FCK-Kolumne
Böhms Betze: Die neuen Töne des FCK-Cheftrainers
Habe ich die ganze Zeit nicht richtig zugehört? Was verpasst? Ich hielt inne, als Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem 2:2 beim FC Schalke ebenso beiläufig wie selbstverständlich sagte, dass man mit seinen Aufstiegsambitionen ja sehr offen, ja forsch umgehe und diesen auf dem Platz durch ein entsprechendes Auftreten auch nachkomme. Wann hat bis dahin jemand offen ausgesprochen, dass der FCK aufsteigen will? Ich kann mich nur an den allgemeinen Sprachgebrauch erinnern, dass man besser abschneiden wolle als im Vorjahr. Dass man „offen damit umgeht“ – für mich völlig neu. Erbarmen, zu spät – die Pälzer kumme! Ich höre die Trompete. Sie wissen schon: Attacke!
Richtig ist es allemal, mit seiner Absicht nicht hinterm Betzenberg zu halten. Wusste eh jeder, ließ sich aus den Aktivitäten auf dem Transfermarkt ableiten. Verbal herumzueiern wirkte bestenfalls bemüht. Intern dürfte das Ziel von Anfang an offen kommuniziert worden sein. Die Spieler wissen lange Bescheid. Insofern wird der offensive Umgang mit einem Saisonziel mental nicht viel mit ihnen anrichten. Ob sie resilient genug gegen den Druck sind, auf dem Platz auf ihnen lastet, wird sich zeigen. Ob sie Nackenhiebe wegstecken.
Die Gabe des Vergessens
Das 2:2 auf Schalke war an sich ein sehr gutes Ergebnis, doch der Spielverlauf ließ einen auch hadern, schließlich hatte man 2:0 geführt. Der FCK könnte schon jetzt richtig dran sein an den Aufstiegsplätzen. Solchen Ereignissen als Sportler nicht nachzutrauern, ist eine Gabe, eine Kunst, die für langfristigen Erfolg nötig ist. Schon gegen Elversberg muss die Mannschaft am Samstagabend den Beweis antreten, dass Schalke Vergangenheit ist.
Die kommenden dreieinhalb Monate werden sehr fordernd, vor allem für den Kopf. Mehr als je zuvor in dieser Runde gilt es auch für die Fans, eine verschworene Einheit zu bilden. Kein Blatt darf zwischen sie und die Mannschaft passen. Nicht im Stadion und nicht in den Foren. Bis zum Ende der Runde zählt nur positives Bestärken. Und wenn’s während des Spiels mal nicht so läuft: Pushen statt pfeifen, Gesang statt Gegrummel. Denn es geht nun auch darum, ein „Trauma“ zu überwinden: Hatte der FCK die Chance, richtig oben anzudocken, scheiterte er. Er darf keine Möglichkeiten mehr verstreichen lassen.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat einst als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
