Bad Dürkheim
Diskussionen um letzte Ruhe unter Reben
Durchschnittlich zwölf Bestattungen finden im Jahr auf dem mitten in den Weinbergen gelegenen Leistadter Friedhof statt, neun davon sind Urnenbestattungen. Diese Zahlen nannte der unter anderem für die Friedhöfe zuständige Beigeordnete Gerd Ester (CDU) am Donnerstag im Bauausschuss.
Noch in diesem Jahr soll in Leistadt eine Sonderform der Urnenbestattung hinzu kommen: die unter Reben in einem „Friedwingert“. Wie Ester und Yasmin Ullrich, Sachgebietsleiterin im Bauamt der Stadt Bad Dürkheim, erklärten, seien drei Varianten für die Umgestaltung erarbeitet worden: Entwurf eins sah 36 Gräber mit je zwei Urnen unter einer Pergola aus Robinienholz vor. Derzeit befindet sich an der Stelle eine Freifläche. Um die Pergola sollten sich gemäß der Idee Reben und Wilder Wein ranken. Außerdem sind in dem Konzept unter anderem die Gestaltung der Wegeflächen sowie die Anschaffung von sieben Sitzbänken vorgesehen. Die Kosten für diese Variante bezifferte die Verwaltung auf 85.500 Euro. Diese könnten bis auf 60.000 Euro reduziert werden, sagte Ullrich.
Ein zweiter Entwurf sah – angelehnt an das Ortsteil-Motto „Der Sonne am nächsten“ – Rebzeilen vor, die als Sonnenstrahlen angeordnet in die Freifläche ragen. Wie Ullrich ausführte, bot diese Variante bis zu 65 Plätze für je zwei Urnen. Die Kosten für den „kleinen Wingert“ sollten bei 49.200 Euro liegen.
Acht Reben entlang einer Sandsteinmauer
Bauausschuss und Leistadter Ortsbeirat entschieden sich aber für die kleinste und günstigste der drei Lösungen: zwei Rebzeilen mit insgesamt acht Reben parallel zu einer Sandsteinmauer, die sich an bereits vorhandene Grabstätten anschließen. Diese Variante bietet zehn Plätze pro Abschnitt für je zwei Urnen. Bestandteil der Planungen sind außerdem vier Sandsteinstelen. Die Gesamtkosten liegen nach Angaben der Stadtverwaltung bei 10.340 Euro.
Gisela Hoffmann (CDU), die auch im Leistadter Ortsbeirat sitzt, sagte im Bauausschuss, die zweite Variante sei die schönere, die dritte aufgrund der niedrigeren Kosten eine „Vernunftentscheidung“: „Sonst haben wir wieder nichts.“ Hintergrund: Die Finanzierung dieser Variante kann über den laufenden Haushalt realisiert werden. Die Freifläche solle aber perspektivisch wie in Variante zwei gestaltet werden, sagte Hoffmann. Auch Ralf Lang (SPD) betonte, dass die Entscheidung erst den Einstieg in die Umgestaltung bedeute.
Günther spricht von Augenwischerei
Nicht anfreunden mit der Lösung konnte sich der frühere Leistadter Ortsvorsteher Axel Günther (FWG). Der Ortsbeirat sei mit den erst spät veröffentlichten drei Varianten überrumpelt worden und habe dem Beigeordneten Ester „gehorchen wollen“. Die Freifläche werde nicht gestaltet und bleibe unansehnlich. „Das wird zu Beschwerden der Bürger führen. Die Brache fällt unangenehm auf.“
Günther sprach sich für die Pergola-Variante aus, da die Pergola auch als Begegnungsstätte dienen könne. Die Kostenschätzung zweifelte er als zu hoch an. Zudem sei der Vergleich mit der bevorzugten dritten Variante bei den Kosten „Augenwischerei“, da die Freifläche bei der günstigsten Lösung nicht gestaltet werde. Der Wunsch nach einem Friedwingert sei von den Bürgern gekommen, daher sollte die Gestaltung auch in einem Bürgerworkshop besprochen werden. Mit seinem Antrag auf einen solchen Bürgerworkshop scheiterte er später.
Dem Antrag widersprach zuvor bereits Markus Wolf (CDU): „Wir brauchen keinen Bürgerworkshop mehr, die Pergola ist in den letzten sechs Jahren nicht gekommen.“ Der Einstieg über Rebzeilen sei der richtige Weg. „Wir müssen endlich ins Handeln kommen.“ Beate Müller (SPD) begrüßte ebenfalls, „dass das Thema angepackt wird“. Für die dritte Variante sei im Haushalt Geld da, in den folgenden Jahren könne man auf die Gestaltungsideen des zweiten Entwurfs „hinarbeiten“.
Ralph Mühlbeier (Grüne) regte an, den Friedwingert für alle Bad Dürkheimer zu öffnen und daraus ein „Geschäftsmodell“ analog zum Ruheforst zu machen. Gerd Ester erklärte, eine freie Friedhofswahl sei noch nicht möglich. „Aber wir werden Anfragen positiv bescheiden, wenn Platz da ist.“
Bei einer Gegenstimme gab der Bauausschuss grünes Licht für die Umgestaltung gemäß der dritten Variante.