1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Jahr Torsten Lieberknecht als FCK-Coach: Wunschkandidat ohne Kredit

 Torsten Lieberknecht hat einen der besten Punkteschnitte in der Trainergilde des FCK.
Torsten Lieberknecht hat einen der besten Punkteschnitte in der Trainergilde des FCK.

Für Torsten Lieberknecht sind es beim FCK zwölf Monate, die mit extremen Leistungsschwankungen der Mannschaft verbunden sind. Der Wunschkandidat polarisiert die Fangemeinde.

Die Diskussion gleicht einer hängenden Schallplatte. Wiederkehrend flammt die Debatte um Torsten Lieberknecht auf. Die Kritiker fordern, dass der Cheftrainer des 1. FC Kaiserslautern sich sozusagen zum Teufel schert. Die Befürworter sehen in ihm den richtigen Mann, jenen Coach, dem sie zutrauen, mit dem FCK in die Bundesliga aufzusteigen.

An dieser Stelle finden Sie unseren aktuellen Podcast via Podigee.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Am 22. April ist Torsten Lieberknecht auf den Tag genau ein Jahr Trainer des FCK. Er gehört zu den erfolgreichsten Coaches in der Trainergilde: 1,56 Zähler sind der bisherige Punkteschnitt. Vor wenigen Spieltagen waren es sogar 1,75. Damit ist der Pfälzer etwas schlechter als Otto Rehhagel (1,71). Franco Foda (1,66), Kosta Runjaic (1,65), Marco Antwerpen (1,57). Dennoch steht Lieberknecht immer mal wieder in der Kritik, genießt nicht die Anerkennung und Wertschätzung, die diese nüchterne Zahl wert wäre. „Mich interessieren nur Fakten“, sagt FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen.

Schon seit Jahren der Wunschtrainer

Dabei war Torsten Lieberknecht der Wunschkandidat, als der FCK sich überraschend und in der Art und Weise durchaus umstritten von Markus Anfang im April 2025 trennte. Mehrmals hatte der FCK versucht, Lieberknecht zu verpflichten. Aus verschiedenen Gründen hatte es nie geklappt. 2025 kam zusammen, was immer irgendwie zusammenkommen wollte. Doch obwohl Lieberknecht die unumstrittene Nummer eins in der Führungsetage des FCK war und ist, ein Mann mit Stallgeruch und FCK-Vergangenheit ist, bekam er nie den Kredit im Umfeld des FCK, den er verdient hätte. Lieberknecht brach sogar für den FCK seinen persönlichen Vorsatz: Er wolle nie während einer laufenden Saison bei einem Verein als Trainer beginnen, habe er sich einmal vorgenommen. Für den FCK warf er diese Maxime über Bord.

Es gab erschütternde Momente für Torsten Lieberknecht in dieser Saison. Doch so schnell wirft ihn nichts aus der Bahn.
Es gab erschütternde Momente für Torsten Lieberknecht in dieser Saison. Doch so schnell wirft ihn nichts aus der Bahn.

Das war nicht ganz risikolos. Denn die Gefahr bestand, dass Lieberknecht schon zum Saisonende der vergangenen Runde verbrannt sein könnte. Denn hätte er die vier Spiele verloren, wäre FCK-Geschäftsführer Hengen in Erklärungsnot gekommen, wäre sein Personalroulette dieses Mal gescheitert. Vier Jahre zuvor war der Schachzug mit dem Rauswurf von Marco Antwerpen und der Verpflichtung von Dirk Schuster geglückt.

An dieser Stelle finden Sie unseren aktuellen Podcast via Podigee.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Auch der Personalwechsel von Anfang zu Lieberknecht war erfolgreich – für den Verein und für Hengen. Denn Torsten Lieberknecht hat mit vielen Hürden zu kämpfen und viele davon übersprungen. So muss er mit einem Kader arbeiten, auf den er keinen großen Einfluss nehmen konnte. Er bekam ein Trainerteam, dessen Zusammensetzung er auch wenig beeinflussen konnte – mit der Ausnahme von Co-Trainer Carsten Rump. Dieser hat sich vor wenigen Wochen in seiner Heimat am Knorpel operieren lassen. Der Zeitpunkt soll dem Vernehmen nach nicht bei allen Beteiligten gut angekommen sein. Dann war da noch der überraschende Abgang von Matthias Neumann nach nur sechs Monaten. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung des FCK kam im Sommer 2025 vom SV Darmstadt 98. Er war ein Vertrauter Lieberknechts. Doch zum Januar 2026 kehrte Neumann wieder zu den Hessen zurück.

FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen (links) und Sportdirektor Marcel Klos (rechts) stehen hinter Trainer Torsten Lieberknecht – be
FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen (links) und Sportdirektor Marcel Klos (rechts) stehen hinter Trainer Torsten Lieberknecht – beteuern sie in der Öffentlichkeit.

Die Personalien sind nicht ausschlaggebend für den bisherigen Saisonverlauf. Denn auf die Darbietungen auf dem Platz hat das Trainerteam nur bedingt Einwirkungsmöglichkeiten. Die Ausschläge nach oben und unten waren zeitweise extrem. Starken Spielen wie gegen Münster, gegen Hannover, auf Schalke, den Karlsruher SC standen denkwürdig schlechte Auftritte in Nürnberg, Darmstadt, in Braunschweig, in Berlin und am Freitag in Kiel gegenüber.

Das ist ein Kritikpunkt, den sich Lieberknecht gefallen lassen muss. Er hat es nicht geschafft, für Konstanz zu sorgen. Seine Philosophie, die Mannschaft soll Fußball spielen, mit dem sich das Publikum, die Fans, der Verein identifizieren könne, war zu selten zu sehen. Das mag an einer Mannschaft liegen, die nicht einfach zu führen ist. Denn es gibt einige Egoismen im Team. Doch Lieberknecht scheute nicht den Machtkampf. Er traute sich auch, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. So ließ er Kapitän Marlon Ritter ab und an auf der Bank schmoren, setzte Semih Sahin mal an die Außenlinie. Die Spieler waren nicht angetan von dieser Rotation, aber Lieberknecht weiß mit seiner menschlichen Art auch diese zu besänftigen. „Wir kommen alle gut mit ihm klar, aber er steht nicht auf dem Platz, er kann die Gegentore nicht verhindern“, sagt Marlon Ritter. Torwart Julian Krahl betont: „Für den Verein war die Verpflichtung erfolgreich. Der Klub machte einen Schritt nach vorne. Es ist ganz normal, dass nicht alles klappt, dass es irgendwo Baustellen gibt, wie beispielsweise unsere Auswärtskrankheit. An diesen Sachen müssen wir arbeiten. Das ist leider nicht auf einmal abzustellen.“

FCK-Torwart Julian Krahl sagt, dass Torsten Lieberknecht den Verein nach vorne gebracht habe.
FCK-Torwart Julian Krahl sagt, dass Torsten Lieberknecht den Verein nach vorne gebracht habe.

Torsten Lieberknecht ist ein Trainer, der sich mehr als jeder andere für diesen Verein (auf)opfert. Er hat viele Eigenschaften, die es braucht, um in einem impulsiven Umfeld wie dem des FCK zu bestehen. Er ist authentisch, identifiziert sich mehr als viele seiner Vorgänger mit dem Klub. Er ist Blitzableiter, stellt sich in schwierigen Momenten der Kritik und verliert dabei nicht die Haltung. Er bleibt respektvoll. Obwohl Lieberknecht auch emotional ist. Das hat das Heimspiel gegen den SC Paderborn gezeigt, als er wegen umstrittener Schiedsrichterentscheidungen die Contenance verlor und die Rote Karte sah.

FCK-Trainer Torsten Lieberknecht scheut nicht die interne Konfrontation.
FCK-Trainer Torsten Lieberknecht scheut nicht die interne Konfrontation.

Der 52 Jahre alte gebürtige Haßlocher besitzt das Gespür dafür, wann er die Zügel anziehen muss. Nach der Klatsche in Kiel ließ er die Mannschaft nach der Ankunft am Samstag auf dem Betzenberg trainieren. In der Länderspielphase vor wenigen Wochen scheuchte Lieberknecht seine Spieler die Treppen den Betzenberg hinauf. Das tat er nicht, weil dies sein damaliger Jugendtrainer Ernst Diehl immer mal wieder in den Übungseinheiten eingestreut hatte. Es war seine Antwort auf die lustlose Leistung beim 0:3 in Nürnberg, und er wollte dem Glauben entgegentreten, dass das Team nun die Saison austrudeln lassen könne. Zur Erinnerung: Marco Antwerpen ließ das Flutlicht nachts einschalten und scheuchte die Mannschaft nach dem Reinfall in Magdeburg über den Platz. Jeder Trainer hat seine persönlichen Methoden.

Lieberknecht verfolgt bedingungslos sein Ziel

Lieberknecht hat in seinem ersten Jahr die Basis geschaffen, um mit dem FCK den Aufstieg die Bundesliga in den kommenden beiden Jahren anzugehen. Dieses Ziel vertritt er vehement – auch, wenn er dafür öffentlich von Teilen der Fans belächelt, kritisiert und verbal abgewatscht wird. Der Aufstieg ist sein Wunsch, den er bedingungslos verfolgt. Sollte er ein Rezept gegen das FCK-Virus, wie Lieberknecht die Leistungsschwankungen bezeichnete, finden, dann kommt er seinem Ziel ein gutes Stück näher. Dann wird die Diskussion um seine Person wohl auch verstummen. Denn er ist der richtige Trainer für den FCK.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Newsletter wird jeden Freitag verschickt.

Noch mehr FCK gibt es hier:

Pokalsieger, Absteiger, Wiederaufsteiger, Meister: Der 1. FC Kaiserslautern ist wie kaum ein zweiter deutscher Fußballverein in der Region verankert. Unsere Redaktion ist dicht dran am FCK und bietet exklusive Einblicke in den legendärsten Club aus der Pfalz. Alle wichtigen Infos, Hintergründe und Neuigkeiten gibts für Fans auch in unserem Newsletter und dem Podcast Lautre!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x