1. FC Kaiserslautern
Wechselpoker um FCK-Torjäger: Ragnar Ache und die Magie seiner Anwesenheit
Ragnar Ache hat sich nicht geändert. Der Stürmer des 1. FC Kaiserslautern machte am Samstag in Münster, was er immer macht. Auf dem Feld köpfte er seine Mannschaft zum Sieg, und anschließend betätigte er sich als Spaßvogel. Als Jannis Heuer bei den Medienvertretern stand und mittendrin war, das zuvor auf dem Rasen Geschehene zu erklären, stellte sich Ache neben ihn, ahmte die Interviewer nach, in dem er seine Hand zu einem Mikrofon umfunktionierte, und grinste Heuer an. Der Verteidiger ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, und Ache machte ein paar Schritte zur Seite, als die Frage nach der Zukunft des Stürmers aufkam.
Gespräche auf zwei Ebenen
Nach dem knappen, eher glücklichen, aber irgendwie auch nicht unverdienten 1:0-Sieg der Lauterer bei Aufsteiger Preußen Münster gab es in den Gesprächen mit den Protagonisten zwei Ebenen. Zunächst wurde über das Spiel gesprochen, das zumindest in der ersten Halbzeit ein ziemliches Gekicke war, ehe sich der FCK kleine Vorteile und kurz vor dem Ende den Siegtreffer erspielte. Über der Einordnung der Partie stand die Frage, ob Ragnar Ache am kommenden Samstag noch Teil des FCK-Kaders sein wird, wenn die Lauterer im Zweitliga-Topspiel um 20.30 Uhr auf Hertha BSC treffen. Oder ob er neben seinem Einsatz auf dem Fußballfeld seine Comedy-Einlagen künftig möglicherweise beim Bundesligisten Union Berlin gibt.
Das Interesse des Klubs aus Berlin-Köpenick ist bekannt, auch wenn sich die Klubverantwortlichen aus der Hauptstadt mit denen aus Kaiserslautern bislang nicht auf eine Entschädigungsleistung einigen konnten. Es ist, wie es zu Beginn einer Verhandlung immer ist: Die Lauterer bewerten den Wert des Stürmers höher als die Berliner. Es könnte eine zähe Sache werden, bis spätestens am kommenden Freitag eine Entscheidung fallen muss – dann endet die Sommer-Transferperiode.
FCK ist ein Arbeitgeber auf Zeit
Ache steht in diesen Tagen im Mittelpunkt des Interesses, weiß das, stellte sich am Samstag den Fragen der Reporter und entschied sich, wenig zu sagen. „Ich könnte darüber reden, was ich in Zukunft will, aber das mache ich nicht. Am Ende des Tages schauen wir, was passiert. Ich probiere alles für den Verein zu geben und mich auf mich und Fußball zu fokussieren“, erklärte der umworbene Angreifer. Das war kein Treueschwur in Richtung des FCK, aber der war angesichts der Tatsache, dass Ache in Berlin nicht nur eine Liga höher spielen, sondern auch deutlich mehr Geld verdienen könnte, nicht zu erwarten. Für den Topstürmer war und ist der 1. FC Kaiserslautern seit seinem Wechsel im zurückliegenden Sommer ein Arbeitgeber auf Zeit. Das ist nicht verwerflich, sondern Standard im Profifußball.
Aches Anwesenheit verändert das Spiel
Auf dem Feld hatte Ache zuvor noch einmal allen gezeigt, welchen Wert er für seinen aktuellen Arbeitgeber und die derzeitigen Kollegen hat. Nicht allein durch seinen Kopfballtreffer in der 86. Minute, sondern allein durch seine Anwesenheit auf dem Platz veränderte er das Spiel. Ache war in der 69. Minute aufs Feld gekommen, und fortan war spürbar, dass er einen Einfluss auf die anderen Fußballer hatte. Die Mitspieler gewannen den Glauben, ein Tor schießen zu können, während die Akteure des Gegners fürchteten, durch einen der Ausnahmespieler der Zweiten Liga geschlagen zu werden. Genauso kam es.
Weil Ache schon zum Ende der vergangenen Spielzeit an chronischen Achillessehnenschmerzen litt und deshalb das Trainingspensum nur langsam steigern konnte, übt er seine Magie derzeit nur in Teilzeit aus. Aber das genügt, um seinem Team Punkte zu sichern. Gegen Greuther Fürth traf er kurz vor Schluss zum 2:2-Ausgleich, in Münster sicherte er den Sieg. Es gibt nur wenige Stürmer, die derart zu explodieren vermögen, wenn sie den Strafraum des Gegners betreten. Eben diese Fähigkeit macht ihn für Union Berlin interessant, das bereit ist, mehrere Millionen Euro Ablöse zu bezahlen.
Julian Krahl findet kluge Worte
Markus Anfang, der seit Wochen gemeinsam mit den FCK-Trainerkollegen daran arbeitet, Ache zu 100 Prozent fit zu machen, kennt das Profigeschäft als Spieler und als Trainer und weiß, dass es letztlich am Willen der Berliner hängt, ob der Stürmer den Verein wechselt. Stockt Union sein Angebot noch einmal spürbar auf, wird Ragnar Ache Kaiserslautern verlassen. Der FCK-Chefcoach formulierte einen Wunsch mit einem Hauch Hoffnung: „Ich glaube, er bleibt bei uns.“ Gänzlich überzeugt wirkte er bei der Aussage aber nicht.
Julian Krahl, der oft schlaue Sätze sagt, fand auch beim Thema Ache passende Worte. „Ragy ist alt genug, er wird das machen, was für ihn persönlich am besten ist“, sagte der FCK-Keeper in dem Wissen, dass weder er noch ein Kollege Einfluss darauf nehmen können, was in den kommenden Tagen passiert. „Ich persönlich hoffe natürlich, dass er bei uns bleibt. Wir mögen ihn alle sehr, sportlich und menschlich. Wir sind froh, dass wir ihn haben“, fügte er noch an.
