Kunstmarkt
Schlau gelaufen: Wie ein Bild des Pfälzers Michel Friess als Lagerfeld-Nachlass bei Sotheby’s versteigert wurde
Michel Friess selbst war begeistert. Karl Lagerfeld habe er nie persönlich gesehen, er sei aber immer von der Erscheinung und der Arbeit des Modedesigners beeindruckt gewesen, erzählt er am Telefon. Aktuell ist er auf einer Reise in Los Angeles. 2011 hatte Friess das Bild als Mischtechnik auf der Basis eines Siebdrucks gemacht. Die für Friess übliche Technik, mit der der Kaiserslauterer zu der Zeit auch viele Porträts von Prominenten ohne Auftrag anfertigte und den Betreffenden unaufgefordert zuschickte, anbei ein schöner Begleitbrief.
Unter anderem wurde auf diese Art auch Angela Merkel beehrt und ein Brief aus dem Kanzleramt folgte, dass sich die Kanzlerin gefreut habe. Die Dankesschreiben wurden von Friess immer gleich in den Sozialen Medien veröffentlicht, womit die Porträtserie eine gewichtige Werbefunktion für den Künstler erfüllten. Mit dem Lagerfeld-Porträt ist die Strategie jetzt sogar besser als erhofft aufgegangen.
Immer im Bild
Bei der dreitägigen Auktion in der vergangenen Woche war das Friess-Bild die ganze Zeit zu sehen. Praktisch alle Berichte und Sendungen zu der Auktion zeigen das Gemälde, das in einer früheren Fabrikhalle in Kaiserslautern entstanden ist. Zur Rechten der Auktionatorin hing immer das Bild. Zur Linken wurden auf einem Bildschirm die aktuell zur Versteigerung anstehenden Werke eingeblendet. 89 mal 89 Zentimeter groß ist das Bild. Signiert von Friess und Lagerfeld gewidmet. Der Modedesigner muss öfter unaufgefordert künstlerische Arbeiten erhalten haben, die ihm gewidmet waren. Bei der Auktion kamen noch mehr dieser Kunstwerke unter den Hammer. Aber nur das Bild von Friess konnte einen Preis in dieser Höhe erzielen, wenn man von den Handzeichnungen Lagerfelds absieht, die zusammen für 1,4 Millionen Euro verkauft wurden.
Schätzpreis 500 Euro, Erlös 24.000 Euro
Geschätzt hatten die Auktionatoren das Friess-Bild auf 300 bis 500 Euro. In der Pirmasenser Galerie German Pop Art sind Bilder von Friess in dieser Größe derzeit für rund 4000 Euro zu haben. Die 24.000 Euro waren also ein für den Kaiserslauterer mehr als gutes Ergebnis. Entsprechend begeistert ist sein Pirmasenser Galerist Ralph Barlog, der von einer fantastischen Preissteigerung schwärmt.
Ob Lagerfeld das Bild je aufgehängt oder gesehen hat, weiß Friess nicht. Er habe nur Kontakt zu einer Mitarbeiterin des Modedesigners gehabt. Es scheint in einer der Privatwohnungen von Lagerfeld aufbewahrt worden zu sein, aus denen nun die Auktionen mit Lagerfelds Nachlass bestückt wurden. Neben Köln gab es Versteigerungen in Paris und Monaco. Insgesamt erlöste Sotheby’s 22,5 Millionen Euro bei den Auktionen. „Jedes Stück ist Zeuge seines außerordentlich guten Geschmacks“, hat das Auktionshaus mit Verweis auf die Stilsicherheit von Lagerfeld die Versteigerungen beworben. Socken, Fächer, Sonnenbrillen, Anzüge, Teppiche und Mobiliar – aus den Wohnungen Lagerfelds wurde praktisch alles versteigert.
Ein „zweiter“ Warhol
Der 1970 in Neustadt geborene Friess bezeichnet sich selbst auf seiner Internetseite als „derzeit erfolgreichsten und bedeutendsten deutschen und auch internationalen Pop-Art-Künstler“. Beruflich verdiente er sein Geld lange Zeit hauptsächlich mit einem Fitnessstudio in Kaiserslautern, das er immer noch zusammen mit seiner Frau betreibt. Stilistisch lehnt er sich ganz bewusst an Andy Warhol an, kopiert auch munter dessen Werke.