Bad Dürkheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien: Nicht alles läuft rund

Türkei, Antakya: Eine Frau sitzt zwischen den Trümmern.
Türkei, Antakya: Eine Frau sitzt zwischen den Trümmern.

Wie geht es den Betroffenen des großen Erdbebens in der Türkei und Syrien? Ihre in Bad Dürkheim und Wachenheim lebenden Angehörigen berichten über die Aufräum- und Aufbauarbeiten in ihren Heimatländern.

Viele Betroffene stehen immer noch vor den Trümmern ihrer Häuser, müssen in Zelten oder Containern übernachten und haben neben Verwandten, Freunden und Bekannten auch ihren Arbeitsplatz verloren, sodass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können. Obwohl die Bundesregierung die Erdbebenhilfe für Syrien und die Türkei auf 238 Millionen Euro aufgestockt hat, sind die Menschen im Katastrophengebiet weiter auf private Spendengelder angewiesen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der türkisch-islamischen Moschee in Bad Dürkheim, Mesut Kacmaz, berichtet, dass bereits über 16.000 Euro auf das Spendenkonto der islamischen Gemeinde eingegangen seien. „Wir bitten aber weiter um Spenden, um den Betroffenen Wohncontainer zur Verfügung stellen zu können, denn die Leute brauchen weiterhin Unterstützung“, berichtet Kacmaz.

Adem Gül, der in Wachenheim ein Döner und Pizza Haus betreibt, berichtet, dass zurzeit immer noch mit schwerem Gerät aufgeräumt werde. Er habe gehört, dass der Wiederaufbau mehrere Jahre in Anspruch nehmen werde. Seine Eltern hätten die Katastrophe glücklicherweise überlebt. Bekannte und Verwandte, die ihre Unterkünfte verloren, seien mit einem Dreimonatsvisum nach Deutschland und in andere europäische Länder gekommen. „Der Mann meiner Schwägerin hat das Erdbeben im neunten Stock eines Hochhauses überlebt, das beim Beben extrem geschwankt hat. Er sagt, dass im Moment viele Menschen in Zelten und Containern leben“, berichtet Gül.

Geld wird weiterhin gebraucht

Die Syrerin Rouida Khalaf, die mit ihrem Mann Hussam Hito in Wachenheim eine Änderungsschneiderei betreibt, war auch sehr froh, dass ihrer Familie, die in Jablah lebt, nichts passierte. „Weil viele Länder Hilfe in meine Heimat geschickt haben, sieht es dort mittlerweile besser aus. Außerdem helfen sich die Syrer auch untereinander, sodass genug Kleidung und Lebensmittel vorhanden sind“, erzählt Khalaf. Allerdings werde dringend Geld benötigt, um die zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Ihre Schwester konnte bereits in das notdürftig renovierte Haus zurückkehren, hat aber ihren Arbeitsplatz verloren und ist auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Fatma Islekyay, die zusammen mit ihrem Sohn Özcan einen Friseursalon in Bad Dürkheim betreibt, hat in dem Gebiet von Adana bis Hatay sehr viele Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Einige sind ebenfalls der Katastrophe zum Opfer gefallen. „Etwa 60 Prozent meiner Verwandtschaft haben keine Wohnung oder kein Haus mehr, und einer meiner Cousins ist mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern unter den Trümmern gestorben“, berichtet die Friseurin. Wer das Inferno überlebt habe, sei bei Freunden und Bekannten untergekommen.

„Essen und Kleidung haben die Betroffenen genug“

Den Überlebenden gehe es den Umständen entsprechend gut, sie würden sich nicht beklagen, bekämen auch Hilfe, stünden aber nach wie vor unter Schock. „Essen und Kleidung haben die Betroffenen genug und es sind auch Zelte und Container für die vorläufige Unterbringung vorhanden.“ Jetzt sei man dabei, die Städte und Dörfer erdbebensicher wieder aufzubauen. „Meine Wohnung in Antakya ist auch komplett zerstört. Den Wiederaufbau finanziert die türkische Regierung zu 60 Prozent. Den Rest muss ich selbst tragen.“

Islekyay beklagt, dass die bürokratischen und finanziellen Hürden sehr hoch seien, um Personen aus den Erdbebengebieten in Deutschland aufzunehmen. In ihrem Salon hat sie bislang etwa 4000 Euro an Spenden von ihren Kunden erhalten. Sohn Özcan hat über ein Spendenkonto bei Instagram bereits 6000 Euro gesammelt. Ein Teil des Geldes sei bereits in die Türkei geschickt worden, den Rest wollen Mutter und Sohn im Mai vor Ort persönlich übergeben.

Kritik über zu wenig Hilfe von türkischer Seite

Ilgün Ucar, die in Bad Dürkheim ein Gemüsegeschäft betreibt und im Mai das Eiscafé Cortina wieder eröffnen wird, hat durch das Erdbeben sechs Familienangehörige verloren. Aus ihrer Sicht ist von türkischer Seite bislang zu wenig unternommen worden, die betroffenen Menschen zu unterstützen. Hilfe sei in erster Linie von europäischen und anderen Ländern geleistet worden.

Spendenkonto

Kontonummer von DITIP: IBAN: DE95 5023 4500 0141 4300 09 oder paypal@ditip.de, Stichwort: Türkiye Depremi – Türkei Erdbeben.

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