Bad Dürkheim
Bad Dürkheim: Hubertus Heils Pfälzer Wurzeln
Am Sonntag hielt die SPD ihr Pfalztreffen auf Limburg ab: die Klosterruine war Schauplatz des allerersten Treffens mit 9000 Teilnehmern im Jahr 1908. Seitdem hält die SPD ein Pfalztreffen ab. Nun kamen einige Hundert Genossen bei herrlichem Spätsommerwetter auf der Limburg zusammen. Dabei auch Politprominenz aus Berlin.
Tatsächlich reicht die gemeinsame Geschichte der Sozialdemokraten und der Klosterruine noch weiter zurück. Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen, unlängst im Juli für den Wahlkreis Neustadt-Speyer in den Bundestag nachgerückt, hat in den Dürkheimer Archiven gegraben und herausgefunden, dass sich schon 1899 Pfälzer SPDler nach einem Zug durch Bad Dürkheim hier versammelt haben.
„Ich finde es gut, dass wir an der Tradition des Pfalztreffs festhalten. Wir brauchen mehr als nur Sitzungen und Verhandlungen um Kompromisse. Wann immer wir uns treffen und uns gut verstehen, schaffen wir am meisten“, betonte der Vorsitzende der pfälzischen SPD Alexander Schweitzer die Bedeutung der Veranstaltung.
Die angesprochene Geselligkeit stand denn auch im Vordergrund. Neben den Ständen der Arbeitsgemeinschaften der SPD und der Arbeiterwohlfahrt gab es für die kleinen Besucher Kinderschminken und eine Spielecke. Die Jusos griffen den Klimaschutzgedanken auf und boten vegane Gerichte an. Mit Blick auf die Fridays-for-Future-Bewegung sagte Schweitzer in seiner Rede: „Ihre Fragen dürfen ruhig undifferenziert sein, aber unsere Antworten müssen differenziert sein und visionärer werden.“
Glogger mit Pfalzlied
Visionen waren auch am Stand der AG Bildung gefragt. Hier waren die Besucher aufgefordert, ihre Wünsche an die Bildungspolitik auf Karteikarten festzuhalten und an eine Planwand zu pinnen. Während die nach übereinstimmenden Aussagen aller Redner wichtigste Arbeitsgemeinschaft, nämlich die AG 60 plus, die Gesellschaft mit Kaffee und Kuchen versorgte, unterhielten Berti Senft und Bürgermeister Christoph Glogger sie mit gemeinsamem Singen von Klassikern wie „Die Gedanken sind frei“. Spätestens beim „Pfalzlied“ der Anonyme Giddarischde, zu dem Glogger sein Sakko gegen einen Winzerkittel getauscht hatte, war die Stimmung weit oben.
Minister Heil zu Strukturwandel
Als dann der Festredner des Tages, Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil eintraf, brandete Applaus auf. Der Niedersachse schraubte noch an seiner Beliebtheit, als er seinen pfälzischen Migrationshintergrund preisgab: Seine Oma stammte aus Klingenmünster. Mit Blick auf die Umfragewerte der Bundespartei sagte er: „Von Rheinland-Pfalz lernen, heißt für die SPD siegen lernen.“ Für die Arbeitswelt im Strukturwandel und in der Digitalisierung versprach er Vorsorge durch Weiterbildung und Umschulungen, bei der Grundrente lehnte er „faule Kompromisse“ ab und für die Rechte der Arbeitnehmer in der boomenden Paketbranche kündigte er eine Gesetzesinitiative an, die große Anbieter zur Einhaltung alle Standards auch bei ihren Subunternehmern verpflichten soll. „Gegen die rechten Hetzer hilft es nur, den Menschen Perspektiven zu geben“, sagte Heil. Und von seiner Partei forderte er, trotz der schwindenden Zustimmung in den Umfragen wieder mehr Zuversicht auszustrahlen.