Fußball
Aufstiegsporträt: Der lange Weg des SV Pfingstweide in die A-Klasse
Der SV Pfingstweide hat nach mehreren vergeblichen Anläufen den Sprung in die Fußball-A-Klasse Rhein-Pfalz geschafft. Dabei haben die Rot-Schwarzen 70 von 72 möglichen Zählern eingefahren.
„Über zwei, drei Jahre haben wir uns den Titel und den damit verbundenen Aufstieg hart erarbeitet. Die Mannschaft ist sukzessive gewachsen, auch weil wir sie Schritt für Schritt verstärkt haben“, freut sich Vorsitzender Yasin Altunöz. Erster und wichtigster Schritt: 2022 holte er Trainer Mehmet Ali Topal, mit dem er gemeinsam bei Turanspor Mannheim und Hochstätt Türkspor gespielt hatte. Topal war einst beim damaligen türkischen Zweitligisten Gaziantep Kapitän. Altunöz habe von Anfang an in dieser Runde ein gutes Gefühl gehabt, das ihn an den Aufstieg glauben ließ. Ein Pluspunkt sei der familiäre Charakter des Teams, das sich durch großen Zusammenhalt auszeichne.
Nur ein Remis
Die Pfingstweider gewannen 23 ihrer 24 Begegnungen, gaben nur mit dem 2:2 beim SV Schauernheim Punkte ab. Eine Partie ging dennoch verloren, und zwar mit 2:5 bei Vizemeister MSV Ludwigshafen. „Da der Schiedsrichter einen Regelverstoß begangen hatte, wurde das Spiel wiederholt“, erklärt der Vereinschef. Im zweiten Anlauf gab es dann einen 1:0-Erfolg des SVP. Am Ende trennten die beiden Teams 14 Punkte. Obwohl der MSV am letzten Spieltag beim Titelträger nicht antrat, hatte die Pfingstweide einen gelungenen Nachmittag. „An diesem Sonntag ist auch unsere Reserve Meister geworden. Sie steigt in die B-Klasse auf. Wir haben gemeinsam zwei Meisterschaften gefeiert. Das war sehr schön“, bekräftigt Altunöz.
Dass die Rot-Schwarzen künftig wieder in der A-Klasse auflaufen, ist eine absolute Rarität. „Ich kann mich noch daran erinnern, als dies das letzte Mal der Fall war. Das dürfte jetzt schon über 20 Jahre her sein“, überlegt der heute 39 Jahre alte Vorsitzende. Tatsächlich stieg der SVP zuletzt 2004 auf und blieb bis 2007 in der A-Klasse. Den ersten Aufstieg in diese Liga gab es 1989. Auch damals blieb der Klub drei Jahre in der A-Klasse. Recht hat Altunöz mit seiner Aussage, nun sei der SV Pfingstweide erstmals als Meister aufgestiegen. Bei den ersten Malen erreichte er jeweils als Vizemeister das angestrebte Ziel, in dem er sich in den Aufstiegsspielen durchsetzte.
Bester Sturm, beste Abwehr
Drei Jahre sollen es auch dieses Mal werden – mindestens. In dieser Serie führten einige Gründe zum Erfolg. „Da ist einmal die Position des Torwarts, die wir mit Routinier Patrick Schneider und dem jungen Hamza Bahar prima besetzt haben, nachdem es im Kasten zuvor nicht immer optimal lief“, spielt Altunöz – einst selbst Keeper – auf viele, oft späte Gegentore an. Weil der Keeper in der „Ersten“ meist nicht viel zu tun bekommt, wurde Bahar mehrheitlich in der Reserve eingesetzt, wo er häufiger geprüft wurde, was seiner Entwicklung gutgetan hat. Mit 17 Gegentoren hat die Pfingstweide mit Abstand die beste Abwehr und mit 119 Treffern auch die eindeutig meisten Tore erzielt. Eckpunkte einer außergewöhnlichen Saison.
Außerdem greife der Mix zwischen Kombinationsfußball und Umschaltspiel glänzend. Die Offensivstärke sei mit hohem Pressing gut unterstützt worden. Zudem sei der SVP variabel und könne während einer Partie taktisch problemlos umstellen. Mit Canel Yilmaz, der 35 Treffer erzielte, stellt die Pfingstweide auch den Torschützenkönig. Sturmkollege Yusuf Cekemci traf 20 Mal und wurde Dritter. Kleiner Wermutstropfen: Die beiden Torjäger werden künftig wohl nicht mehr zum Kader zählen. Yilmaz wechselt laut Vorstand schweren Herzens zu Vatanspor Frankenthal, wo sein Vater im Vorstand ist. Cekemci arbeite in Wiesbaden und wohne in Pfungstadt, was auf Dauer zu aufwendig sei.
Neuer Stürmer kommt
Zu den Leistungsträgern zählen noch Kapitän Hakan Cakmak, der in der Defensive quasi überall einsetzbar ist und auch mal als Achter aufläuft, Innenverteidiger Ferhat Derin, der bei Phönix Schifferstadt in der Landesliga spielte, Mittelfeldspieler Maurice Mündörfer oder der ehemaligen Fußgönheimer Stürmer Mittat Özcan, den aber Verletzungen zurückwarfen. „Wenn wir Schwächen haben, dann vielleicht im Aufbau aus der Abwehr. Der könnte noch etwas besser sein“, konstatiert Altunöz. Deshalb hat man sich umgeschaut und für den Defensivbereich mit dem ehemaligen SVP-Jugendspieler Yekta Feauz, Enes Sen und Sunguralp Mayuk mutmaßliche Verstärkungen an Land gezogen.
Für den Angriff hat die Pfingstweide den begehrten Ukrainer Dmytro Miroshnyk geholt, der in der A-Klasse 14 Treffer für den VfR Friesenheim erzielt hat. „Wir haben eine Multi-Kulti-Truppe“, sagt der Vorsitzende, der sich auch über den Aufstieg der „Alten Herren“ freut. Türken seien zwar vorherrschend, die meisten sprechen aber gut bis perfekt Deutsch. Und wenn Trainer Topal Anweisungen auf Türkisch gibt, die nicht jeder versteht, dann gebe es zwei Dolmetscher, die übersetzen. Auch dies hat in der abgelaufenen Runde prächtig geklappt.