Bad Dürkheim
Planwagenfahrten: Was künftig möglich ist
Bei den Planwagenfahrten rund um Bad Dürkheim läuft es weiterhin nicht in jedem Betrieb rund. Nach Unfällen bei solchen Ausflügen andernorts sorgt das Thema seit Sommer für Aufmerksamkeit. Plötzlich standen Einschränkungen für die Betreiber im Blickpunkt, wie die RHEINPFALZ im Juni berichtete.
Im Nachbarkreis hatte die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße zuvor im Sommer den Stein ins Rollen gebracht. Die Behörde versandte Briefe an Winzer, die Planwagenfahrten anbieten. Darin wurden sie darauf hingewiesen, dass sie für ihre Weinbergstouren kein Geld verlangen dürfen. Alternativ müssten strengere Regeln eingehalten werden, was wiederum hohe Kosten verursachen würde.
Erlass von 2018 plötzlich brandaktuell
Schnell schwappte die Sorge um die Zukunft der Planwagenfahrten in den Landkreis Bad Dürkheim über. Ein Erlass des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau aus dem Jahr 2018 war plötzlich wieder brandaktuell. Die Kreisverwaltung Bad Dürkheim kündigte an, dass das Einhalten der Vorschriften durch die örtlichen Verwaltungen kontrolliert werde.
Der Erlass von 2018 schreibt zum Beispiel vor, dass die Fahrten nur im Sinne des Brauchtums angeboten werden dürfen, um den Weinbau aus verschiedenen Gesichtspunkten zu beleuchten. Keine Brauchtumsfahrten sind Touren, bei denen „rein touristische Gesichtspunkte“ im Mittelpunkt stehen. Oder mit denen ausschließlich gewerbliche Zwecke verfolgt werden, um Geld zu verdienen.
Neue Regelungen sind laut Kreisverwaltung Bad Dürkheim keine hinzugekommen: Zu den Planwagenfahrten gab es in den vergangenen Monaten keinerlei weitere Einschränkungen durch die Kreisverwaltung, teilte die Pressestelle auf Anfrage mit. Die Winzer seien bereits Anfang 2023 von den örtlich zuständigen Ordnungsbehörden über die Vorgaben des „Brauchtumserlasses“ aus dem Jahr 2018 informiert worden.
Mit Pferden alles beim Alten
Dem Weingut Kreuzhof in Freinsheim bereiten diese Vorgaben keinerlei Probleme. Die Brauchtumsfahrten liefen seit den Sommermonaten wie üblich weiter.
„Unser Zugpferd ist das Pferd, nicht der Traktor“, sagt Harald Herbel. Damit seien seine Planwagenfahrten von den Vorschriften des Ministeriums ausgenommen. Nur hin und wieder hängt er einen Traktor vor den Planwagen, wenn es zu heiß für die Pferde sei oder Fahrgäste unter einer Allergie gegen Pferdehaaren litten.
Unsicherheit bei Fahrten mit dem Traktor
Unsicherheit herrscht dagegen bei Pfalzgenuss Planwagenfahrten, wie Chris Muth verdeutlicht. Sein Kompagnon und er sind erst im Sommer 2023 durchgestartet; in Kooperation mit dem Weingut Hanewald-Schwerdt in Leistadt. In kleiner Runde mit jeweils bis zu 16 Gästen geht es mit dem Planwagen hinter dem Traktor durch die Weinberge. „Das gehört schon zum Brauchtum, seit ich denken kann“, sagt der 68-Jährige.
Ausgebremst von behördlichen Vorschriften und offenen Fragen fühlen sich Winzer Markus Lang vom Weingut Kurt Lang & Sohn und Frank Albat, der für das Weingut Planwagenfahrten anbietet. Gemeinsam haben sie erst im Juli eine GmbH gegründet, um die Planwagenfahrten als WinzerExpress-Pfalz zu organisieren. Jetzt sorgen sie sich, dass ihnen die in Erinnerung gerufenen Vorschriften von vor sechs Jahren ihre Pläne zunichte machen könnten. Gemeinsam haben sie deshalb eine Petition gestartet, um sich gegen die Vorschriften zu wehren.
Ziel ist es, „diese wertvolle Tradition zu bewahren und gleichzeitig die Sicherheit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten.“ Dafür möchten sie sich zum Beispiel nicht auf 30 Fahrten im Jahr einschränken lassen. Diese Zahl steht seit einem Urteil des Amtsgerichts Mainz im Sommer 2024 im Raum und fiel Albat zufolge auch Anfang Oktober 2024 beim Treffen von Vertretern der Stadt mit Anbietern von Planwagenfahrten.
Für Winzer Markus Lang sind die Planwagenfahrten ein Marketinginstrument, um das Pfälzer Lebensgefühl zu vermitteln und den Teilnehmern der Touren die eigenen Weine vorzustellen.
Bei aller Sympathie für das Brauchtum: „Ich bin gerne Winzer. Ich stelle gerne Wein her. Ich möchte aber auch gerne den Wein verkaufen“, verdeutlicht Markus Lang. Schließlich lebe die Familie vom Weinbau.
Gewerbliche Fahrten als Alternative
Laut städtischer Pressestelle wurde beim Treffen der Stadt mit Anbietern von Planwagenfahrten verdeutlicht, dass motorisierte Planwagenfahrten grundsätzlich im Rahmen des sogenannten „Brauchtumserlasses“ oder als gewerbliche Fahrten ablaufen können.
Als die gewerblichen Fahrten ins Gespräch gebracht wurden, schöpften Lang und Albat neue Hoffnung. Sie müssen sich aber noch gedulden: Eine endgültige Entscheidung, ob gewerbliche Planwagenfahrten zukünftig generell zugelassen werden, steht noch aus, so die Pressestelle der Stadt Bad Dürkheim. Für die Entscheidung sollen weitere Behörden einbezogen werden, etwa die Kreisverwaltung. Also müssen die beiden Betreiber des WinzerExpress-Pfalz weiter warten, in welche Richtung ihre Planwagen rollen.
Taxigewerbe ein möglicher Ausweg?
Winzer Dirk Renzelmann vom Weingut Zumstein in Bad Dürkheim sieht seine Planwagenfahrten für die Zukunft bereits gesichert. Er meldet ein Taxi- und Mietwagengewerbe an und geht so mit seinen zum Teil internationalen Gästen mit Traktor und Anhänger auf Planwagen-Fahrt durch die Weinberge. Für ihn war das Treffen mit der Stadt „sehr positiv“. Sein Fazit: „Es gibt ein paar Spielregeln, an die hält man sich.“
Potenzial für gewerbliche Touren scheint es jedenfalls zu geben. Albat vom WinzerExpress-Pfalz spricht von einem Potenzial von 30.000 Teilnehmern im Jahr, die mit einem der Bad Dürkheimer Anbieter von Weinbergsfahrten die Weinberge erkunden würden. Seine Ideen reichen noch viel weiter: Andere Städte bieten Touren zu ihren Sehenswürdigkeiten an, an denen die Fahrgäste ein- und aussteigen. Warum nicht auch in Bad Dürkheim, nur mit Planwagen?