Wachenheim / Bad Dürkheim
Gaspreissteigerung in Wachenheim: Was machen andere Anbieter?
Die Stadtwerke Wachenheim erhöhen zum 1. Juli ihre Erdgaspreise um etwa 100 Prozent (wir berichteten). Ein Durchschnittskunde wird so im Jahr 2022 rund 1000 Euro mehr als im Vorjahr zahlen müssen. Der Stadtrat hat am Dienstadt seine Zustimmung gegeben. Der Grund für diese Erhöhung ist laut Stadtwerke und Verwaltung die aktuell schwierige Lage am Energiemarkt. Ohne Erhöhung drohe ein hohes Defizit bei den Stadtwerken, sagte Werksleiter Dieter Panzer. Ein Minus von bis zu 1,6 Millionen Euro steht im Raum.
Die Stadtwerke hatten ihre Preise bereits zum 1. Januar um 40 Prozent erhöht. Der gestiegene Preis wird ab dem 1. Juli dann nochmals verdoppelt auf dann 15,26 Cent für die Kilowattstunde (kWh) brutto. Im vergangenen Jahr hatte die Mehrzahl der 1500 Gas-Kunden in Wachenheim im gleichen Tarif noch 5,24 Cent für die Kilowattstunde gezahlt.
Energiespar-Appell an Bürger
Stadt-Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) sprach von einem extremen Anstieg der Energiepreise bereits im vergangenen Jahr. Das Ganze sei in weiteren Steigerungen durch den Ukrainekrieg gemündet. „Der Markt beruhigt sich nicht“, sagte er. Zusätzlich seien Ende vergangenen Jahres Kunden aus ihrem angestammten Vertrag geworfen worden und in die Grundversorgung der Stadtwerke gefallen. „Diese Mengen hatten wir in unserer Kalkulation nicht geplant.“
Er appellierte an die Bürger, Energie zu sparen. „Jede Kilowattstunde, die wir nicht brauchen oder wieder verkaufen können, sorgt dafür, dass es für uns alle günstiger wird“, sagte der Bürgermeister.
Dorothea Geibel (FWG) regte an, weniger begüterte Menschen durch den Verzicht auf die Konzessionsabgabe zu entlasten. Die Konzessionsabgabe sei das kleinste Rädchen in der Preisbildung, entgegnete Walter Disteldorf (CDU). Er hoffe auf Erleichterungen durch die Bundespolitik, beispielsweise durch das Absenken der Mehrwert- und der Erdgassteuer. Frank Mehlmer (Volt) appellierte ans Verbraucherverhalten: „Es tun auch 18 Grad und ein Pulli.“
100 bis 120 Euro Mehrbelastung im Monat bringe einige Leute in Schwierigkeiten, sagte Arnold Nagel (FWG). „Ich bin nur bereit zuzustimmen, wenn wir die Konzessionsabgabe nicht in den Haushalt abführen“, so Nagel, der schließlich gegen die Preiserhöhung stimmte.
Tägliche Preissprünge
Doch wie ist die Lage bei den anderen Versorgern in der Region? Die Stadtwerke Bad Dürkheim hatten im Februar mitgeteilt, zum 1. April zu erhöhen: Die Kunden, die den Tarif SWD Gas gewählt haben, zahlen dann 9,38 Cent pro Kilowattstunde und damit 1,8 Cent/kWh mehr als derzeit. „Alles hängt von der Preisentwicklung der nächsten Wochen und Monate ab“, sagte Geschäftsführer Peter Kistenmacher. Wenn die Rahmenbedingungen so blieben wie derzeit, „dann müssen wir sehr wahrscheinlich noch einmal hoch“. Als möglichen Termin nannte Kistenmacher den 1. September. Denn noch habe sein Unternehmen nicht die komplette Gasmenge für 2022 für seine 4800 Kunden beisammen.
Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sei es zu einem extremen Preisanstieg gekommen, derzeit gebe es „täglich Sprünge“ am Gasmarkt.
Bei der Pfalzwerke-Tochter Pfalzgas, die Teile der Verbandsgemeinde Wachenheim sowie die Verbandsgemeinde Freinsheim beliefert, liegt der Arbeitspreis in dem von der Mehrzahl der Kunden gewählten Tarif derzeit nach Angaben des Unternehmens bei 7,021 Cent/kWh brutto. Das soll laut Pfalzgas bis zum Jahresende so bleiben. Wie es danach weitergeht, hängt auch vom Ukrainekrieg ab: Werde weniger Gas von Russland geliefert und das Angebot insgesamt knapper, sei damit zu rechnen, dass sich auch die Preise perspektivisch weiter erhöhten, hieß es.
