1. FC Kaiserslautern
FCK-Sportdirektor Marcel Klos ganz privat: Ich habe gelernt, die Emotionen rauszunehmen
Herr Klos, wie sehr haben Sie die Pfalz kennen- und schätzengelernt?
Ich habe die Pfalz an meinen freien Tagen schon ein wenig kennengelernt. Wir waren mit der ganzen Familie kürzlich in der Vorderpfalz. Mit Torsten oder Thomas war ich auch schon unterwegs, sie haben mir beispielsweise ein paar schöne Restaurants und andere schöne Orte gezeigt. Das gefällt mir schon sehr: das Grüne, die Ruhe, das gute Essen, auch der gute Wein. Ich muss sagen, hier fühle ich mich sehr wohl. Hinzu kommt der Schlag Menschen. Ich bin ja Rheinländer und muss sagen, das passt schon sehr gut mit den Pfälzern.
An die pfälzische Kulinarik haben Sie sich angepasst?
Ja, definitiv.
Und die Italienische, pflegen Sie die noch?
Ja, ich pflege sie noch sehr. Ich habe natürlich auch hier in der Pfalz meine italienischen Restaurants gefunden.
Welcher Ort auf Ihrer Pfalztour hat Sie denn am meisten beindruckt?
Was ich sehr schön empfand, war die Vorderpfalz, Orte wie Deidesheim, Edenkoben, Bad Dürkheim. In Edenkoben habe ich meine B-Lizenz gemacht und war dort auch schon bei einer Fanregionssitzung zu Gast. Dort fährt man durch den Ort und sieht die Leute an der Weinbar sitzen, wie sie ihren Wein trinken und es sich gutgehen lassen. Im Sommer kann man auf eines der zahlreichen Weinfeste gehen oder einfach die Natur genießen.
Sind Sie dann schon heimisch geworden mit der pfälzischen Lebensweise?
Man entwickelt sich ja stetig. Aber jetzt, nach einem Jahr, muss ich sagen, ich kenne mich hier sehr gut aus, auch wenn ich jetzt nicht so oft in der Stadt unterwegs bin. Aber ich fühle mich schon heimisch.
Wie schaffen Sie es mit der Work-Life-Balance?
Da muss man manchmal aufpassen. Wichtig ist, sich regelmäßig zu reflektieren und rechtzeitig seine Stopps einzubauen. Aber die Balance kriege ich eigentlich ganz gut hin. Es gibt immer die Transferphasen, die natürlich sehr anstrengend sind. Oder die Situation nach dem Elversberg-Spiel mit der Verletzung von Ivan, wo wir innerhalb von 36 Stunden einen Stürmer verpflichten mussten. Das sind schon Ausnahmen. Aber auch außerhalb des Transferfensters haben wir viele Themen. Es geht mir auch darum, die Abteilungen besser zu machen. Ich versuche, jeden meiner Mitarbeiter in den Abteilungen besser zu machen, für sie Fortbildungen zu suchen, sie zu entwickeln. Dazwischen versuche ich meine Stopps einzubauen, Sport zu machen oder mit meinem Sohn mal eine ganz große Runde spazieren zu gehen.
Haben sie feste Rituale, um den Kopf freizukriegen?
Am Besten klappt das an der frischen Luft. Ich bin ja eigentlich auch gezwungen rauszugehen, weil wir einen Hund haben. Ich gehe dann meistens um 6 Uhr morgens raus, habe dann so 45 Minuten für mich. Das genieße ich sehr.
Können Sie spazieren gehen ohne angesprochen zu werden?
Ich werde mehr und mehr erkannt. Aber ich finde, die Leute sind immer respektvoll und höflich.
Wenn Sie mit möglichen Neuzugängen sprechen, reden Sie dann auch mit den Spielerfrauen?
Es ist, muss ich ehrlich sagen, immer mehr ein Faktor. Das liegt auch daran, dass für die Spieler die Familie extrem wichtig ist.
Sie haben ja auch Familie. Wie oft sehen Sie die? Wie oft können Sie Ihren jungen Sprössling mal in aller Ruhe eine Geschichte vorlesen und die Zeit genießen?
Das ist nicht immer einfach. Ich versuche immer die extra Meile zu gehen, Vorbild zu sein. Ich versuche anzutreiben, das brauchen wir auch beim FCK. Dieser Spagat zwischen Berufsleben und Familie ist nicht immer so einfach. Meine Frau kennt das jetzt seit sechs Jahren bei mir. Wir haben die dritte Station zusammen, nach Vitesse Arnheim und Genua. Mein Sohn wird jetzt im Juni zwei Jahre und entwickelt sich natürlich. Er hat immer mehr Interesse und ist jetzt auch öfter mal mit im Stadion. Da merke ich schon, dass mir etwas fehlt. Aber das bringt der Job so mit sich. Ich komme auch manchmal erst nach 19 Uhr nach Hause, da schläft er schon. Ich versuche aber natürlich mir freie Tage oder freie Stunden zu schaffen, um mit ihm und mit meiner Frau etwas zu unternehmen.
Welche Eigenschaft haben Sie lernen müssen hier?
Eine gewisse Sachlichkeit und auch ab und an Neutralität. Wirklich gelernt habe ich auch, die Emotionen komplett rauszunehmen. Vor allem in meiner Position muss ich das klar als Job sehen. Ich möchte den Klub weiterentwickeln.
Was war der emotionalste Moment in diesem einen Jahr für Sie?
Das Darmstadt-Spiel, das wir 3:1 gewinnen. Ich habe eine Gelbe Karte bekommen. Das war für mich von der Stimmung her hinten raus hochemotional.
Gegenfrage: Was war der schwierigste Moment?
Da gab es ein, zwei Situationen. Es war ein schwieriger Moment, nach sechs Wochen im Amt den Trainer zu wechseln. Das war für mich nicht einfach. Ich musste in kurzer Zeit die Situation analysieren, mir einen Überblick verschaffen und dann direkt so eine harte Entscheidung treffen. In der aktuellen Saison war es die 1:6-Niederlage im Pokal in Berlin.
