Bad Dürkheim Bad Dürkheim: Drei SPD-Bewerber für Direktmandat im Bundestag präsentieren sich der Basis
Drei junge Genossen, die mit Jugendlichkeit, neuen Ideen, aber auch alten sozialdemokratischen Werten im Gepäck ihr Ticket für den Berliner Bundestag lösen wollen: Bei ihrer mittlerweile dritten Basiskonferenz präsentierten sich Isabel Mackensen (29), Johannes Seither (34) und der 21-jährige Paul Barbig den gut 60 Besuchern am Donnerstagabend in der Dürkheimer Gaststätte Tasso.
Auf die „wunderbar jungen Kandidaten“, von denen einer gegen den gesetzten CDU-Kandidaten Johannes Steiniger im Herbst 2017 ins Rennen gehen wird, freute sich besonders der Dürkheimer Landtagsabgeordnete Manfred Geis, der zwei der Aspiranten selbst gut kennt: „Wir haben das Direktmandat im Wahlkreis lange nicht gewonnen und wir werden es schwer haben, aber ich traue euch das zu.“ Auf die Jugend und den Mut zu neuen politschen Lösungsansätzen setzte „Jungspund“ Barbig: Der BWL-Student aus Grünstadt, der bereits Erfahrungen in der Stadtratsarbeit in seiner Heimatstadt und beim Altgenossen Geis gesammelt hat, will eine „junge SPD“, während der Speyerer Favorit Seither mit seinem Erfahrungsvorsprung als Gymnasiallehrer auf die alten Tugenden der Sozialdemokraten und deren über 150 Jahre alte Geschichte anknüpfte: „Soziale Sicherheit und die Honorierung der Lebensleistung“ sind für ihn die Schlüssel für eine gerechtere Politik und damit auch der Schlüssel für mehr Wählerstimmen. Es reiche nicht, die „AfD an den Pranger zu stellen, wir brauchen eigene Lösungen und Aufbruchstimmung“. Hier fand sich auch Politikwissenschaftlerin Mackensen aus Niederkirchen wieder, die vor allem aufs Netzwerken und den direkten Kontakt zu den Bürgern baut. Den Berlin-Betrieb kennt sie aus ihrer Zeit als Büroleiterin von Marcus Held, SPD-Abgeordneter aus Worms. Ihr Credo heiße „Einsatz und Präsenz zu 120 Prozent“. Zuhause fühlte sich die Mitarbeitern der Geschäftsstelle Neustadt und Politikwissenschaftlerin Mackensen sichtlich in den Themen gleiche Bildungschancen für alle, Mindestlohn und Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Stärkung der Gewerkschaften und Steuergerechtigkeit waren für sie weitere Elemente des Markenkerns der SPD, den es auszufüllen gelte. Seither, bekennender Roter und nach eigenen Worten Spross „einer SPD-Familie“, knüpfte besonders gern an die alten Werte der Arbeiterpartei an und nannte die Aspekte soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, Teilhabe und den Kampf gegen „Zeitarbeit“, gemeinsam mit den Betriebsräten: „Der Kampf gegen den Neo-Liberalismus ist das Kernthema der SPD.“ Bei allem Elan und politischen Grundkonsens schickten die Jungpolitiker auch Kritik in Richtung Berlin, wie etwa der Grünstadter Barbig. Bei existenziellen Entscheidungen wünschte sich Barbig mehr Transparenz und Mitspracherecht: „Die Basis sollte offen diskutieren.“ Mackensen sieht indes Fragezeichen bei der großen Koalition: „Lieber Arbeit in der Opposition und andere liefern lassen.“ Dem Studenten Barbig, der rechtzeitig zur Bundestagswahl 2017 sein Studium absolviert haben will, zeigte, dass er in Wirtschaftsthemen zuhause ist und dabei auch Redetalent mitbringt. Bei seinem „Ja zur Harmonisierung von Kapitalertragssteuer und Einkommenssteuer“ und seinem spontanen, eindeutigen Nein zum umstrittenen Handelsabkommen mit den USA, TTIP, ging er offen auf Konfrontationskurs zu Parteichef Sigmar Gabriel. Zu hören waren auch selbstkritische Töne: „Sind wir mit prognostizierten 20 Prozent überhaupt noch Volkspartei?“ „Klar links von der CDU“ müsse sich die SPD positionieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für ihn daher im Werben neuer Mitstreiter und vor allem junger Wähler, die er genauso beim „gemeinsamen Bier“, digital und auf seiner Homepage „www.paul-nach-Berlin“ erreiche. Womit er auch Bedenken wegen seines „zarten Alters und der mangelnden Lebenserfahrung“ zerstreuen wollte: Erfahrung heiße oft auch Antworten aus der Vergangenheit, er setze jedoch auf „Antworten der Zukunft“. Den bevorstehenden Anpfiff des Fußballspiels Deutschland-Polen am Donnerstagabend im Blick, hielten sich die drei Aspiranten für die Direktkandidatur quasi als erste Qualifikation übrigens diszipliniert an die Spielregeln der limitierten Redezeiten, die die beiden Unterbezirksvorsitzenden Christoph Glogger (Neustadt/Bad Dürkheim) und Martin Wegner (Vorderpfalz) als Moderatoren aufgestellt hatten... Info Vierte und letzte Basiskonferenz, Montag, 27. Juni, 19 Uhr, Weinstraßencenter, Grünstadt. |dag