Bad Dürkheim
Ende eines heißen Wahlabends: Natalie Bauernschmitt als Krimi-Siegerin
Es war 19.25 Uhr, als die Erste Beigeordnete Judith Hagen (Grüne) das vorläufige offizielle Endergebnis der Bürgermeisterwahl verlas: Amtsinhaber Christoph Glogger (SPD) 3711 Stimmen, Natalie Bauernschmitt 3714 Stimmen. Im CDU-Lager war schon einige Minuten vorher Jubel aufgebrandet, als dieses Ergebnis auf der Leinwand im Ratssaal erschien. Zuletzt war es auch deshalb so spannend, weil es noch eine Unklarheit gab und in Grethen-Hausen nachgezählt werden musste. Als den anstrengendsten Teil des Abends sollte die 33-jährige Bauernschmitt die Wartezeit auf das Ergebnis aus dem Ortsteil nach ihrem Wahlsieg bezeichnen.
Kandidatin spürte Wechselstimmung
Im Ratssaal spielte sich ein ganz besonderer Krimi ab, dabei mag die CDU-Kandidatin eigentlich gar keine Krimis. Schon zuvor hatte im von der Sonne aufgeheizten Raum die Nachricht von Wahlhelfern die Runde gemacht, dass Glogger in Grethen nur eine Stimme Vorsprung auf Bauernschmitt hatte – zu wenig, um den Chefsessel im Rathaus nach den vorher bekannt gegebenen Resultaten aus den übrigen Wahlbezirken zu verteidigen. Dabei hatte der SPD-Kandidat vor acht Jahren bei der Stichwahl gegen Gerd Ester (CDU) in Grethen und Hausen deutlich gewonnen. Und so stand eben um 19.25 Uhr nicht der Amtsinhaber, sondern die Herausforderin im Rampenlicht.
Spätestens seit dem Frühlingsempfang der Christdemokraten im April habe sie daran geglaubt, eine realistische Chance auf den Wahlsieg zu haben, so Bauernschmitt. „Da hatte ich das Gefühl, dass Wechselstimmung da ist.“ Schlüssel zum Erfolg seien für sie ihre Haustürbesuche gewesen, bei denen sie mit den Bad Dürkheimern ins Gespräch gekommen sei. Auch die anschließenden Grillabende oder Gesprächsrunden seien immer gut besucht gewesen. Auch die RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion habe sie als Rückenwind für den weiteren Wahlkampf wahrgenommen. Im Endspurt hatte sich Bauernschmitt extra Urlaub genommen – auch am Montag hat sie eigentlich noch frei, nimmt aber für die IHK angehenden Kaufleuten für Bürokommunikation die Prüfung ab.
Wolf: „Wir kriegen eine tolle Bürgermeisterin“
Ihr Mann Marco freute sich sichtlich über den Erfolg seiner Ehefrau. Wie auch Natalie Bauernschmitt hob er die Fairness im Wahlkampf hervor. Alles andere, so Marco Bauernschmitt, hätte auch nicht zu seiner Ehefrau gepasst.
Viel Lob für die Bald-Bürgermeisterin gab es vom CDU-Landtagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Markus Wolf. Bauernschmitt habe einen unglaublichen Einsatz gezeigt und es gerade bei den Haustürbesuchen verstanden, mit den Bad Dürkheimerinnen und Bad Dürkheimern ins Gespräch zu kommen. „Wir kriegen eine tolle Bürgermeisterin und werden bei der Kommunalwahl dafür streiten, ihr eine Mehrheit im Stadtrat an die Seite stellen zu können.“
Sichtlich enttäuscht zeigte sich der bisherige Amtsinhaber Christoph Glogger. Der Satz „Das ist Demokratie“ kam ihm mehrfach über die Lippen. Dabei hatte der Abend für die SPD und ihren Spitzenmann mit einem klaren Erfolg in Leistadt und im Wahlbezirk Dürkheimer Haus noch gut angefangen. Doch die deutlichen Niederlagen in Ungstein und Seebach sowie der Erfolg Bauernschmitts im Wahlbezirk Rathaus wendeten das Blatt. „Ich habe darauf gesetzt, dass sich Bad Dürkheim in den vergangenen acht Jahren gut entwickelt hat und dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe“, erklärte Glogger. Die CDU habe allerdings einen „aggressiveren Wahlkampf geführt, als ich gedacht habe“ und damit offenbar punkten können. Er habe darauf gesetzt, dass seine Bilanz für sich spreche. „Die letzten acht Jahre haben mir total Spaß gemacht, ich möchte sie nicht missen“, erklärte der 53-Jährige. Er werde mit dem gleichen Engagement auch den Rest seiner Amtszeit bestreiten. Seine politische Zukunft ließ Glogger offen. Es sei zu früh, jetzt Entscheidungen zu treffen, schließlich sei er noch bis Jahresende im Amt. „Aber ich kann mir auch eine Rückkehr in die freie Wirtschaft vorstellen.“
Enttäuschung bei der SPD
Von einer „Riesenenttäuschung“ sprach Ralf Lang nach der Wahl. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass er abgewählt wird“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Dürkheimer Stadtrat. Er könne keinen Grund dafür erkennen, Glogger habe acht Jahre lang „hervorragende Arbeit“ geleistet. „Ich habe Frau Bauernschmitt gleich gratuliert, sie hat einen fairen Wahlkampf geführt“, betonte Lang. Er kritisierte allerdings „Nebengeräusche“ anderer in den sozialen Netzwerken. Es habe Aktionen gegen die „Person Glogger“ gegeben, „die kann man sich schenken“, sagte Lang.
Er müsse nun schauen, ob er auch persönlich Konsequenzen ziehe. Darüber wolle er aber genauso eine Nacht schlafen wie über die Frage, ob er angesichts des knappen Ergebnisses einen Antrag auf Nachzählung stellen werde. „Wenn die Partei es möchte, ich kann es momentan nicht sagen“. Er sei persönlich von der Situation sehr angefasst. Sichtlich mit ihrem Mann litt auch Vera Glogger, als das Wahlergebnis feststand. „Ich hätte es ihm sehr gewünscht, dass er eine zweite Amtszeit bekommt. Und Bad Dürkheim auch.“
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