Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neugründung in Leistadt: Das Hobby zum Weingut gemacht

„Das Berntal ist ein Schatz“, sagt Winzerin Marie Adler.
»Das Berntal ist ein Schatz«, sagt Winzerin Marie Adler.

In Leistadt wurde das Weingut Marie Adler neu gegründet. Die 36-Jährige und ihr Ehemann Christoph Ziegler haben ein Konzept, das dem Zeitgeist widerspricht.

Vor elf Jahren zogen Marie Adler und Christoph Ziegler nach Leistadt. Weil das Haus-Hof-Anwesen keinen Garten für die Kinder hatte, nahmen sie zwei Rebzeilen im angrenzenden Weinberg dazu. Wenige Rebstöcke wurde zugunsten eines kleinen Spielbereichs mit zwei Mini-Fußballtoren entfernt, der Rest blieb – und wurde zur Keimzelle eines Hobby-Projekts, das die beiden unter dem Namen Collective Z entwickelten. Im heimischen Gewölbekeller bauten sie gemeinsam mit Freunden zunächst Silvaner aus. Nach und nach nahmen sie weitere Flächen rund um Leistadt hinzu. Das Arbeitsaufkommen stieg – und wurde vor allem von Marie, einer gelernten Winzerin, erledigt. Die 36-Jährige hat ihre Ausbildung beim Weingut Zelt in Laumersheim gemacht.

Kann ein Kleinstbetrieb funktionieren?

Weil seine Ehefrau in den vergangenen Jahren ohnehin die meiste Arbeit geleistet habe, sei der Schritt, den Betrieb nach ihr zu benennen, naheliegend gewesen, sagt Ziegler. Hinzu kam, dass gerade in Frankreich, dem wichtigsten Markt für die Weine, der Name Collective Z oft mit einer Genossenschaft gleichgesetzt wurde. Eine Assoziation, die den beiden nicht gefiel: „Wir wollen ja gerade kein großer Betrieb sein“, erklärt Ziegler, der hauptberuflich Geschäftsführer bei den Bad Dürkheimer Medienagenten ist. Im Gegenteil: „Wir möchten schauen, ob ein Kleinstbetrieb nicht doch funktionieren kann“, ergänzt der 50-Jährige. In den vergangenen Jahrzehnten sei der Trend in der Landwirtschaft generell und im Weinbau zu großen Betrieben gegangen, Mischbetriebe mit Obst- und Weinbau wurden aufgegeben. Dies sei im französischen Weinbau noch anders. Im Nachbarland gebe es durchaus noch Mikro-Betriebe, sagt Ziegler.

Rund 2,3 Hektar bewirtschaftet das Weingut Adler. Mehr sollen es auch nicht werden. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, zu wachsen“, sagt Ziegler. Die Arbeit im Weinberg und im Keller will das Ehepaar weiterhin selbst oder mit Freunden erledigen, auch große Maschinen, die abbezahlt werden müssen, werde es nicht geben. Im Weinberg helfen stattdessen neun bretonische Schafe, die zwischen den Zeilen grasen. Die Tiere „arbeiten“ auch als Landschaftspfleger im Berntal, wo sie im Auftrag der Pollichia die Hänge frei von übermäßigem Bewuchs halten. Dort bewirtschaften Adler und Ziegler ebenfalls Rebflächen. „Das Berntal ist ein Schatz“, sagt Marie Adler über das landschaftliche Kleinod.

„Möglichst wenig eingreifen“

Den Charakter der Böden und das Kleinklima rund um Leistadt im Wein spürbar werden zu lassen, ist das Ziel des neuen Betriebs: „Unser Ansporn ist es, echte Terroirweine zu machen und dabei möglichst wenig einzugreifen“, sagt Christoph Ziegler. Alle Weine sind spontan vergoren, das heißt, die für den Gärprozess nötigen Hefen stammen aus dem Keller oder dem Weinberg. Auch der Schwefelgehalt der Adler-Weine liegt deutlich unter dem, was selbst im biologischen Weinbau erlaubt wäre. „Wir kommen aus der maximal möglichen Weglass-Ecke“, verdeutlicht Ziegler. „Biodiversität ist uns wichtig“, ergänzt Marie Adler. Auf den Begriff Naturwein verzichten die beiden allerdings. Die Produktionsweise und Weinphilosophie lasse sich zwischen biologisch und biodynamisch einordnen. Um die 14.000 Flaschen sollen auf diese Weise im Jahr abgefüllt und verkauft werden: Riesling, Silvaner sowie eine Cuvée in Weiß und Rosé.

Bislang sei vor allem Frankreich ein wichtiger Markt, in Deutschland stehen die Weine aus Leistadt unter anderem bei Spitzengastronomen in Hamburg und München auf der Karte. Seit Kurzem gibt es immer samstags einen Ab-Hof-Verkauf. „Auf dem deutschen Markt haben wir bislang aber nie eine Rolle gespielt“, sagt Ziegler.

Ob sich das ändert? Der 50-Jährige, der Weinbaubetriebe berät, geht davon aus, dass auf die Branche eine Phase der Konsolidierung zukommt: „Vor Corona war für viele Betriebe die goldene Zeit. Die dürfte erst einmal vorüber sein.“

Ziegler setzt darauf, Konsumenten zu gewinnen, die bereit sind, mehr als zehn Euro für eine Flasche Wein auszugeben. Wein, sagt er, müsse wieder etwas Besonderes, die Arbeit der Winzer wieder stärker wertgeschätzt werden. Dies sei mit den Preisen im Lebensmitteleinzelhandel nicht der Fall.

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www.weingut-adler.de

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