Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Quereinsteiger: Auf Umwegen zum Traumjob

Neben befristeten Vertretungen setzt das Land auf Quereinsteiger, die den Kita-Alltag ergänzend bereichern.
Neben befristeten Vertretungen setzt das Land auf Quereinsteiger, die den Kita-Alltag ergänzend bereichern.

In Kitas fehlen Erzieher. Das Land setzt verstärkt auf Personal ohne pädagogische Ausbildung, um die Lücken zu füllen. Zwei Menschen aus Wachenheim haben sich dafür entschieden und eine neue Berufung gefunden.

Fünf Jahre hat Nico Burkhardt als Gestalter für visuelles Marketing in Worms gearbeitet – dann kam Corona, die Aufträge brachen ein und er verlor seinen Job. „Ein Glücksfall“, wie er heute sagt. Denn der 27-Jährige, der 2015 bereits ein Freiwilliges Soziales Jahr im Hort in Wachenheim absolviert hatte, bewarb sich erneut im Hort, nun als Aushilfe, landete durch Zufall in der Kita Pusteblume und begann dort im Sommer 2021 eine berufsbegleitende Ausbildung als Erzieher.

Ein Glücksfall war seine Entscheidung auch für die Einrichtung. Nadine Naab leitet seit Anfang des Jahres die Kita und bewertet Burkhardts Einsatz durchweg positiv. „Nico hat eine sehr empathische und soziale Art. Es sollte definitiv mehr von seiner Sorte geben. Aber auch die anderen Quereinsteiger, die wir bislang hatten, unterstützen und bereichern unsere Arbeit im Kita-Alltag.“ Im vergangenen Jahr wurden Vorgaben für fachfremde Vertretungen ohne vorherige Ausbildung gelockert. Bis dato konnten Quereinsteiger nur ein halbes Jahr eingesetzt werden, seither länger. Einzige Voraussetzung: Es konnte keine ausgebildete Fachkraft gefunden werden, um die Stelle zu besetzen.

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Burkhardt hätte sich laut den seit 2021 gültigen Vorgaben also nach sechs Monaten eine andere Stelle suchen müssen. „Doch das Feedback der Kinder war so positiv, dass ich mich entschieden habe, noch eine zweite Ausbildung anzugehen“, sagt er. Und das, obwohl er in der Ausbildungszeit weniger verdient als während seiner Aushilfstätigkeit. „Und obwohl ich eigentlich mit Mitte 20 nicht noch einmal die Schulbank drücken wollte“, gesteht er unumwunden. Doch die ehrliche, teil überschwängliche Rückmeldung der Kinder hat ihn motiviert. „Anfangs war ich unsicher, ob ich auch mit kleinen Kindern so gut zurechtkomme wie mit Grundschülern. Aber so viel Lob und positives Feedback wie als Aushilfe habe ich in fünf Jahren als Mediengestalter nicht bekommen“, sagt Burkhardt.

„Die Chemie stimmt“

Einfach für Kinder da sein möchte Maike Hrubasik, selbst vierfache Mutter: Die gelernte Kinderkrankenschwester aus Wachenheim hat vor zehn Jahren den Weg in die Pädagogik beschritten. Ausschlaggebend dafür waren familienunfreundliche Arbeitszeiten im Krankenhaus im Schichtbetrieb mit Wochenenddiensten. Als Minijobberin hat sie in der betreuenden Grundschule angefangen und immer mehr Gefallen daran gefunden. „Ich liebe es, mit Kinder zusammen zu sein und sie zu begleiten.“ Neben Betreuungsangebote kamen Ferienfreizeiten hinzu, aufgrund ihrer Ausbildung wurde sie später als Angestellte im Hort Wachenheim als sozialpädagogische Assistentin eingestuft. Seit September 2022 hat sie in dieser Funktion eine halbe Stelle im Hort Friedelsheim/Gönnheim.

Hort-Leiterin Lisa Windecker ist begeistert von Hrubasiks Art: „Die Chemie zwischen ihr und den Kindern stimmt einfach, das war nach einem Tag klar.

Natürlich können fachfremde Quereinsteiger nicht alle Aufgaben übernehmen, wie ausgebildete Erzieher das tun, etwa Entwicklungsberichte schreiben oder alleine Elterngespräche führen, aber sie können helfen, den derzeit herrschenden Fachkräftemangel abzufedern“, resümiert Windecker. Auch sie hat schon mehrere fachfremde Vertretungen, teilweise auch Personen mittleren Alters, kennengelernt. „Viele, die sich spät, aber bewusst für die Tätigkeit im Kindergarten entscheiden, bringen eine persönliche Eignung mit. Ein Quereinsteiger etwa kam mit Anfang 50 zu uns und hat sich dann für die Ausbildung zum Erzieher entschieden“, sagt sie.

Meinung der Eltern zu Externen heterogen

Der Kreiselternausschuss (KEA) Bad Dürkheim berichtet, dass das Meinungsbild unter den Eltern in Bezug auf Nicht-Fachkräfte in Kitas sehr heterogen ist. Einerseits seien Eltern erleichtert, dass so die Betreuung gesichert werden könne, andererseits gebe es Bedenken bezüglich möglicher Qualitätseinbußen durch den Einsatz von Quereinsteigern.

Da der Kreiselternausschuss aber davon ausgeht, dass „das Kita-System ohne Unterstützung von Nicht-Fachkräften schlichtweg früher oder später kollabieren wird (...), stellen Nicht-Fachkräfte in der aktuellen Situation eine wichtige und notwendige Unterstützung für die Absicherung der Betreuung und eine Entlastung der pädagogischen Fachkräfte dar“.

Nico Burkhardt jedenfalls hat als Aushilfe seine Berufung gefunden. Die Hälfte der Ausbildung hat er geschafft: Nach dem Abschluss im kommenden Jahr stehen ihm viele Türen offen, in Kitas und Horten, Kinderheimen und -dörfern. In seinen alten Beruf als Mediengestalter will Burkhardt nicht mehr zurück, viel eher kann er sich vorstellen, irgendwann eine Kita zu leiten. „Ich habe großen Ehrgeiz, will immer der Beste sein und auch für die Kinder nur das Beste bieten.“

Liebt die Arbeit mit Kindern: die ehemalige Kinderkrankenschwester Maike Hrubasik.
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Hat seine Berufung gefunden: Der 27-jährige Nico Burkhardt aus Wachenheim.
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