Bad Dürkheim
Bad Dürkheim: Wo Christoph Glogger Zukunftsbaustellen sieht
Therme, Brunnenhalle und diverse Straßen. Wird ganz Bad Dürkheim zur Baustelle? Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) spielte beim Neujahrsempfang der Stadt mit dem Thema. Einen Fokus aber legte er auf eine überall präsente Baustelle, die nichts mit Baggern und Absperrbändern zu tun hat.
Es war das bestimmende Thema des vergangenen Jahres und ist auch im noch jungen Jahr omnipräsent: Klimaschutz. Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) machte das beim Neujahrsempfang der Stadt zum Leitmotiv. Hatte er ihn doch im Vorfeld als „klimaneutral“ beworben. „Im Kalten und Dunklen“ ließ er die über 1000 Bürger dann aber nicht sitzen. Wäre auch vergleichsweise nicht so effektiv, wie er in einem Tortendiagramm zum CO2-Verbrauch des Abends aufzeigte. Nach seiner Rechnung machen Strom und Heizung gerade mal ein Kuchenstück aus. Deutlich stärker fielen die Häppchen und der Wein ins Gewicht (jeweils ein Drittel), so seine Annahme. Um die so zusammengegessenen und getrunkenen Emissionen wieder auszugleichen, will die Stadt das Projekt „Plant for the Planet“ unterstützen. Dahinter stecken Baumpflanzungen – hauptsächlich in Mexiko.
Was vor Ort in Bad Dürkheim zu tun sei, zeigte Glogger auf. Er hatte seine Ansprache in fünf „Zukunfts-Baustellen“ auf. Die erste widmete sich der Umwelt. Ein Ziel des Klimaschutzkonzeptes der Stadt sei es, „dass mehr Menschen in Bad Dürkheim zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren“. Wer ein Auto braucht, der soll laut Glogger schon im Frühjahr dieses Jahres eine erste „Car-Sharing“-Station am Bahnhof vorfinden. Wer selbst nicht fahren will oder kann, soll über sogenannte Mitfahrerbänke in den Ortsteilen einen privaten Chauffeur etwa zum Einkaufen ins Bruch finden.
Glogger holt sechs junge Leute auf die Bühne
Für mehr Klimaschutz waren auch in Bad Dürkheim im vergangenen Jahr junge Leute auf die Straße gegangen. Eine von ihnen ist Emmi Francke, Schülersprecherin am Werner-Heisenberg-Gymnasium und Mitglied im neuen Klimabeirat der Stadt. Sie war eine von sechs Menschen, die Glogger auf der Salierhallen-Bühne interviewte. Für Francke ist das Klimaschutzpaket der Bundesregierung nicht ausreichend. Sie erhoffe sich für das noch junge Jahr, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit höchste Priorität für die Politik haben werden.
Ein weiterer Interview-Partner Gloggers war der in Bad Dürkheim aufgewachsene Alexander Bruns, der im vergangenen Jahr im russischen Kasan Zimmerer-Weltmeister geworden war – und damit eine langjährige asiatische Siegesserie stoppte. Der schlagfertige junge Mann erhielt besonders viel Applaus vom Dürkheimer Publikum. Bruns warb fürs Handwerk („vielseitig und nie langweilig“) und machte der Stadt mit einem Stehtisch aus Holz ein praktisches Geschenk, das er mal eben gebaut habe, während andere sonntagabends den „Tatort“ im Fernsehen schauen.
Kurpark nach Thermenbau „schöner als vorher“
Gebaut wird auch in Bad Dürkheim viel. Die Halle war passend zum Thema mit Baustellen- und Umleitungsschildern dekoriert. Auch das Publikum durfte am Ende des Abends zum Baumeister werden und mit Papierbausteinen entscheiden, welchem Problemfeld die meiste Priorität einzuräumen ist.
Bei den auch wörtlich zu verstehenden Baustellen wird 2020 sicher die Therme hervorstechen. Glogger sagte, er hätte gerne die Baugenehmigung präsentieren wollen, sie liege aber noch nicht vor. Er versprach, dass die künftige „große Baustelle im Kurpark“ keine bleibenden Lücken aufreißen werde. „Es wird schöner sein als vorher“, sagte der Bürgermeister. Ein weiteres Projekt ist auch die Salierhalle, in der der Empfang stattfand. Sie sei in die Jahre gekommen. Eine Sanierung kostet laut Glogger 12 bis 15 Millionen Euro.
Bezahlbarer Wohnraum und die Infrastruktur war der dritte Themenblock. Hier betonte Glogger etwa die geplanten Sanierungen der städtischen Wohnungen. Applaus gab’s für die Erwähnung des geplanten Ausbaus des Spielbergwegs in Ungstein, von dem sich eine Verkehrsentlastung für den Ortsteil versprochen wird.
Stadtverwaltung will digitaler werden
Wie die Digitalisierung Bad Dürkheim verändert, war die vierte Baustelle, die Glogger aufmachte. Ab Frühjahr soll es etwa möglich sein, den Personalausweis online zu beantragen.
Technische Unterstützung sei etwa auch für die Grundschulen wichtig, sagte Glogger. Der unter Applaus beim Thema Familienfreundlichkeit verkündete, dass immer mehr Kinder städtische Kitas besuchen. Die dürfen sich übrigens über selbst gekochtes Essen freuen.
Kehrmaschine spart Zeit und Wasser
Einen Ausblick aufs kommende Jahr gab Marvin Helbig von der Dürkheimer Feuerwehr. Mit historischen Helm ausgestattet, erzählte er, was die Wehr für ihr Jubiläumsjahr (200 Jahre) geplant hat. Kulturelle Pläne hatten Saskia Bauer und Ivo Schneider. Die beiden jungen Künstler kündigten an, mit einer Aktion im Frühjahr das heruntergekommene „Café Eden“ wiederzueröffnen– zumindest auf „so eine Art“.
Mit rein praktischen Themen beschäftigt sich Kevin Fischer vom Baubetriebshof. Er hatte – ganz lebensnah – die Reinigung des Platzes nach langen Wurstmarktnächten reformiert. Und dabei auch etwas für den Klimaschutz getan. Sein Ansatz, die Kehrmaschine die Hauptarbeit erledigen zu lassen, hatte er vorher mit einer Menge Müll auf dem Hof des Betriebshofs getestet („Und sie hott’s gepackt“). Jetzt werde deutlich weniger Wasser benötigt (3000 statt 20.000 Liter), rechnete er vor. Außerdem geht’s flotter.
Völlig frei von Fragen des Klimaschutzes sind die Klassiker des Dürkheimer Mundartsängers Kurt Dehn, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde. Ihm zu Ehren spielte die Dürkheimer Stadtkapelle ein Medley aus Dehn-Klassikern. Und während da der „Parre“ zwar mit der „Peif“ einige Emissionen freisetzt, geht er doch immerhin zu Fuß in die „Kerch“. Der von ihm so gerne besungene „Worschtmarkt“ ist per se keine Freude fürs Klima. Aber laut Glogger fließt seit 2013 immerhin Naturstrom durch Karusselle und Schubkarch-Lampen.
Kommentar: Zukunftsgestalter
Der beste Weg, in die Zukunft zu schauen, ist, sie zu gestalten – dieser kluge Satz kam am Mittwochabend von Bürgermeister Christoph Glogger (SPD). Und zu gestalten gibt es in der Kurstadt einiges in den kommenden Jahren, das wurde deutlich. Gloggers Rede hatte ihre Längen – nicht nur, weil es in der Kurstadt so viele Baustellen gibt, sondern weil der Bürgermeister bemüht war, möglichst viele davon anzusprechen. Manches davon wie die selbstfahrenden Busse sind Zukunftsmusik, anderes wie die neue Taktung im Nahverkehr und die neuen Linien werden schon bald Realität. Ob es damit gelingt, die Stadt klimafreundlicher zu machen, hängt von der Bereitschaft der Bürger ab, diese neuen Angebote auch zu nutzen.
Sympathisch, ideenreich und motiviert präsentierten sich die sechs jungen Interviewpartner des Bürgermeisters, allen voran Zimmerer Alexander Bruns und Bauhof-Mitarbeiter Kevin Fischer. Junge Leute wie sie stimmen zuversichtlich, dass in Dürkheim Zukunft gestaltet wird – trotz aller Herausforderungen.