Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jubiläum ohne Feier: 50 Jahre Werner-Heisenberg-Gymnasium

Am Eingangsbereich befindet sich eine Metallgrafik des Dürkheimer Künstlers Erich Schug.
Am Eingangsbereich befindet sich eine Metallgrafik des Dürkheimer Künstlers Erich Schug.

Das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim wird 50 Jahre alt. Eigentlich wollten Lehrer, Schüler und Eltern ein großes Fest feiern. Wegen der Corona-Krise war jedoch Homeschooling angesagt.

Mit dem Neubau in der Kanalstraße endete 1970 das Zeitalter geschlechtlich getrennter höherer Schulen in Bad Dürkheim. Die allerersten Abiturienten schrieben ihr „Abi“ im April 1970 im neuen, für sie gänzlich ungewohnten, hellen Gebäude, ihre Schulzeit hatten sie noch in ihren alten Schulen hinter sich gebracht: Im staatlich neusprachlichen Progymnasium für Knaben, dessen Schulgebäude in der Mannheimer Straße standen und später abgerissen wurden sowie im staatlich neusprachlichen Gymnasium in der Kurbrunnenstraße, wo bis zur 10. Klasse nur Mädchen unterrichtet wurden. Heute ist dort das JuKib untergebracht. Die Oberstufe absolvierten dort Jungen und Mädchen bereits gemeinsam. Die Oberstufendirektoren Helmut Schäfer (Kurbrunnenstraße) und Walther Klein (Progymnasium) gingen mit der Inbetriebnahme des neuen Gymnasiums in Pension.

Bis 1974 hieß das WHG noch etwas sperrig „Staatliches Neusprachliches und Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium“. Ab 1974 hieß es einfach staatliches Gymnasium, in Klammern „mit neugestalteter Oberstufe“, und ab 1981 wurde dann das Werner-Heisenberg-Gymnasium daraus. Der seinerzeitige Direktor Gert Herfel sagte, das Tragen dieses Namens sei „Aufforderung und Verpflichtung“ zugleich. Die Architekten des Gymnasiumbaus waren Gerhard Dürr und Helmut Augeneder.

Während Heisenbergs Porträt den Eingangsbereich des Gymnasiums ziert, trägt das Gebäude am Ostturm eine Metallgrafik des Dürkheimer Künstlers Erich Schug. Der 50. Geburtstag sollte groß gefeiert werden, doch wie so vieles fiel die Geburtstagsfeier der Corona-Pandemie zum Opfer. Bei der Einweihung 1970 nannte der für die Schule zuständige Landrat Dr. Hermann Scherer folgende Zahlen: 8,86 Millionen Mark hatten Planung und Bau des Gebäudes gekostet, weitere 2,91 Millionen Mark die Sporthalle. Das Land gab Zuschüsse von 4,5 Millionen Mark, die Stadt Bad Dürkheim hatte 667.000 Mark für den Bauplatz ausgegeben. Zu Gast war bei der Einweihung Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel, er diskutierte nach dem offiziellen Festakt mit etwa 30 Schülern. Der Leiter des Gymnasiums, Gert Herfel, war kurz zuvor zum Oberstudiendirektor befördert worden. Er war der erste „Chef“ des neuen Gymnasiums und genoss großen Respekt unter den Schülern: Man verabschiedete ihn Jahre später sehr liebevoll als „King Gert“. Sein Nachfolger wiederum hieß Werner Breunig.

Platzprobleme gibt es in der Schule bis heute

Trotz Neubau gab es ständig ein Raumproblem, der Gymnasiumsbau war von Anfang an zu klein. Bereits 1974 schuf man mit zwei Pavillons Platz für weitere vier Klassenräume, 1978 kam ein dritter Pavillon dazu. 1979, bei einer Besprechung zwischen Vertreter des Kultusministeriums, der damals noch existenten Bezirksregierung, Schulträger und Schulleiter, wurde die Raumnot thematisiert, der Erweiterungsbau sollte 1981 in Angriff genommen werden. Doch es blieb zunächst bei der Absichtserklärung. Ab 1983 wurden die fünften Klassen in das alte Schulgebäude in der Kurbrunnenstraße ausgelagert. Nachdem die Stadt 1988 den Mietvertrag für das Gebäude in der Kurbrunnenstraße gekündigt hatte, wurden fünf Klassenräume in der Valentin-Ostertag-Schule zur Verfügung gestellt. Der 20 Jahre dauernde zähe Kampf um mehr Platz war erst zu Ende, als im Frühsommer 1990 endlich der erste Spatenstich für den lang ersehnten zweistöckigen Erweiterungsbau auf der Westseite des bestehenden Gebäudes erfolgte, 1991 war er fertig.

Man sei mit 11,4 Millionen Mark im Kostenrahmen sagte der damalige Landrat Georg Kalbfuß beim Richtfest am Erweiterungsbau. 13 neue Klassenzimmer auf 1665 Quadratmeter – das Hauptgebäude hatte 4350 Quadratmeter – dazu eine Bibliothek verteilt auf zwei Stockwerke und als „Schmuckstück“ eine überdachte Pausenhalle von 400 Quadratmetern, die auch als Festsaal dienen sollte. Aula dürfe er ja noch nicht sagen, erst nach der Schlussabrechnung, scherzte Landrat Kalbfuß beim Richtfest. Die RHEINPFALZ titelte seinerzeit: „Pausenhalle“ wird ein Prachtstück.

Das WHG hat aktuell 1060 Schüler und knapp 90 Lehrer. Die unterrichteten Fächer sind im Vergleich zu 1970 deutlich mehr geworden, Stammkurse haben längst die festen Klassenverbände in der Oberstufe abgelöst. Leiter des WHG ist Oberstudiendirektor Armin Rebholz, seine Stellvertreter sind Manfred Sappok und Karoline Ries. Es gibt einen WHG-Chor, eine Big Band, ein Schulorchester sowie eine Theater- und eine Weinbau-AG. 1970, als man in die Kanalstraße umzog, besuchten 494 Schüler das Gymnasium, die höchste Schülerzahl gab es wohl 1981 mit 1363 Schülern.

Mehr zum Thema: Interview mit Schulleiter Rebholz

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