Meinung
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht steckt in einer Zwickmühle
Noch drei Spiele sind zu absolvieren in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Der FCK kann in aller Ruhe die neue Saison planen, denn der Verein hat genügend Punkte erspielt, um nicht abzusteigen. Zum Rundenende hin trifft der FCK auf Mannschaften, die allesamt gegen den Abstieg kämpfen: Dresden, Bielefeld und Magdeburg. Das sind manchmal ganz unangenehme Gegner, denn in diesen Klubs geht es um die Existenz vieler Menschen. Ein Abstieg in die Dritte Liga hat gravierende Auswirkungen. Das hat der FCK gnadenlos spüren müssen. So gesehen ist es doch eine entspannte Situation für den FCK, die Saison ausklingen zu lassen.
Es geht um Millionen für den FCK
Aber ganz so ist es nicht. Denn FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen erwartet, dass die Mannschaft die Saison seriös zu Ende spielt. Denn der FCK will sich nicht vorwerfen lassen, im Abstiegskampf das Zünglein an der Waage gespielt zu haben. Hengen lugt außerdem auf die TV-Geld-Tabelle. Da geht es um viel Geld. Je besser der FCK abschneidet und wenn er gewisse Mannschaften hinter sich lässt, klingelt es ab 2028 in der Kasse. Diesen Auftrag hat Trainer Torsten Lieberknecht zu erfüllen. Es ist nicht der einzige. Er soll auch Talente einbauen und entwickeln. Seit Jahren fördert kein Trainer die Jugend des FCK so wie Lieberknecht. Mika Haas wurde unter ihm U20-Nationalspieler. Owen Gibs, der am Donnerstag einen langfristigen Vertrag unterzeichnete, Dion Hofmeister und Erik Müller debütierten in der Zweiten Liga. Ben Jungfleisch bekam einen Profivertrag. Andere Talente wie unter anderem Kian Scherr stehen in den Startlöchern.
Lieberknecht hat ein großes Herz für den Nachwuchs. Er würde sicherlich gerne mehr Talente im Profispielbetrieb einbauen. Nicht, weil der FCK für jede Spielminute von der Deutschen Fußball-Liga viel Geld für den eigenen Nachwuchs kassiert. Lieberknecht tut dies aus Überzeugung heraus. Aber: Er steckt in einer Zwickmühle. Denn lässt Lieberknecht in den verbleibenden drei Saisonspielen viele Talente spielen und verliert alle drei Partien, dürfte es schwer werden, mit ihm als Trainer in die neue Saison zu gehen. Letztendlich zählen die Ergebnisse. Kaum jemand würde es honorieren und toll finden, dass auf einmal vier bis fünf Nachwuchsspieler auflaufen. Siege, am besten spektakuläre, sollen her. Trainer werden primär an Siegen, an Punkten gemessen. Profifußball ist schlichtweg ein Ergebnissport. Ein tolles Ergebnis ist es aber auch, wenn kommende Saison oder übernächste Runde mehrere Spieler aus der FCK-Jugend in der Startelf stünden. Das schafft Identifikation, aber auch Werte. Wird so ein Talent für viel Geld verkauft, hätte der Verein, hätte Torsten Lieberknecht alles richtig gemacht. Nur: Die Zeit bekommen Cheftrainer, auch beim FCK, zu wenig. Dass es anders geht, zeigen der 1. FC Nürnberg und Paderborn.
…dass es mehr solcher toller Menschen geben müsste.
Warum? Eine Frage, die sich viele Menschen bei einem Schicksalsschlag stellen. Anfang dieser Woche stellte ich mir aus der Ferne diese Frage auch. Eine junge Frau, Tamara Mendler, starb kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Sie wurde gerade einmal 32 Jahre alt. Solch eine Nachricht ist schockierend. Tamara Mendler spielte beim 1. FC Saarbrücken in der Zweiten Bundesliga Fußball. Danach absolvierte sie eine Ausbildung zur Polizistin. In Saarbrücken lernte Tamara die Liebe ihres Lebens kennen: Markus Mendler (33). Er spielte unter anderem für den 1. FC Nürnberg, Saarbrücken und seit einigen Jahren für den Regionalligisten FC Homburg. Ihm wurde 2011 die Fritz-Walter-Medaille in Bronze für besonderes Talent verliehen. Tamara Mendler stammt aus dem Nordsaarland, Markus aus Memmingen. Mit dem Fußball haben sie etwas Geld sparen können, aber keine Reichtümer anhäufen können. Das Paar plante eine gemeinsame Zukunft. Sie wollten unbedingt Kinder. Und nun? Von heute auf morgen platzt ein (Lebens)-Traum. Nichts ist mehr so, wie es war.
Ein Lebenstraum zerplatzt wie Seifenblase
Markus Mendler ist plötzlich alleinerziehender Vater, alleine mit zwei Töchtern. Ich frage mich, wie würde ich meinen Kindern erklären, warum die Mama nie mehr kommt? Eine Welt bricht urplötzlich zusammen. Das muss auch für Markus Mendler, seine und die Familie seiner Frau der Fall sein. Die Freude auf eine Zukunft mit den Enkeln, mit einer Großfamilie – zerplatzt wie eine Seifenblase. „Nach kurzer, schwerer Krankheit“ schrieb der Fußballverein FC Homburg auf seiner Internetseite sei Tamara Mendler kurz nach der Geburt verstorben. Dem Vernehmen nach hatte sie Krebs. Das aber soll sie nicht gewusst haben.
Die Anteilnahme an diesem tragischen Schicksal ist groß – nicht nur in der Fußballgemeinde. Der Hauptsponsor vom FC Homburg „Dr. Theiss Naturwaren“, auch Partner des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, hat umgehend eine Spendenaktion gestartet. Am Dienstag beim Heimspiel des FCH gegen Trier ging sie los. Das Geld geht zu 100 Prozent an die Familie, versichert Giuseppe Nardi, Chef des Unternehmens und FCK-Investor, auf Nachfrage. Ein Spendenkonto wurde dafür eingerichtet: FC Homburg Saar e.V – Treuhandkonto, Spendenkonto Marcus Mendler, IBAN: DE79594500101030877847.
Es ist schön, dass es Menschen wie Nardi gibt, die schnell, unbürokratisch helfen möchten. In einer Zeit, in der es nur so von schlechten Nachrichten hagelt ist das ein feiner Zug. Denn miteinander erreichen wir Menschen doch mehr als gegeneinander. Und jeder ist froh, wenn er Hilfsbereitschaft erfährt, in welcher Form auch immer.
