Kultur
Staatstheater Mainz: Land erhöht Zuschuss – Was ist mit den anderen Kommunen im Land?
Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist grundsätzlich eine überaus positive Botschaft an die Kulturszene in Rheinland-Pfalz, wenn sich das Land stärker für die Finanzierung eines Theaters – in diesem Falle des Staatstheaters in Mainz – einsetzt. In die Kultur investiertes Geld ist gut investiertes Geld, darüber herrscht mittlerweile fast schon ein gesellschaftlicher und parteiübergreifender Konsens. Nimmt man einmal die AfD aus, für die Theater vor allem links-orientierte Multikulti-Zentren sind, die sich viel zu wenig für die deutsche Leitkultur engagieren. Was auch immer das sein mag.
Die Stadt Mainz wird spürbar entlastet
Insofern haben gestern im Theater der Landeshauptstadt vielleicht auch die Sektkorken geknallt. Schließlich wurde nun ein Vertragswerk unterzeichnet, das die Finanzierung des Hauses neu regelt. Am Ende längerer Verhandlungen steht folgendes Ergebnis: Künftig übernimmt das Land 53 statt 50 Prozent des Zuschussetats. Die Bezuschussung durch die Stadt wird von 50 auf 47 Prozent heruntergefahren. Laut der jüngsten Statistik des Deutschen Bühnenvereins betrug der Zuschussetat für das Staatstheater Mainz in der Spielzeit 2016/2017 insgesamt 24,45 Millionen Euro, den sich Stadt und Land paritätisch aufgeteilt haben. Künftig also wird die Kommune spürbar entlastet, der Anteil des Landes dürfte um mehr als eine halbe Million Euro steigen.
Beim Pfalztheater liegt der Landeszuschuss bei 40 Prozent
Schaut man sich die Situation in anderen Theatern des Landes an, so stellt man fest, dass das Engagement des Landes bereits vor dieser Regelung in Mainz deutlich höher war als in Kaiserslautern, Koblenz oder Ludwigshafen. Das Pfalztheater in Kaiserslautern wurde in der Spielzeit 2016/17 mit insgesamt knapp 19 Millionen Euro bezuschusst. Das Land übernahm davon 7,4 die Stadt 4,3 und der Bezirksverband rund 7 Millionen Euro. Der Landeszuschuss lag also bei etwa 40 Prozent. In derselben Größenordnung bewegte er sich auch in Koblenz, wie die Pressestelle des Kulturministeriums auf Anfrage bestätigt. Eine besondere Situation ergibt sich in Trier: Hier sollte der Landeszuschuss eigentlich laut Angaben des Ministeriums bei 50 Prozent liegen, faktisch waren es aber in der Spielzeit 2016/17 nur 40 Prozent. In Ludwigshafen schließlich beteiligte sich das Land im Jahr 2019 mit 275.000 Euro an der Finanzierung der Festspiele (der Betriebszuschuss insgesamt liegt bei über 5 Millionen Euro). Darüber hinaus wird der Theaterbetrieb im Pfalzbau nicht durch das Land bezuschusst.
Viele Städte fürchten um ihre kulturellen Angebote
Nun haben Neiddebatten noch niemandem weitergeholfen, und jeder Theater- oder Opernfreund im Land sollte sich freuen, wenn das Team um den Mainzer Intendanten Markus Müller seine Arbeit dank der neuen Regelung auch in Zukunft erfolgreich fortsetzen kann. Wäre da nicht die Situation von finanziell schwer angeschlagenen Kommunen wie Kaiserslautern, Ludwigshafen oder Trier. Hier kämpft man einen fast schon aussichtslosen Kampf, um die kulturellen Angebote aufrechtzuerhalten. Ein Kampf, der dadurch noch erschwert wird, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier darauf pocht, dass Ausgaben für die Kultur freiwillige Aufgaben der Kommunen seien und deshalb gegebenenfalls auch zurückgeführt werden müssten, jedenfalls nicht erhöht werden dürften. Jeder zusätzliche Euro aus dem Kulturministerium könnte da schon eine große Hilfe sein. So, wie jetzt eben auch für Mainz.