Rheinpfalz Der Sowjet-Offizier und die NS-Kunst

91-75292335.jpg

BAD DÜRKHEIM. Sieben mit der Maschine getippte Zeilen in kyrillischen Buchstaben, eine sorgfältig hingekringelte Unterschrift und ein schlichter Stempel mit fünfzackigem Stern sollen beweisen: Legitimer Eigentümer von Statuen, die einst Hitlers Reichskanzlei zierten, ist nun Rainer Wolf. Also stellte der begüterte Ruheständler aus Bad Dürkheim das angeblich von einem sowjetischen „Regimentskommandeur Kulaschenkow“ ausgestellte Dokument ins Internet. Immerhin läuft gegen den Pfälzer schon seit Monaten ein Ermittlungsverfahren (wir berichteten). Bei einer spektakulären Razzia im Mai haben Kunstfahnder aus der Bundeshauptstadt bei ihm unter anderem mehrere lebensgroße Bronzefiguren beschlagnahmt. Sie waren nach dem Krieg Teil einer kommunistischen Propaganda-Installation auf dem Kasernengelände im brandenburgischen Eberswalde geworden, ehe sie in der Vorwende-Zeit über Nacht verschwanden. Die Berliner Staatsanwaltschaft argwöhnt deshalb: Der Pfälzer hat die Bronzefiguren damals illegal aus der DDR heranschaffen lassen. Öffentlich haben Wolf und sein Anwalt dazu bislang nur wenig gesagt: Journalisten-Fragen bleiben in der Regel unbeantwortet. Im Internet hat der Bad Dürkheimer derweil Öffentlichkeitsarbeit auf eigene Faust gemacht. Das allerdings scheint fast niemand bemerkt zu haben: Seine Seite www.rainer-willi-wolf.de war so gestaltet, dass Suchmaschinen sie kaum beachteten. Dabei präsentierte sich der Bad Dürkheimer dort als Kunst-Retter. Die Statuen seien 1988 „höchst schreddergefährdet“ gewesen, weil es in der DDR an Buntmetall fehlte. Als Beleg für sein gutes Gewissen soll auch dienen, dass er zwei der Bronzen jahrelang in einem Museum bei Bonn zeigen ließ. Und dann ist da ja auch noch der Zettel, dessen sieben mit der Maschine getippte Zeilen in kyrillischen Buchstaben belegen: Am 29. Dezember 1988 hat ein Sowjet-Offizier die Figuren ganz offiziell zerlegen und zur Verwertung freigeben lassen. Der angebliche „Nachweis“ ist tatsächlich in schönstem Bürokraten-Russisch verfasst. Und der Schriftzug auf dem schlichten Stempel mit fünfzackigem Stern passt auch gut zu der in Eberswalde stationierten Einheit der Roten Armee. Andererseits scheint der angebliche „Regimentskommandeur Kulaschenkow“ außer seiner sorgfältig auf Wolfs Zettel gekringelten Unterschrift keine Spuren hinterlassen zu haben. Und überhaupt lässt das Papier manches vermissen, was amtliche Schreiben gemeinhin als solche erkennbar macht. Für das Fehlen von Elementen wie etwa einem Briefkopf sind verschiedene Erklärungen denkbar. Zum Beispiel, dass es für die Sowjetarmee um simplen „Buntmetallschrott“ ging, sie also nicht viel bürokratisches Aufheben um die Bronzestücke machen musste. Doch ebenso gut lässt sich vermuten, dass findige Soldaten die Figuren unter der Hand an die Unterhändler eines NS-Kunstsammler aus der Pfalz verhökerten, um sich den Erlös dann in die eigenen Taschen zu stopfen. Der vermeintliche Beleg für ein ordnungsgemäßes Geschäft wäre dann doch nur ein Stück Papier, dem schönstes Bürokraten-Russisch und ein gerade erreichbarer Stempel eine halbwegs amtliche Aura verleihen sollten. Wolf hat sicherheitshalber schon verkündet: Er habe sich damals darauf verlassen, dass seine Mittelsmänner einen korrekten Kauf eingefädelt hatten. Aus dem Internet sind diese Erläuterungen inzwischen allerdings wieder verschwunden. Wolfs Seite wurde prompt gelöscht, nachdem die RHEINPFALZ ihretwegen eine Anfrage an seinen Anwalt geschickt hatte.

x