Kaiserslautern
Pfalzpreise für Kunst an Madeleine Dietz und Michael Volkmer
Die Fachbereichsleiterin einer Verwaltungsbehörde als Moderatorin einer Gala? Das lässt den Charme eines Malkastens voller Grautöne befürchten. Aber weit gefehlt! Tanja Hermann vom Bezirksverband führte mit Charme, Schwung und flott verpackten Infos durch die Verleihung des Pfalzpreises für Bildende Kunst. Sie schaffte es sogar, echtes Interesse fürs Schaffen der Geehrten zu wecken.
Wie schon in den vergangenen Jahren orientierte sich der Festakt im frisch renovierten Kaiserslauterer Pfalztheater am Ablauf der Oscar-Verleihung. Es gab Nominierte und goldene Kuverts mit den Namen der Gewinner, orchestrale Tätärätä-Fanfaren und sprachmächtige Laudatoren. Die schwülstig-tränenreichen Dankeslitaneien à la Hollywood aber wurden ersetzt durch Kurzgespräche zwischen Preisträgern und Jurymitgliedern.
Gleich zu Beginn war von einem „in jeder Hinsicht bemerkenswerten Abend“ die Rede. Dabei wurden nicht nur die Preisträger, sondern auch die Nominierten und überhaupt „alle eingereichten Arbeiten“ gewürdigt. Die überreichte Pfalzpreis-Trophäe in Schwarz und Gold besteht aus heimischem Eichenholz und Sandstein sowie einer Plexiglasscheibe, der – vielleicht – als sanfter Hinweis auf die Transparenzpolitik des Bezirksverbands gelesen werden soll. Auf dem Rathaus-Parkplatz direkt vis-à-vis des Pfalztheaters parkten die Limousinen der Lauterer Oberbürgermeisterin Beate Kimmel und ihres im Bezirksverband aktiven Amtsvorgängers Klaus Weichel.
„Danse macabre“ im renovierten Theater
Der unvermeidlichen Begrüßungssermon des neuen Bezirkstagsvorsitzenden Hans-Ulrich Ihlenfeld dauerte lange – auch wenn nicht alle der so herzlich willkommen geheißenen Notabeln und Honoratiorinnen tatsächlich anwesend waren. Beim Verlesen der Verleihungsurkunden, verfasst bisweilen in Kunsthistoriker-Kauderwelsch, erwies sich der CDU-Politiker nicht immer als textsicher.
Die Pfalzphilharmonie – also das frühere Theaterorchester – intonierte unter Leitung von Massimiliano Iezzi die Festmusik. Ob der „Danse macabre“ von Saint-Saëns eine metaphorische Andeutung sein sollte, trat angesichts des brillanten Violinsolisten Pierre-Eric Monnier in den Hintergrund. Die von Arminia Friebe und Johannes Hubmer gesungenen Partien aus „Madame Butterfly“ und „Gräfin Mariza“ machten die 500-köpfige Gästeschar hoffentlich neugierig auf die anstehenden Premieren im Pfalztheater – auch wenn das Kalte Büfett im Normalfall weit weniger opulent ausfällt.
Der Pfalzpreis für bildende Kunst wird seit 1953 alle zwei Jahre vom Bezirksverband Pfalz verliehen. Das vorgegebene Thema lautete diesmal „Transformation“. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis für bildende Kunst erhielt der 1966 in Mannheim geborene, in Winnweiler lebende Michael Volkmer - unter anderem für einen eigenwillig Mango-Lassi-farbenen, glänzenden, haushohen Turm, der leise an Tatlins „Monument für die Dritte Internationale“ gemahnt. Er hat sorgsam gereihte Wein-, Gin- und Pastisflaschen intus, die auf Podesten stehen. Volkmer schafft „Kunstwerke, die in ihrer Ästhetik eine fast spirituelle Präsenz entwickeln, indem er Objekte des Alltags aufgreift“ heißt es dazu in der Jurybegründung.
Für ihr Lebenswerk wurde (endlich) die 71-jährige Landauerin Madeleine Dietz geehrt, die international erfolgreiche Grande Dame der Bildhauerei, die in strengen, spirituell aufgeladenen Skulpturen aus Metall und geschichteter Erde die ganz „großen Fragen der Menschheit“ verhandelt: Leben und Tod, Verletzung, Trauer und Heilung, Werden und Vergehen.
Der mit 2500 Euro verbundene Nachwuchspreis in dieser Sparte geht an Pia Treiber, die 1998 in Heidelberg geboren wurde. Von ihr stammt eine Videoinstallation mit dem Titel „Kohle verschleudern, eine Frage der Übung“, die sie als „fokussierte Performance“ bezeichnet.
Die Ausgezeichneten
Der Pfalzpreis für bildende Kunst wird seit 1953 alle zwei Jahre vom Bezirksverband Pfalz verliehen. Das vorgegebene Thema lautete diesmal „Transformation“. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis für bildende Kunst erhielt der 1966 geborene Mannheimer Michael Volkmer. Er schafft laut Jury „Kunstwerke, die in ihrer Ästhetik eine fast spirituelle Präsenz entwickeln, indem er Objekte des Alltags aufgreift“. Der mit 2500 Euro verbundene Nachwuchspreis in dieser Sparte geht an Pia Treiber, die 1998 in Heidelberg geboren wurde. Von ihr stammt eine Videoinstallation mit dem Titel „Kohle verschleudern, eine Frage der Übung“.
Für ihr Lebenswerk wurde die 71-jährige Landauerin Madeleine Dietz geehrt: „Metall und getrocknete Erde sind ihr bevorzugtes Material, die großen Fragen der Menschheit ihre Themen“, etwa Leben und Tod, Verletzung, Trauer und Heilung, Werden und Vergehen.
Den Preis für Kunsthandwerk erhält die Keramikerin Mo Sook Hwang aus Münchweiler an der Rodalb. Die Deckelbehälter der 1964 geborenen Koreanerin überzeugten mit „einer bis ins Detail hohen technischen Raffinesse“. Für einen Barschrank aus Eiche erhält der angehende Tischler Leon Wegener– Jahrgang 1999 und aus Nürnberg stammend – den Nachwuchspreis. Gewürdigt wurde auch das Lebenswerk von Heinrich Andreas Schilling. Der 72-jährige Drechslermeister und Designer aus Grünstadt verarbeitet Holz „im ausgewogenen Verhältnis von Form, Material und Funktionalität“.
Eine Schüleranerkennung teilen sich Clara Nickel, Xinyan Niu, Luisa Székely und die ehemalige Klasse 4c der Kaiserslauterer Kottenschule, die jeweils 500 Euro erhalten.