Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Dieses schönste Filmfestival“

Etwa 2300 Besucher waren am Eröffnungstag des Filmfestivals auf die Parkinsel gekommen.
Etwa 2300 Besucher waren am Eröffnungstag des Filmfestivals auf die Parkinsel gekommen.

Mit einer Menge Menschen, leichten Startschwierigkeiten, prominenten Gästen und teilweise politischen Reden eröffnete das 21. Festival des deutschen Films auf der Parkinsel.

Die sozusagen doppelte Eröffnungsgala nacheinander in zwei Kinozelten war schon lange komplett ausverkauft. Nur die offizielle Angabe „Alle Kinotickets sind Platzkarten mit fester Sitznummer – für Sie reserviert“ wurde kurz vor Veranstaltungsbeginn überraschend für hinfällig erklart, weil das neu eingeführte Buchungssystem mit QR-Codes zumindest am ersten Abend noch nicht funktionierte. Also herrschte freie Platzwahl, die für vermehrten Aufwand, Verzögerungen und hin und wieder auch etwas Unmut sorgte. Die Sitze reichten dann doch nicht und es wurden zusätzliche Stühle aufgestellt. „Wir sind noch nicht warmgelaufen“, entschuldigte der Festivalintendant Michael Kötz den etwas holprigen Beginn, den der erste Redner, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer mit einer „unübersehbaren“ Körpergröße von 2,06 Meter für einen spontanen Gag zu nutzen verstand. „Sie sind vielleicht nicht genau da, wo Sie zu Beginn des Abends gehofft haben, sein zu können“, richtete er sich ans Publikum. „Eines kann ich Ihnen sagen: Solange Sie nicht hinter mir sitzen, haben Sie einen guten Sitzplatz!“

Freie Sicht auf die Leinwand vorausgesetzt, erklärte er alle Anwesenden zu begeisterten Filmfans oder solchen, die es im Laufe des Festivals noch werden. Kultur oder „Raum zum Erleben künstlerischen Schaffens“ gehöre nicht nur in „die vermeintlich mondänen Zentren“, sondern genauso nach Ludwigshafen, bekräftigte er, wie die finanzielle Unterstützung des Bundeslandes mit rund 150.000 Euro, die er als „klares Bekenntnis für dieses schönste Filmfestival“ verstanden wissen wollte. „Das gilt für heute und für die Zukunft.“ Tagespolitisch wurden seine Worte angesichts der Anfeindungen, denen Jutta Steinruck, die Oberbürgermeisterin der Stadt, und die Mitglieder des Wahlausschusses seit dem Ausschluss des AfD-Kandidaten Joachim Paul vermehrt ausgesetzt sind. „Egal, wo wir politisch stehen – was nicht geht in einer Gesellschaft, ist, dass die Oberbürgermeisterin persönlich angegriffen wird, weil sie ihr Amt ausführt, und dass Mitarbeiter der Verwaltung mit übelsten Drohungen zu kämpfen haben, weil sie ihrer Aufgabe nachkommen. Das dürfen wir in einer Demokratie niemals akzeptieren“, so Schweitzer unter großem Applaus der Festivalbesucher.

Weitere Unterstützung zugesichert

Michael Heinz vom Vorstand der BASF sicherte ebenso wie das Land die fortgesetzte finanzielle Unterstützung des Filmfestivals zu, dem Jutta Steinruck nicht nur daraufhin eine vielversprechende Zukunft voraussagen konnte, verbunden mit der Aussicht, es in den kommenden Jahren persönlich noch eingehender genießen zu können, wenn ihre Amtszeit als Oberbürgermeisterin beendet sein wird.

Hochaktuell war auch der abschließende und längste Redebeitrag des Abends, den traditionsgemäß der Intendant lieferte. Mit einem engagierten gesellschaftspolitischen Vortrag, der erst ganz zum Schluss auf Filme und Filmkünstler kam, die ja eigentlich im Zentrum „seines“ Festivals stehen. Dafür nahm Michael Kötz, ohne ausdrücklich Namen und Fakten zu nennen, deutlich Bezug auf die jüngste Klage von Anwohnern auf der Parkinsel wegen Lärmemissionen des Festivals. Daraus wie aus anderen Beispielen entwickelte er eine überzeugende Analyse des herrschenden Zeitgeists, in dem eine übergroße „Ich-Orientierung“, will heißen: Individualität gepaart mit Egoismus, dem Gemeinsinn nahezu jeden Raum nehmen. „Damit verbunden gelten dann auch unsere Politiker im Grunde nicht als Volksvertreter, also als von uns entsandte und beauftragte Vertreter von kollektiven Mehrheitswünschen, sondern eher als Servicekräfte, die so zu funktionieren haben, dass wir uns persönlich möglichst frei und ungehindert entfalten können“, so Kötz. Als „Spiegel unseres Lebens“ seien die 75 programmierten Festivalfilme, die noch bis einschließlich 7. September auf der Parkinsel zu sehen sein werden, „randvoll gefüllt mit genau diesen Fragen“.

75 Filme bis 7. September

Von den Machern des gelungenen Eröffnungsfilms „Petra geht baden“ konnte er anschließend die Hauptdarstellerin Ulrike Kriener, den Schauspieler Philipp Moog, den Produzenten Christian Popp und die zuständige ZDF-Redakteurin Corinna Marx auf die Bühne holen, während der Festivalbesuch des schwedischen männlichen Hauptdarstellers Rolf Lassgård und des Regisseurs Rainer Kaufmann, 2019 in Ludwigshafen ausgezeichnet, noch bevorstehen. Sie sind für den 23. August angekündigt. Ihr Film, eine Mischung aus Roadmovie und Romantischer Seniorenkomödie, führt – sonderbarerweise zu französischer Musik – nach Tschechien und endet in einem musikalisch begleiteten Fest, das nahezu nahtlos weiterging, als die insgesamt rund 2300 Besucher nach dem Abspann wieder vor die beiden großen Kinozelte traten und das Eröffnungsfest in der Ludwigshafener Festivallounge und den „Wandermusikanten“ auf der Hannelore-Kohl-Promenade gerade erst begann. Genau wie das Festival.

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