Weintipp
Eiche oder Stahl?
In Deutschland ist man sich einig, dass Weißburgunder und Chardonnay zu den wertvollsten Rebsorten zählen. Aber wie sollen sie schmecken? Dieser Tage diskutierten Fachleute wieder die Frage, ob Weißburgunder als Sorte einen definierten Stil braucht, um sich am Markt der hochwertigen Weine auch international zu profilieren. Oder ob jeder Winzer, jede Winzerin, machen sollte, was ihm oder ihr gefällt. Barriqueausbau oder nicht war der Streitpunkt.
Keine klar definierte Rechnung
Einige der regelmäßig am besten bewerteten Weißburgunder entstehen ohne Holzeinfluss – und sie können ebenso gut auf der Flasche reifen wie mancher im Barrique ausgebaute Burgunder. Aber sehr viele Winzer sehen die Verwandtschaft zum Chardonnay und bauen ihren Weißburgunder deshalb genau wie diesen aus. Es gibt zweifellos bei beiden Varianten sehr gute Weine. Eine klar definierte Richtung – Voraussetzung für jedes erfolgreiche Marketing– gibt es nicht.
Beim weltweit viel weiter verbreiteten Chardonnay ist die Holz-Frage dagegen längst entschieden. Chardonnay gibt es in jedem wichtigen Weinland der Erde und – einzelne Weine im Chablis ausgenommen – das stilistische Schema ist immer gleich: Hochwertiger Chardonnay wird in Eichenholz vergoren. Das gilt für die Bourgogne, Australien, Chile, Kalifornien und sogar Deutschland. Nur wie hoch der Anteil neuer Fässer ist und wie groß die Fässer sein sollten, sehen nicht alle Kellermeister gleich. Wer mehrere Chardonnays hat, füllt Chardonnay ohne Holz bestenfalls als einfachen Wein.
Klar und saftig
Matthias Dollt und Sabine Hochdörffer haben sich anders entschieden. Sie lassen ihren ganzen Chardonnay ohne Holzeinfluss reifen und beweisen, dass die Sorte keine Eiche benötigt, um ausgezeichneten Wein zu ergeben. Ihr klarer und saftiger 2021er mit leicht exotischen Noten und etwas Melone im Duft schmeckt frisch, reif und saftig. Er macht richtig Lust zu trinken und ist ein Essensbegleiter für viele Gelegenheiten.
Der Wein
2021 Chardonnay, Weingut Gerhard Hochdörffer, Landau-Nußdorf, Telefon 06341/61225, 6,30 Euro ab Weingut, www.weingut-hochdoerffer.de
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

Dürfen wir nachschenken?
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