1. FC Kaiserslautern
Ein FCK-Training in Abstiegsnot: Nur die Kinder sind ohne Sorgen
Die Kinder, die mit großen Augen auf den Stufen am Trainingsplatz standen oder saßen, ließen sich ihre gute Laune nicht vermiesen. Warum auch, schließlich war es allemal besser, den Profis des 1. FC Kaiserslautern beim Kicken zuzusehen, anstatt im Klassenzimmer zu lernen. Außerdem war der Himmel blau, die Sonne sendete warme Strahlen. Die Schüler, die am Dienstag den Betzenberg emporgestiegen waren und der öffentlichen Übungseinheit der Roten Teufel zusahen, wirkten befreit von allen Ängsten. Das ging den übrigen Anwesenden nicht so.
Nicht nur die Profis des Fußball-Zweitligisten, nicht nur die Mitglieder des Trainerteams oder die Vereinsverantwortlichen sind derzeit von großen Sorgen geplagt, sondern auch die Anhänger der Lauterer. Neben der Schulklasse waren rund 50 Fans gekommen, um sich ein Bild vom Zustand ihrer Mannschaft zu machen. Nach dem 1:1 am vergangenen Wochenende gegen den SV Wehen Wiesbaden ist die Lage im Abstiegskampf noch dramatischer geworden, weil der FCK als Vorletzter eine Chance vertan hat, mit einem Sieg nicht nur zwei Punkte mehr auf die Habenseite zu schaffen, sondern auch die Nervosität im Umfeld abzumildern.
Konsequenzen sollen sich auf dem Platz zeigen
Friedhelm Funkel hatte unmittelbar nach der Enttäuschung gegen die Hessen Konsequenzen angekündigt – für die anstehende Trainingswoche und die nächste Partie bei Tabellenführer Holstein Kiel. Genauer wollte er sich dazu am Dienstag nicht äußern. „Das würde ich nie öffentlich machen“, sagte der Fußballlehrer: „Das werden wir ab morgen in die Trainingseinheiten einfließen lassen, und es wird sich am Samstag in Kiel hoffentlich auch auf dem Platz zeigen.“
Funkel sah von der Seite aus zu, wie die Spieler nach dem Aufwärmprogramm in vier Teams auf Kleinfeldern gegeneinander antraten. Fünf gegen Fünf, zwei Torhüter, wenig Platz – und viele direkte Duelle. Perfekte Voraussetzungen für jeden Einzelnen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Profis waren engagiert bei der Sache, und doch fehlte in den Zweikämpfen die letzte Konsequenz. Es wirkte nicht so, als würden neun Feldspieler – Stammkraft Tymoteusz Puchacz fehlte wie Afeez Aremu angeschlagen – bereit sein, ihren Startelfplatz mit aller Macht verteidigen zu wollen, und die anderen alles versuchen, sich für einen Platz in der Anfangsformation zu empfehlen. Wer gedacht hatte, dass auf dem Trainingsplatz 4 im Schatten des Fritz-Walter-Stadions sprichwörtlich die Fetzen fliegen würden, wurde enttäuscht.
Wenige Emotionen auf dem Platz
Ba-Muaka Simakala schoss ein Tor nach einem Ballgewinn, Kevin Kraus eroberte gekonnt das Spielgerät, Filip Stojilkovic traf nach einem technisch anspruchsvollen Lupfer, Philipp Klement spielte Jean Zimmer mit einem klugen Pass frei. Es gab Momente, die Emotionen hätten auslösen können – aber die erste richtige Übungseinheit nach dem Rückschlag gegen Wehen Wiesbaden blieb merkwürdig emotionsarm. Die Spieler in den Trainingsleibchen mit dem FCK-Emblem darauf transportierten keine Gier nach außen, sich für die schwere Mission in Schwung zu bringen, die sie am Samstag und den Wochen danach erwartet. Funkel bewertete das jedoch anders. „Der Eindruck im heutigen Training war sehr gut. Wir haben eine sehr intensive Einheit absolviert und die Mannschaft ist sehr engagiert aufgetreten.“
Die Schulkinder waren bei der zweiten Einheit am Nachmittag nicht mehr mit dabei, der Ausflug war da schon beendet. Zuschauen hätten sie ohnehin nicht mehr dürfen, denn alle Übungseinheiten bis zur Partie in Kiel sind für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Den nächsten Eindruck vom Zustand des FCK-Ensembles im Abstiegskampf der Zweiten Liga gibt es deshalb erst im Holstein-Stadion – bei der anspruchsvollsten aller möglichen Aufgaben.
