Fußball
Wieso eskalierte die Situation zwischen FCK-Fans und Polizei?
Übertragen auf ein Fußballspiel landeten da ein paar üble Tritte an den Schienbeinen der Akteure der gegnerischen Mannschaft. Immerhin kamen sie nicht hinterrücks, sondern in einer Stellungnahme über soziale Netzwerke. Rote Karten werden die verbalisierten Tritte deshalb nicht nach sich ziehen, aber zur Befriedung der Lage eben auch nicht beitragen können.
Das Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern hat schwere Vorwürfe gegen die Polizeikräfte erhoben, die aus ihrer Sicht die Ausschreitungen am vergangenen Sonntag im Anschluss an das letzte Heimspiel des Zweitligisten gegen Fortuna Düsseldorf (0:3) befeuert haben. Etwa eine Stunde nach Spielende kam es im Bereich des Elf-Freunde-Kreisels zu Auseinandersetzungen zwischen Stadionbesuchern, der Polizei und Rettungskräften. Es kam zu Übergriffen auf Beamte der Polizei sowie zu Sachbeschädigungen. Von Tritten, Becher- und Flaschenwürfen berichtet die Polizei, mehrere Beamte seien verletzt worden. Zudem seien die Scheiben eines Einsatzfahrzeuges der Sicherheitskräfte zerstört worden. Knapp 48.000 Zuschauer waren am Sonntag auf dem Betzenberg, davon etwa 3500 Gästefans aus Düsseldorf.
Es gibt keinen Dissens, dass es zu Ausschreitungen gekommen ist. Uneinigkeit herrscht allerdings angesichts der Gründe der Eskalation. Das Fanbündnis des FCK macht die Sicherheitskräfte dafür verantwortlich. Die Polizei habe „massiv eskalativ“ eingewirkt, das Aufschaukeln der Lage wirkte laut Fanbündnis „teils gewollt“. So seien auch unbeteiligte Fans durch den Einsatz von Pfefferspray verletzt, zudem deren Behandlung durch Rettungskräfte zunächst verweigert worden.
„Schon seit Längerem und verstärkt in dieser Saison fällt die Polizei in Kaiserslautern negativ mit nicht nachvollziehbaren Konzepten für alle Stadionbesucher auf“, heißt es in der Stellungnahme der Fans an anderer Stelle: „Diese Erlebnisse bringen uns zu dem Schluss, dass die Polizei in Kaiserslautern kein Interesse an einem guten Miteinander am Spieltag hat.“ Die Einsatzkräfte gäben den FCK-Fans das Gefühl, bei Partien in Kaiserslautern bei einem Auswärtsspiel zu Gast zu sein. Für das Bündnis schwöre die Polizei „nicht existierende Bedrohungsszenarien herauf“ und mache jedes „x-beliebige Heimspiel“ zu einem „Risikospiel“. Im Umfeld des Spiels gegen Düsseldorf kritisiert das Bündnis konkret den Einsatz von Drohnen und eines Hubschraubers – „für eine Partie, die keinerlei Brisanz mit sich brachte“. Die Stellungnahme haben bis zum Donnerstagabend knapp 290 Menschen auf Facebook geteilt.
Auch das DRK kritisiert die Fans
Die Lage ist verfahren, denn von der Polizei und eingesetzten Rettungskräften werden die Vorkommnisse am Pfingstsonntag anders bewertet. „Insgesamt wurden im Laufe des Nachmittags rund 20 Anzeigen aufgenommen. Davon die meisten wegen Landfriedensbruchs mit tätlichem Angriff auf Polizeibeamte, (gefährlicher) Körperverletzung und Widerstands. Außerdem gab es Anzeigen wegen Sachbeschädigung (Graffitischmierereien, Beschädigung von Dienstfahrzeugen), Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hausfriedensbruchs, Beleidigung sowie wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“, heißt es in der Polizeimitteilung vom Sonntagabend. Darin weist sie darauf hin, dass ihr Einsatz erst gegen 21 Uhr beendet gewesen sei, „also knapp vier Stunden nach dem Spiel“.
Irritierend erscheint zudem eine Mitteilung des Ortsvereins Osthofen des Deutschen Roten Kreuzes, dessen Mitarbeiter am Sonntag rund um die Partie des FCK gegen Düsseldorf im Einsatz waren. In der Mitteilung wird von der Beschädigung eines Einsatzfahrzeuges sowie von Beleidigungen und Bedrohungen berichtet. Außerdem heißt es: „Schlimmer jedoch war die verbale Aggressivität gegen unsere Helfer:innen. Hier empfinden wir nur noch pure Enttäuschung und Unverständnis für die Fans des 1. FCK. Für uns ist es unverständlich, warum man Helfer:innen einer Hilfsorganisation angreift und fremdes Eigentum beschädigt.“
Fakt ist, dass die Geschehnisse vom Pfingstsonntag von den beteiligten Parteien unterschiedlich dargestellt und bewertet werden – und von außen kaum einzuordnen sind, weil Wort gegen Wort steht.
FCK zwischen den Stühlen
Unwohl muss sich in dem Konflikt der Klub fühlen, der sich deshalb vorsichtig zu den Vorfällen äußert. „Zu den Hintergründen und dem Ablauf dieser Auseinandersetzungen liegen uns unterschiedliche Schilderungen vor, weshalb wir diese Vorfälle gemeinsam mit Fans und Polizei aufarbeiten werden“, heißt es von Seiten des FCK. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ ergänzt der Verein explizit, dass er es als seine Aufgabe sieht, beide Seiten, also auch die Sichtweise der Fans anzuhören. Eines steht für den Klub jedoch außer Frage: „Der 1. FC Kaiserslautern möchte hiermit deutlich machen, dass jegliche Form von physischer oder psychischer Gewalt (…) in keiner Weise zu tolerieren sind und sich gegen jegliche Werte richten, für die der 1. FC Kaiserslautern steht. Zugleich möchten wir aber auch alle Fans um eine Versachlichung dieser Diskussionen bitten und darum, von Vorverurteilungen, Verallgemeinerungen und Spekulationen abzusehen.“
Die Zweitliga-Saison des 1. FC Kaiserslautern ist am vergangenen Wochenende sportlich zu Ende gegangen. Außenrum ist aber noch einiges aufzuarbeiten.
