumindest das Gutachten und das Banner im Museum in einer sachlichen, nicht manipulativen Sprache verfasst sind.“ Das einzig Positive sei die nun engere Verbindung der Verwandten. Ein jüdisches Familienmitglied habe ein Schreiben verfasst, aus dem hervorgehe, „dass keine antisemitische Haltung im Hause Räder zu spüren war“.

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