Pfalzgeschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Die ersten Pfälzer Briefmarken und die wichtige Rolle, die Zweibrücken spielte

Der Schwarze Einser, die erste in Deutschland herausgegebene Briefmarke.
Der Schwarze Einser, die erste in Deutschland herausgegebene Briefmarke.

Fast zehn Jahre nach Großbritannien, gut vier Jahre nach der Schweiz und wenige Monate nach Frankreich erschienen vor 175 Jahren auch in Deutschland die ersten Briefmarken. Die Postverwaltung des Königreichs Bayern hatte entschieden, drei Marken herauszugeben: zu ein, drei und sechs Kreuzer. Stichtag in der Pfalz: der 1. November 1849. Und Zweibrücker Technik spielte eine wichtige Rolle.

Als Ergebnis eines Staatsvertrages zwischen Bayern und Österreich von 14. April 1816 war die Pfalz mit Wirkung von 30. April 1816 staatsrechtlich ein Teil Bayerns. Bereits im Mai 1816 wurden die Posteinrichtungen des linksrheinischen Landesteils durch einen „Postbesitznahme-Kommissär“ von der bayerischen Postverwaltung übernommen, in Speyer wurde das Oberpostamt angesiedelt. Diesem untergeordnet waren 25 Postverwaltungen und Expeditionen. Bis in die 1840er-Jahre kamen einige neue Postexpeditionen hinzu, andere wurden aufgelöst. Es galten alle Vorschriften der bayerischen Post: Briefe wurden bar bezahlt, wahlweise vom Absender oder Empfänger. Briefmarken gab es noch lange nicht.

Die Schere muss ran

Großbritannien hingegen hatte bereits im Mai 1840 die ersten Briefmarken herausgegeben, zum Beispiel die „One Penny Black“ mit dem Bildnis von Königin Victoria. In Bayern erreichten erste Anregungen zur Ausgabe von „aufklebbaren Wäppchen“, wie Briefmarken anfangs genannt wurden, die Staatsregierung bereits im Frühjahr 1845. Allerdings dauerte es bis Anfang 1849, ehe die Idee aufgegriffen wurde. Eine „königliche allerhöchste Verordnung“ legte am 5. Juni 1849 fest, dass von der Postverwaltung der Verkauf „gestempelter Marken im Preise von 1, 3 und 6 Kreuzer“ zu geschehen habe, „deren Befestigung auf dem Briefe die Frankierung bewirkt“.

Zur Herstellung der Marken wurden Aufträge erteilt: für die Entwürfe an den Grafiker Peter Haseney, für den Stich an den Graveur Max Joseph Seitz und für den Druck an Johann Georg Weiß, alle drei aus München.

Mit den Arbeiten für die Ein-Kreuzer-Marke wurde rasch begonnen, so dass Weiß bereits am 2. August die ersten Druckproben vorlegen konnte. Der Druck wurde sogleich genehmigt, in schwarzer Farbe auf einfachem Papier. Die Marke zu drei Kreuzer sollte in Blau, die Marke zu sechs Kreuzer in Braun gedruckt werden. Allerdings mussten für diese beiden Werte noch Urstempel in Stahl graviert werden, und das Papier sollte zum Fälschungsschutz Seidenfäden enthalten. Die schwarze Ein-Kreuzer Marke wurde als erste gedruckt, die Ausgabe erfolgte gemeinsam mit den beiden anderen. Der Schwarze Einser ist daher die am frühesten hergestellte deutsche Briefmarke, muss jedoch den ersten Erscheinungstag mit den beiden anderen teilen. Die Marken waren ungezähnt, sie mussten mit einer Schere aus dem Druckbogen herausgeschnitten werden.

Feiertagsöffnung zu Allerheiligen

Die Postverwaltung lieferte die Marken nun an die bayerischen Postanstalten aus und legte den Erstverwendungstag auf den 1. November 1849 fest. In ganz Bayern dürften an diesem Tag knapp 400 Postanstalten bestanden haben, davon 41 in der Pfalz. Trotz des Feiertages Allerheiligen hatten viele Poststellen geöffnet, so dass auch einige von Sammlern sehr gesuchte Briefe vom Ersttag erhalten geblieben sind, ebenso wie von der blauen Dreier und der braunen Sechser. Allerdings leider nicht von Pfälzer Postorten.

Ein Kreuzer von Landau nach Pirmasens: unterfrankiert?
Ein Kreuzer von Landau nach Pirmasens: unterfrankiert?

Schon im Oktober 1850 wurde der Schwarze Einser durch eine Marke zu ein Kreuzer rot ersetzt. Auch die Marken zu drei und sechs Kreuzern wurden im Herbst 1850 durch Marken in gleichen Farben, aber in leicht geändertem Markenbild abgelöst. Die Drei-Kreuzer-blau war zunächst auf einer Schriftmetallplatte gedruckt, ab 1850 dann auf Messingplatten. Ähnlich verhält es sich bei der Sechs-Kreuzer-Marke.

In den einschlägigen philatelistischen Katalogen werden die drei ersten deutschen Briefmarken wie folgt gelistet: „1 Kreuzer Schwarz, Katalognummer 1, Platten I und II; Auflage 832.000 Stück, davon etwa 100.000 unverkauft. 3 Kreuzer Blau, Katalognummer 2 Platte I; geschätzte Auflage ca. 2 Millionen Stück. 6 Kreuzer Braun, Katalognummer 4 Platte I; Auflage ca. 760.000 Stück.“

Drei Kreuzer kostet es von einem Ort zum andern.
Drei Kreuzer kostet es von einem Ort zum andern.

Die Marken sollten wie folgt verwendet werden: Ein Kreuzer für einen Ortsbrief oder eine Drucksache innerhalb Bayerns. Drei Kreuzer für Briefe bis 1 Loth (15,625 Gramm) Gewicht und 12 Meilen (1 Meile ca. 7,5 km) Entfernung innerhalb des rechtsrheinischen Bayern beziehungsweise innerhalb der Pfalz ohne Rücksicht auf die Entfernung. Sechs Kreuzer für Briefe bis 1 Loth und einer Entfernung über 12 Meilen, also auch aus der Pfalz ins übrige Bayern.

Mit Gründung des Deutsch-Österreichischen-Postvereins zum 1. Juli 1850 durften die Marken auch zur Frankierung in die anderen Postvereinsländer verwendet werden. Die bayerische Postverwaltung legte durch eine Anweisung am 23. Oktober 1849 auch fest, dass die Frankomarken, wie die Briefmarken nun offiziell genannt wurden, in der Regel vom Absender selbst in der linken oberen Ecke des Briefes befestigt werden sollten.

Sechs Kreuzer: Für mehr als zwölf Meilen wird’s teuer.
Sechs Kreuzer: Für mehr als zwölf Meilen wird’s teuer.

Und natürlich musste die bayerische Postverwaltung dafür Soge tragen, dass die Marken nach ihrem Gebrauch nicht abgelöst und nochmals verwendet wurden. Sie ordnete daher an: „Damit bereits verwendete Marken nicht zum zweiten Male benutzt werden können, müssen dieselben vor der Abfertigung unbrauchbar respective als bereits gebraucht erkennbar gemacht werden. Dies hat einfach dadurch zu geschehen, dass beim Stempeln der Briefe die darauf befindlichen Marken mit dem Ortsstempel so überdeckt werden, dass die stattgefundene Verwendung jederzeit wieder ersichtlich ist.“

Spezieller Stempel aus Kusel

Vom ersten Verwendungstag an wurden die Marken auf den Briefen mit einem Stempel entwertet, den die Sammler als Halbkreisstempel bezeichnen. Nur vereinzelt erfolgte die Entwertung mit einer anderen Type. In Kusel etwa kam ein sogenannter Fingerhutstempel zum Einsatz.

Mit dieser Handhabung war man jedoch seitens der Postverwaltung nicht zufrieden. Daher wurden schon zum 1. August 1850 reine Zahlenstempel in der Form eines Mühlrades zur Entwertung der Marken eingeführt. Die Nummern wurden in alphabetischer Reihenfolge auf die aktuell 402 bayerischen Postanstalten verteilt. Insgesamt 41 pfälzische Postämter und Expeditionen wurden mit einem Mühlradstempeln ausstattet. Diese werden gelegentlich als eine Art erste Postleitzahl bezeichnet. Das ist allerdings irreführend, denn sie dienten nicht zur zusätzlichen Bezeichnung des Empfängerortes eines Briefes, sondern zur zusätzlichen Angabe des Absendeortes.

Auch wenn schon ab Herbst 1850 die erste Markenausgabe nicht mehr hergestellt und verkauft wurde, durften die bei den Postkunden noch vorhandenen Restbestände noch bis 31. August 1864 verwendet werden.

Da der Schwarze Einser schon seit jeher auf viele Sammlergenerationen eine besondere Anziehungskraft ausübt und er zudem recht selten ist haben Mitglieder des Philatelistischen Arbeitskreises Pfalz versucht, eine Aufstellung zu fertigen über die Anzahl der heute bekannten Exemplare des Schwarzen Einsers, die in der Pfalz verwendet wurden. Man kam auf 49 Marken, die mit dem Ortsstempel, 198 Marken, die mit dem Mühlradstempel entwertet wurden, und 36 Briefe, die mit dem Schwarzen Einser frankiert waren. Es soll, heißt es in Sammlerkreisen, auch einmal einen Sammler gegeben haben, der weit mehr als 50 Schwarze Einser von Pfälzer Postorten in seiner Sammlung hatte. Der Blaue Dreier und der Braune Sechser haben zwar nicht diese Aura des ganz Besonderen, sind aber dennoch begehrte Sammlerstücke.

Zweibrücker Druckerkunst

Die ersten bayerischen Briefmarken wurden in der Universitätsdruckerei von Johann Georg Weiß in München gedruckt, ebenso wie teilweise die frühen Briefmarkenausgaben der Schweiz. Aus den Unterlagen der Schweizer Postverwaltung ist bekannt, dass Weiß die Marken auf zwei Dinglerschen Kniehebelpressen druckte. Auch der zusätzliche Druck Schweizer Marken in Bern erfolgte mit Dinglerschen Pressen.

Ein frühes Modell der Dingler’schen Kniehebelpresse.
Ein frühes Modell der Dingler’schen Kniehebelpresse.

Christian Wilhelm Julius Dingler wurde 1802 in Zweibrücken geboren. 1827 eröffnete er im Betrieb seines Vaters eine Mechanische Werkstatt, aus der sich eine der frühesten Maschinenfabriken Süddeutschlands entwickelte. 1828 heiratete er die Tochter des verstorbenen Druckereibesitzers Baur. Ihr Stiefvater war der bekannte Zweibrücker Verleger Georg Ritter, der auf den jungen Dingler großen Einfluss hatte und sein Interesse an der Herstellung von Druckerpressen weckte. Dingler besorgte sich ein Musterexemplar einer amerikanischen Kniehebelpresse von dem New Yorker Händler Hagar und stellte sie als erster unter dem Namen „Hagarpresse“ in Deutschland vor. 1837 brachte er ein von der Hagarpresse abgeleitetes Modell unter dem Namen „Dinglerpresse“ auf den Markt. Noch im selben Jahr stellte er eine verbesserte Konstruktion mit dem doppeltem Kniehebelsystem unter dem Namen „Zweibrücker Presse“ vor. Diese kostete je nach Größe zwischen 375 und 550 Gulden und fand weite Verbreitung, auch in der Universitätsdruckerei Weiß in München. Die Ingenieurskunst und Geschäftstüchtigkeit des Zweibrücker Mechanikus Christian Dingler darf daher als Geburtshelfer für die ersten deutschen Briefmarken angesehen werden.

Nach weiteren Jahren wirtschaftlicher Erfolge, in denen er sich schwerpunktmäßig dem Bau von Eisenbahnwaggons zugewendet hatte, starb Dingler am 18. Dezember 1858 im Alter von nur 58 Jahren. Das von ihm gegründete Unternehmen besteht noch heute fort, wenn auch unter anderem Namen und mit anderen Produkten.

Zum Autor

Der Autor, Hans Otto Streuber, war 1993 bis 1999 Oberbürgermeister von Zweibrücken, danach bis 2011 Präsident des rheinland-pfälzischen Sparkassenverbands. Der Philatelistische Arbeitskreis Pfalz, in dem er sich engagiert, begeht in diesen Tagen sein 50-jähriges Bestehen. Kontakt: hans.otto.streuber@gmail.com.

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