1. FC Kaiserslautern
Herr Klos, bei welchem Angebot für Naatan Skyttä werden Sie schwach?
Herr Klos, ein Jahr 1. FC Kaiserslautern. Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie anstrengend war die Zeit?
Immer mal wieder eine Zwölf. Aber das bringt jeder neue Job mit sich, es ist immer intensiv, man absolviert vor allem zu Beginn viele Arbeitsstunden. Man muss sich reinfinden, analysieren, sich im neuen Umfeld orientieren und die Synergien verstehen.
Was haben Sie über den FCK gelernt, was Sie vorher nicht so erwartet hätten?
Der FCK ist ein Verein mit einer extremen Wucht. Dass es am Ende aber so eine Wucht ist und das Umfeld und die Fans mit solch enormen Emotionen dabei sind, darüber war ich schon positiv überrascht und das hätte ich nicht in diesem Ausmaß erwartet.
Wie beeinflusst dieses Umfeld das tägliche Arbeiten?
Erstmal ist es wichtig in meiner Position, immer sachlich zu bleiben. Ich sehe mich oft als Puffer zwischen Geschäftsführer, Cheftrainer und den einzelnen Abteilungen. Deswegen ist es immer wichtig, dass ich immer für die Sache arbeite und die beste Entscheidung für den sportlichen Erfolg des Vereins treffe. Aber natürlich ist im Vergleich zu einem Verein, der weniger Tradition mitbringt oder kleiner ist, ein anderes Arbeiten.
Woran machen Sie das fest?
Nach dem Fürth-Spiel war ich noch kurz in der Stadt, das mache ich eher selten. Mich haben viele Fans angesprochen, wollten mir direkt einen Wein oder ein Essen ausgegeben und haben viele Fragen gestellt. Ich glaube, das ist an anderen Standorten nicht so. Es ist das Umfeld und der Mythos FCK, die die Strahlkraft, auch bei den Neuzugängen, ausmachen.
Sie werben also mit diesen weichen Faktoren bei potenziellen Neuzugängen?
Wenn wir in Gespräche mit potenziellen Spielern gehen, dann machen wir das natürlich auch zum Thema. Es herrscht hier eine andere Drucksituation als vielleicht bei anderen Vereinen. Damit konfrontiere ich die Spieler, weil wir eine klare Linie bei den Neuverpflichtungen haben. Ich erwarte rein sportlich natürlich dann auch Qualität von den Spielern. Wir müssen sie vorbereiten, was Fußball in Kaiserslautern bedeutet.
Wie machen Sie das?
Man lernt die Leute erst richtig kennen, wenn man mit ihnen zusammenarbeitet. Aber in den Gesprächen, die wir vorab führen, kriegen wir natürlich ein Gefühl für den Spieler. Man stellt ein paar gezielte Fragen. Wie sieht es zu Hause aus? Kommst Du alleine oder mit der Familie? Wie möchtest Du wohnen? Ist Dir bewusst, dass Kaiserslautern eine kleinere Stadt ist? Die Frage nach der Spielzeit ist natürlich immer, vor allem bei jungen Spielern, eine der ersten Fragen, die die Spieler an uns richten. Es gibt da aber keine Garantie. Wir haben einen starken Kader und viele haben Respekt davor.
Der Profifußball ist ja fast gläsern geworden. Worauf achten Sie, dass Sie am Ende sagen, den wollen wir haben?
Wir wollen eine klare Handschrift haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir für uns auch klare Positionsprofile definiert haben, die mit quantifizierbaren Kennzahlen besetzt sind. Dabei geht es darum, wie die Spieler auf den jeweiligen Positionen in unserem Spielsystem agieren sollen. Wir haben immer betont, dass wir „Betze-Spieler“ haben wollen. Auch das haben wir für uns klar definiert. Wir wollen eine gute Mentalität, eine Aggressivität und Schnelligkeit haben.
Was heißt gute Mentalität konkret?
Einfach klar zu sein, auch mal dem Druck standzuhalten, immer gewinnen zu wollen.
Haben das die Spieler im aktuellen Kader?
Ich möchte für meinen Cheftrainer immer einen Kader zusammenstellen, der auf allen Positionen so gut besetzt ist, um alle Systeme spielen zu können und alle Qualitäten zur Verfügung hat, um die bestmögliche Mannschaft zu stellen. Daran arbeiten wir gemeinsam.
Wie viel Marcel Klos steckt denn nach zwei Transferphasen schon im Kader des FCK?
Erst einmal ist es immer ein „Wir“. Sämtliche Transfers sind eng mit Thomas Hengen, dem Cheftrainer und auch mit unserer Scouting-Abteilung abgesprochen. Da hat jeder seine Aufgabe und bringt seine Erkenntnisse mit ein, die wir in eine Entscheidungsfindung mit einfließen lassen. Das ist ganz wichtig. Das schätze ich sehr, weil wir sehr meinungsstarke Persönlichkeiten haben. Dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass wir am Ende meistens gute Entscheidungen treffen.
Wäre der FCK denn in der Position, Nein zu sagen, wenn ein Klub aus der Premier League zehn Millionen Euro Ablöse für Naatan Skyttä bietet?
Das sind Gespräche, die wir natürlich immer führen. Wir müssen für uns klar sein, was passieren könnte und einen Plan für uns erstellen. Diese Vorbereitung ist Teil einer professionellen Arbeit. Ich glaube, es kann immer ein Angebot für einen Spieler geben, das zu diskutieren ist und bei dem man es als Verein schwer hat, abzulehnen. Gerade wenn eine Summe im Raum steht, für die wir vielleicht nicht nur einen, sondern mehrere neue Spieler verpflichten könnten. Es muss aber auch Sinn ergeben, also dass wir eben wie gesagt für den Spieler einen adäquaten Ersatz bekommen und das Geld vielleicht zusätzlich auch sinnvoll in den Verein investieren können.
Jetzt kommt das Aber.
Ich glaube, wir haben als FCK schon eine alte Stärke wiedergewonnen, indem wir aus unserem eigenen Nachwuchs Spieler entwickeln und diese mit langfristigen Verträgen ausstatten. Dass macht es auch schwieriger für andere Vereine, einen dieser Spieler zu verpflichten.
Das ist jetzt Ihr zweites Transferfenster in verantwortlicher Funktion beim FCK gewesen. Müssen Sie so ein bisschen Aufräumarbeiten leisten? Fast alle Spieler, die ihr Vorgänger geholt hat, sind weg.
Wir sind jetzt im vierten Jahr in der Zweiten Liga. Dass nach einem Aufstieg von Liga 3 in Liga 2 natürlich zunächst der Fokus darauf liegt, den Klassenerhalt zu sichern, ist klar. Aber wir befinden uns aktuell in einem Prozess. Teil dieses Prozesses ist es auch, dass ich als Sportdirektor hinzugekommen bin, um den FCK so zu entwickeln, dass wir wirklich stabil im oberen Tabellendrittel stehen und vielleicht auch irgendwann aufsteigen können. Da muss man auch Spieler verpflichten, die in dieses Konstrukt passen und den Weg mitgehen können. Diese Entwicklung findet aber aktuell auch im gesamten Verein statt.
Wie viel Marcel Klos ist in den Entscheidungen drin?
Ich habe meine eigenen Schwerpunkte und ich glaube, man erkennt schon, dass wir unter anderem den Kader extrem verjüngt haben. Wir haben viele Spiele dazu geholt, die vor Peak-Age sind, bei denen also in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Leitungssprung zu erwarten ist. Das im Zusammenspiel mit den „Anker-Spielern“, wie ich sie gerne nenne, also den erfahreneren Spielern. Mit Spielern wie Norman Bassette, Jisoo Kim, Paul Joly, Atanas Chernev oder Naatan Skyttä zeigen wir, dass wir im internationalen Markt beziehungsweise Wettbewerb sehr gut aufgestellt sind und die Spieler entwickeln und ihnen eine Plattform geben wollen. Wir wollen Qualität in die Mannschaft bringen und Resultate erzielen. Hinzu kommt die Verzahnung mit der Jugend. Das ist die zweite Säule, die wir dieses Jahr versucht haben, einzuführen, was uns bisher auch gut gelungen ist.
Sie waren zu Ihren Zeiten in Genua bei 7 7 7 Partners Technischer Direktor. Ein Unternehmen, das gleichzeitig an mehreren Klubs weltweit Anteile besaß. Können Sie die Kritik von Fanseite an diesen Investmentfirmen, die in den Fußball gehen, verstehen?
Ja, schon. Wir reden von Fußball. Das ist natürlich erstmal ein sehr traditionelles Geschäft und da geht es ja auch um Vereine, die bereits seit 125, 130 oder 140 Jahren existieren. Wenn dann plötzlich Investoren kommen, die die Vereine einfach kaufen und plötzlich entscheiden wollen, wie ein Verein zu führen und zu leiten ist, kann ich natürlich auch den Unmut der Fans verstehen. Grundsätzlich ändert sich der Fußball sehr schnell. Beispiele wie in der MLS, Europa, Südamerika oder auch Asien zeigen, dass große Investorengruppen in den Fußball einsteigen und teilweise auch eigene Vereine gründen. Da gibt es viele Beispiele, in denen diese Gruppen Anteile an mehreren Vereinen haben. Wenn man ein Teil dieser Gruppe ist, werden viele Transfers intern getätigt, was für die Vereine innerhalb dieser Gruppe natürlich von Vorteil ist.
Ist das, was der FCK hat, mit Investoren aus der Region, ein gesunder Mittelweg?
Meine ersten Gespräche waren natürlich auch mit den Investoren, damit wir uns kennenlernen konnten. Ich war positiv überrascht, weil das erstmal ein riesengroßer Vorteil ist, dass Investoren hier aus der Region kommen. In Italien war es jemand aus New York, also jemand, der überhaupt nicht aus dem Umfeld des Vereins kommt. Deswegen finde ich das erstmal sehr smart.
Spüren Sie Druck von der Investorenseite beim FCK?
Am Ende möchte jeder den maximalen Erfolg für den Verein. Da gehört auch Druck dazu und das ist auch gut so. Vor dem Spiel und nach dem Spiel sehe ich die Investoren häufig im Stadion, auch bei Auswärtsspielen. Den Austausch haben wir aber überwiegend in unseren Sitzungen, und das auf einem sehr professionellen und sachlichen Niveau. Am Ende habe ich auch noch einen Geschäftsführer, der natürlich dann noch mal mehr im Austausch mit den Investoren ist und die strategische Arbeit verantwortet, weil ich natürlich mehr im operativen Geschäft tätig bin.
Wenn man mal auf Ihre Karriere blickt, waren Sie als Fußballer in der Oberliga. Wie ist Ihre Erfahrung, wenn man keine so große Spielerkarriere hatte? Ist es da schwieriger, im Profifußball Fuß zu fassen?
Es ist schwieriger. Man muss immer die Extra-Meile gehen, muss mehr investieren. Ich komme über den akademischen Weg. Ich war an der Sporthochschule in Köln, habe nebenbei meinen Trainerschein gemacht. Ich habe mir von Grund auf mein eigenes Netzwerk aufgebaut. Wenn man dann einmal Fuß gefasst hat, sein Netzwerk pflegt und am Ende auch gute Arbeit geleistet hat, dann sehen die Leute dies und es erhöht die Chance, gesehen zu werden.
Diese Chance spüren Sie beim FCK?
Definitiv. Ich bin noch ein recht junger Sportdirektor. Ich war drei Jahre in Leipzig, war zwei Jahre in Hamburg und fünf Jahre im Ausland. Diese Zeit hat mir sehr gutgetan, einfach mal „out of the box“ zu denken und kennenzulernen, wie in anderen europäischen Ligen gearbeitet wird. Durch die Auslandserfahrung lernt man die Sprache kennen, andere Kulturen, aber auch eine ganz andere Sichtweise, wenn es um Vielfalt im Büro, um Arbeitszeiten, um Abläufe, um Professionalität geht. Ich finde vor allem die Zeit bei Vitesse Arnheim und in Genua war sehr lehrreich. Es gab zeitgleich zum FCK auch Angebote anderer europäischer Vereine, um mich als Sportdirektor zu verpflichten. Ich hatte aber sehr gute Gespräche mit Geschäftsführer Thomas Hengen, die mich überzeugt haben.
Viele sprechen über die immer weiter steigenden Gehälter, über Beraterprovisionen, die immer weiter in die Höhe schießen. Auch in der Zweiten Liga hat sich das Gehaltsgefüge in letzter Zeit ordentlich angehoben. Ist die Gefahr groß, dass man dann irgendwann vielleicht dazu neigt, doch ein bisschen über die eigenen Verhältnisse zu leben?
Natürlich wollen wir seriös arbeiten, das hat für uns Priorität. Man muss aber auch sagen, dass man als Verein diese Entwicklungen durchaus auch positiv für sich nutzen kann. Wenn man einen Spieler verkauft, kann man sich an diesem Markt orientieren und selbst die Preise auch etwas höher ansetzen. Aber natürlich ist das irgendwo eine eigene Blase, in der viel Geld vorhanden ist. So ehrlich muss man sein.
Marcel Klos privat
Im zweiten Teil unseres Interviews lesen Sie ab Samstag, welche Lieblingsorte Marcel Klos in der Pfalz gefunden hat, wie es um seine Work-Life-Balance bestellt ist und mit welchen Ritualen er sich vom stressigen Manager-Job erholt.
