Bad Dürkheim
Sterne bei Google: Wie kommen sie bei den Gastronomen an?
Viele Menschen ziehen bei der Suche nach einem geeigneten Restaurant gerne Google zurate. Wie üblich werden hier Sterne vergeben. Jedoch haben diese nichts mit den Sternen von renommierten Restaurantführern wie Guide Michelin oder Gault-Millau zu tun. Letztlich weiß man auch nicht, wie die Rezension auf Google zustande kam. Angeblich bewerten hier „normale“ Gäste ihr Geschmacks- und Umgebungserlebnis. Die höchste Google-Auszeichnung sind fünf Sterne. Mit je 4,9 Sternen führen bei Google in Bad Dürkheim derzeit das indische Restaurant Haveli in der Eichstraße sowie „DieDa im Weingut“ die Spitzengruppe an, dicht dahinter folgt das Rösers Restaurant im Weinrefugium mit 4,8 Sternen. Das Käsbüro von Corinna und Harry Kolley bekommt von den Gästen 4,7 Sterne, die Waldgaststätte Schützenhaus 4,6.
Spezialisiert auf vegane und vegetarische Küche hat sich das „DieDa im Weingut“: Die vergangenen drei Jahre war es in der Römerstraße 13 zu Hause, am 1. Oktober öffnet es als „DieDa im Bach-Mayer“ seine Türen in der Gerberstraße (wir berichteten). Für Martin Dreißig-Richter, der das Lokal mit seiner Frau Kathleen betreibt, sind die Rezensionen (128 Bewertungen) „nicht so wichtig und nicht so bedeutsam“. Trotzdem freue er sich über gute Bewertungen, betont aber, dass er noch nie jemanden animiert habe, eine für das „DieDa“ abzugeben. „Gute Bewertungen sind für uns eine Bestätigung, das ist richtig. Aber eigentlich sind es ja Hinweise, Ratschläge und Tipps von Kunden für Kunden“, sagt der gelernte Patissier und fügt hinzu, dass er nicht auf Bewertungen reagiere. Eine ist ihm aber im Kopf geblieben: „Wir bieten bekanntermaßen vegetarische und vegane Gerichte an und sind eine Weinstube. Ein Gast aus der Schweiz meinte, dass zu einer Weinstube auch Wurst und Fleisch gehöre, und hat uns deshalb nur zwei Sterne gegeben.“ Kathleen Dreißig-Richter berichtet, dass es auch schon ein Angebot eines „dubiosen Unternehmens“ gegeben habe, für ein geringes Entgelt die schlechte Bewertung aus dem Verlauf zu löschen. „Man bekommt dann ein Screenshot der schlechten Bewertung geschickt und den Hinweis, dass dafür gesorgt werde, den Text zu entfernen“, berichtet Dreißig-Richter.
Haveli ist erst seit Februar geöffnet
Die beiden indischen Restaurants Haveli in der Eichstraße sowie Kaschmir’s in der Kurbrunnenstraße liegen bei Google fast gleichauf. Bei 114 Rezensionen kommt Haveli auf 4,9 Sterne, das Kaschmir’s mit 813 Rezensionen erhält im Schnitt 4,7 Sterne. „Ich wollte die indische Küche in die Pfalz bringen, und das hat bislang ganz gut geklappt“, erzählt Haveli-Inhaber Amit Saily, der sein Lokal erst im Februar eröffnet hat. Er sei froh, dass nach der eineinhalbjährigen Umbauphase seine Vision von den Gästen angenommen worden sei. Saily betont, dass er neben traditionellen Gerichten mit seinem Chefkoch auch moderne Elemente in die Speisekarte integriert habe. Auch vegetarische und vegane Gerichte gibt es.
Für Jennifer Kittsteiner von Rösers Restaurant im Weinrefugium sind gute Bewertungen sehr wichtig. „Nach Bad Dürkheim kommen viele Touristen, und da wir nicht direkt im Zentrum liegen und wenig Laufkundschaft haben, sind Bewertungen besonders wichtig.“ Erst im Juli vergangenen Jahres war Kittsteiner gemeinsam mit ihrem Partner, dem Koch Christoph Röser, von Forst in die Kurstadt gewechselt. Zuvor haben sie vier Jahre lang das Restaurant Ungeheuer sowie die Weinlounge Q-Kapelle geführt. Die Küche im Rösers bezeichnet Kittsteiner als kreativ: „Wir setzen Altbewährtes regional neu um.“ In Bad Dürkheim haben sich Röser und Kittsteiner gut eingelebt, doch während die ersten Monate in der Kurstadt super liefen, war die Resonanz in den vergangenen vier Monaten nicht so gut. „Wir brauchen Geduld und hoffen jetzt auf mehr Nachfrage im Herbst und Winter, die positiven Bewertungen bestärken uns. Bis vor Kurzem hatten wir sogar noch 4,9 Sterne“, zieht Kittsteiner trotz der Top-Bewertung von 50 Rezensenten ein gemischtes Zwischenfazit.
„Schlechte Kritik meist ungerechtfertigt“
Auch Theo Katzenberger, der die Waldgaststätte Schützenhaus mit seiner Partnerin Anja Schreiner führt, kennt das aktuelle Google-Ranking genau, sage und schreibe 1686 Bewertungen gibt es für das Restaurant. „Wir haben zwar sehr viele Stammkunden, aber gerade für Gäste von außerhalb, etwa Wanderer, ist eine gute Bewertung sehr wichtig“, weiß Katzenberger.
Das Schützenhaus bietet gutbürgerliche und regionale Speisen, saisonal auch Wildgerichte. „Ohne Reservierung geht eigentlich nichts mehr bei uns“, sagt Katzenberger, der sich nicht über schlechte Bewertungen ärgert. „Wir haben so viele gute Bewertungen, da fällt eine schlechte, die meist ungerechtfertigt ist, nicht ins Gewicht.“
„Die Bewertungen auf Google sind schon irgendwie wichtig für uns“, sagt Corinna Kolley. Seit 2012 betreibt sie das Traditionsrestaurant Käsbüro mit deutsch-französischer Küche am Seebacher Dorfplatz gemeinsam mit ihrem Mann Harry. Auch Rückmeldungen von Gästen würden darauf hindeuten, dass bei ihnen die Google-Bewertungen (aktuell sind es 282 Rezensenten) eine Rolle spielten. Auch wenn das Restaurant vor allem Stammkunden aus der Kurstadt und der Umgebung besuchten und neue Gäste oft aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda kämen – „für neue Gäste sind Bewertungen, der Auftritt in sozialen Medien und eine gut gepflegte Homepage sehr wichtig“, weiß Kolley.