1. FC Kaiserslautern
FCK fliegt in Stuttgart aus dem Pokal: Wunder gibt es immer wieder, aber nicht ständig
Wunder sind Wunder, weil sie so selten sind. Am Dienstagabend entschied sich in der schicken Fußballarena in Stuttgart, dass es keine Normalität sein kann, dass der Zweitligist 1. FC Kaiserslautern bis ins Finale des DFB-Pokals stürmt. Fast exakt fünf Monate nach dem beflügelnden Wochenende in Berlin, als der FCK mit der Unterstützung von rund 30.000 Fans im Olympiastadion auf der großen Bühne auftauchte – und 0:1 gegen Leverkusen verlor –, schieden die Lauterer in der zweiten Runde des laufenden Wettbewerbs aus. Beim VfB Stuttgart überzeugten die Pfälzer, hinterließen einen guten Eindruck, verloren gegen den Favoriten aber 1:2 (1:1). „Jetzt müssen wir uns auf die Liga fokussieren“, sagte Markus Anfang.
Enttäuschung und Stolz
Der Trainer des FCK war wie seine Spieler durchströmt von zwei Emotionen. Neben einem Gefühl der Enttäuschung, ein Spiel verloren zu haben aus dem Wettbewerb geflogen zu sein, mischte sich Stolz darüber, dem Vizemeister der Vorsaison in dessen Stadion alles abverlangt zu haben. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wir haben ein ordentliches Spiel gemacht gegen eine Topmannschaft“, sagte Anfang. Während zwei andere Zweitligisten, der FC Schalke 04 (in Augsburg) und die SV Elversberg (in Leverkusen), auswärts bei Bundesligisten 0:3 verloren und ohne Siegchance waren, schnupperten die Lauterer am Weiterkommen.
Das lag daran, dass sie sich nicht aus dem Konzept bringen ließen, als die Stuttgarter in der Startphase druckvoll agierten und in der 14. Minute in Führung gingen. FCK-Keeper Julian Krahl wehrte einen Schuss von Ermedin Demirovic stark ab, doch den Abpraller verwertete Nick Woltemade aus kurzer Distanz zum 1:0. Die Lauterer blieben mutig, bewahrten den Glauben an sich selbst und befreiten sich deshalb mehr und mehr aus der Umklammerung der Schwaben.
Spielglück beim Ausgleich
Die Lauterer hatten in der stimmungsvollen und mit 60.000 Zuschauern ausverkauften Arena in Stuttgart am Ende der ersten Halbzeit das nötige Spielglück, was ursächlich für den zwischenzeitlichen Ausgleich war. Zunächst wegen einer Fehlentscheidung des insgesamt stark pfeifenden Daniel Schlager, der bei einem Foul von Fabian Rieder an Marlon Ritter auf Elfmeter entschied, obwohl das Vergehen deutlich außerhalb des Strafraums stattgefunden hatte. Hinzu kam, dass der VAR im DFB-Pokal erst ab dem Viertelfinale zum Einsatz kommt, so dass die offensichtliche Fehlentscheidung nicht durch eine Intervention korrigiert werden konnte. Boris Tomiak verwandelte aus elf Metern souverän zum 1:1 (43.), so dass der FCK plötzlich berechtigten Grund hatte, von einer dicken Pokal-Überraschung zu träumen.
Das lag daran, dass die Teufel zwar Fortune benötigten, um ein Tor zu schießen, sich aber darüber hinaus das zwischenzeitliche Remis verdienten. „Ich glaube, wir haben ganz gut dagegen gehalten“, sagte Marlon Ritter. Der FCK-Kapitän war seine Kollegen sehr konzentriert ins Spiel gegangen, die Roten Teufel verteidigten aufmerksam und zeigten darüber hinaus viel Mut, wenn sie im Ballbesitz waren.
Ragnar Ache hat zwei dicke Chancen
Mehr noch, zu Beginn der zweiten Halbzeit schnupperten die Lauterer gar an der Führung, denn in der ersten Viertelstunde nach der Pause besaß Ragnar Ache zwei dicke Chancen. Zunächst zischte sein Schuss nach einem perfekt vorgetragenen Angriff knapp über die Torlatte (55.), kurz danach schoss der Torjäger nach einem Pass von Daisuke Yokota knapp am Pfosten vorbei (59.). „Das war für uns die kritische Phase in diesem Spiel“, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.
Die Stuttgarter hatten viel Mühe, um die guten Pfälzer aus dem Wettbewerb zu kegeln. „Wenn du dann in Führung gehst, glaube ich, dass du das hier sogar ziehen kannst“, sagte FCK-Abwehrspieler Jan Elvedi. Es gelang den Roten Teufeln nicht, weil der VfB Spieler einwechseln konnte, die in den meisten Partien Stammkräfte sind. Deniz Undav, Angelo Stiller, Jamie Leweling, Enzo Millot und Joshua Vagnoman kamen in die Lauterer Drangphase hinein auf dem Platz und veränderten das Spiel. Die VfB-Topstars sorgten dafür, dass die Dominanz der Schwaben größer und größer wurde. Der FCK konnte sich nicht mehr kontrolliert befreien, so dass der zweite Treffer für den VfB nur eine Frage der Zeit war. Chris Führich schoss den Ball in der 76. Minute platziert ins Eck und entschied damit ein packendes Pokalspiel, in dem der Außenseiter mehr als nur ein Sparringspartner für den Champions-League-Teilnehmer war. Genau das hatten sich Anfang und seine Profis vorgenommen.
Eine ähnlich historische Pokalreise wie in der vergangenen Saison gibt es nicht, aber das lag vornehmlich an der Klasse des Gegners – und nicht an einer Schwäche der Roten Teufel. Auf einen neuerlichen wundersamen Finaleinzug der Lauterer müssen die Fans wohl noch eine Weile warten.
