Bad Dürkheim / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Mit welchen Argumenten ein Pfälzer um Hitlers Hengste kämpft

Über diese Entdeckung wurde weltweit berichtet: 2015 beschlagnahmten Kunstfahnder bei einem Bad Dürkheimer monumentale Kunstwerk
Über diese Entdeckung wurde weltweit berichtet: 2015 beschlagnahmten Kunstfahnder bei einem Bad Dürkheimer monumentale Kunstwerke aus Hitlers Reichskanzlei. Seither stehen die Bronze-Pferde in einem Depot der Bundespolizei.

Mitte Dezember wollen Pfälzer Richter klären, wem Hitlers Hengste gehören: Die Statuen aus der Reichskanzlei waren bei einem Bad Dürkheimer entdeckt worden. Hat er der Justiz vorab Argumente geliefert, die einen mysteriösen Kunst-Deal doch noch legal wirken lassen?

Regimentskommandeur Kulaschenkow war der erste Entlastungszeuge, den ein betagter Kunstsammler aus Bad Dürkheim vor fünf Jahren zu seinen Gunsten anführte. Denn dessen sorgfältig hingekringelte Unterschrift prangt unter einer siebenzeiligen Bescheinigung in feinstem Bürokraten-Russisch, die beglaubigen soll: Am 29. Dezember 1988 hat der angebliche Sowjet-Offizier mehrere Bronzestatuen freigegeben, die bis dahin auf einem Kasernengelände der Roten Armee im brandenburgischen Eberswalde herumstanden.

„Metallschrott“ von prominenten Künstlern

Doch bei diesem vermeintlichen „Buntmetallschrott“ handelte es sich um prominente Kunstwerke, die einst Hitlers Reichskanzlei zierten: zum Beispiel lebensgroße „Schreitende Pferde“ des Bildhauers Josef Thorak. Oder die „Olympia“ seines Kollegen Fritz Klimsch, die sich im Garten der NS-Kommandozentrale räkelte. Und so wurde 2015 weltweit berichtet, dass die seit der Wendezeit verschollen geglaubten Statuen in der Pfalz entdeckt worden waren: aufgespürt von Berliner Kunstfahndern, die den Bad Dürkheimer Besitzer der Figuren unter Hehlerei-Verdacht stellten.

Der betuchte Ruheständler allerdings wehrte sich – unter anderem, indem er die Bescheinigung mit der Unterschrift des angeblichen Regimentskommandeurs Kulaschenkow ins Internet stellte. Und beteuerte: Die Bronzen seien den Russen ganz legal abgekauft worden, gegen eine Spende für Erdbeben-Opfer in Armenien. Doch es sollte trotzdem fast fünf Jahre dauern, bis die Ermittler ihr Verfahren gegen ihn einstellten. Und von ihm ab ließen sie auch nur, weil sie eingestehen mussten: Falls er sich strafbar gemacht haben sollte, wäre das mittlerweile verjährt.

Verhandlung am 17. Dezember

Doch dass er die Kunstwerke nun behalten darf, ist damit noch längst nicht gesagt. Denn die Bundesrepublik beansprucht sie als Staatseigentum. Weshalb Frankenthaler Richter in einer Verhandlung am 17. Dezember klären wollen, wem Hitlers Bronze-Hengste und die übrigen Figuren – offiziell wird ihr Marktwert auf insgesamt gut 300.000 Euro geschätzt, auf Kunst aus der NS-Zeit spezialisierte Händler stellen aber viel höhere Summen in den Raum – nun gehören. Und offenbar will die Kammer der Sache in der Verhandlung auch wirklich auf den Grund gehen.

Denn sie hat etwas angeordnet, was in solchen oft eher schriftlich ausgetragenen Zivil-Verfahren nicht selbstverständlich ist: dass beide Seiten Vertreter nach Frankenthal schicken müssen, die dann persönlich Rede und Antwort stehen. Offen lässt die Justiz allerdings bislang, welche Fragen die Richter ihnen stellen wollen. Erahnen lässt sich lediglich: Das Schreiben mit der Unterschrift des angeblichen Regimentskommandeurs Kulaschenkow alleine wird sie nicht davon überzeugen können, dass der Bad Dürkheimer rechtmäßiger Eigentümer der Statuen geworden ist.

Die Rolle der DDR

Denn Völkerrechtler sagen: Auch nach einem gewonnenen Krieg darf eine Siegermacht dem unterlegenen Land seine Kunstschätze nicht wegnehmen. Das bedeutet: Es kann kein legales Geschäft gewesen sein, wenn tatsächlich ein Sowjet-Offizier die einst vom Deutschen Reich bezahlten Statuen verscherbelt haben sollte. Anders sähe die Sache aber vielleicht aus, falls doch die DDR der eigentliche Verkäufer war. Und nach Angaben der Justiz hat der Bad Dürkheimer mittlerweile nicht nur beteuert, dass ein Zwischenhändler aus deren Territorium den Deal vermittelt habe.

Einem Gerichtssprecher zufolge behauptet der Sammler auch, dass die Anweisung zum Verkauf vom DDR-Kulturministerium und SED-Kadern gekommen sei. Doch zu einem sauberen Geschäft mit offiziellen Stellen wollen die Geschichten nicht passen, die seit Jahren kursieren: Demnach war die Kunst auch noch als Metallschrott getarnt, als sie über die Grenze in den Westen entschwand. Aber der Anwalt des Bad Dürkheimers hat auch noch ein Argument vorgebracht, das, wenn es denn tatsächlich greifen sollte, alle anderen aus dem Feld schlagen könnte.

Laut Justiz sagt er: Selbst wenn die Bundesrepublik einmal Ansprüche auf die Statuen hätte anmelden können, wären sie inzwischen verjährt.

Bis in die späten 1980er-Jahre standen die Statuen, golden angepinselt, auf einem Kasernengelände der Roten Armee in Brandenburg
Bis in die späten 1980er-Jahre standen die Statuen, golden angepinselt, auf einem Kasernengelände der Roten Armee in Brandenburg.
Die nackte „Olympia“ räkelte sich einst im Garten der Berliner Reichskanzlei.
Die nackte »Olympia« räkelte sich einst im Garten der Berliner Reichskanzlei.
Die Sowjet-Armee hatte die Statuen in eine kommunistische Propaganda-Installation eingebaut.
Die Sowjet-Armee hatte die Statuen in eine kommunistische Propaganda-Installation eingebaut.
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