1. FC Kaiserslautern
Der Appell des FCK-Trainers an seine Mannschaft
Die Niederlage beim SV Darmstadt 98 ging nicht spurlos an Trainer und Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern vorbei. Das 1:5 beim Bundesliga-Absteiger brachte das Trainerteam ins Grübeln. Warum versagte die Mannschaft im Kollektiv? Warum hat von dem, was Markus Anfang, Florian Junge und Nick Martin dem Team seit Monaten versuchen einzutrichtern, an diesem Tag nichts funktioniert? „Das Spiel in Darmstadt war das schlechteste, seit ich hier beim FCK bin“, sagt Trainer Markus Anfang: „Wir haben eine Seite von uns gezeigt, die wir nicht sehen wollen.“
Am Dienstag im öffentlichen Training wurde es unruhig. Es kam zum Disput auf dem Platz, der später im WhatsApp-Chat der Mannschaft kurz fortgesetzt wurde. „Ich glaube, es ist gut, dass diese Unruhe da ist“, sagt Anfang zu dieser Zeitung: „Ich lasse nichts über die Jungs kommen, die schütze ich. Die dürfen auch mal einen schlechten Tag haben. Es ist vollkommen normal, dass dir so ein Ergebnis in den Kleidern hängt, dass du sowas mit ins Training nimmst. Es ist gut, dass im Training auch mal die Fetzen fliegen. Es muss immer fair bleiben, das ist klar. So eine Reaktion ist in Ordnung, weil sie zeigt, dass die Jungs nicht zufrieden sind. Ich wäre überrascht gewesen, wenn alle lachend auf den Platz gekommen wären, weil ihnen alles egal ist. Aber es ist den Jungs nicht egal.“
Anfang und die Westkurve
Das Lachen kann sich die Mannschaft am Sonntag wieder zurückholen. Im letzten Heimspiel der Hinrunde sowie des Kalenderjahres kommt innerhalb einer Woche im 1. FC Köln der zweite Bundesliga-Absteiger (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Das Fritz-Walter-Stadion ist mit 49.327 Zuschauern, darunter fast 4800 Kölner Fans, ausverkauft – zum zweiten Mal in dieser Saison. Anfang sagt: „Ich würde unheimlich gerne im letzten Heimspiel des Jahres vor der Westkurve stehen und mit den Fans den Sieg feiern.“
Dieser Wunsch hat einen besonderen Hintergrund. Anfang ist ein „kölsche Jung“. Er ist in der Stadt geboren, dort aufgewachsen. Sein Vater spricht ausschließlich Kölscher Dialekt. Anfang spielte nie für den FC, war aber von August 2018 bis April 2019 Cheftrainer der Kölner. Für den nun 50 Jahre alten Fußball-Lehrer war es die emotionalste Trainerstation. Kurz vor Saisonende wurde er entlassen, obwohl die Mannschaft klar die Tabelle anführte und schließlich in die Bundesliga aufstieg. Für Anfang ist es das erste Mal, dass er nun als Trainer eines gegnerischen Teams auf den 1. FC Köln trifft.
Anfangs Appell an die Mannschaft
Der Ehrgeiz des ohnehin schon überaus ehrgeizigen Anfang, dieses Duell gegen den „Eff-Zeh“ zu gewinnen, ist da noch ausgeprägter. Am Freitag jedenfalls formulierte er klar seine Erwartungen an die Spieler. „Wenn du nicht die richtige Einstellung zum Spiel findest, dich nicht ins Spiel reinkämpfst, nicht bereit bist zu leiden, nicht bereit bist, in die Zweikämpfe zu gehen, nicht die Leidenschaft an den Tag legst, um das Spiel zu gewinnen, dann ist die Systemfrage komplett egal“, sagt Anfang. Es klang wie ein flammender Appell an seine Mannschaft. „Ich kann nicht immer erwarten, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber ich kann erwarten, dass wir von der ersten Sekunde an die richtige Einstellung, den Willen und die Widerstandsfähigkeiten an den Tag legen, um mit hoher Intensität dieses Spiel anzugehen.“
Die Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen, wird am Sonntag mehr denn je gefragt sein. Die Kölner haben aus den letzten sieben Spielen 16 von möglichen 21 Punkten geholt, der FCK holte 14 Zähler. Damit ist Köln das formstärkste Team der letzten sieben Partien, Lautern liegt in diesem Tableau auf Rang vier. „Es war eine Frage der Zeit, bis Köln in der Liga ankommt. Jetzt haben sie es geschafft und gezeigt, dass sie eine absolute Topmannschaft haben. Sie hatten kaum Abgänge und haben eigentlich einen Bundesligakader, mit dem sie einer der Topfavoriten auf den Aufstieg sind“, sagt Anfang. Es ist überdies ein Duell zweier Vereine mit einer großen Geschichte. Der FCK wurde viermal deutscher Meister und zweimal Pokalsieger, Köln dreimal deutscher Meister und viermal Pokalsieger.
Am Sonntag aber geht es für den FCK darum, das Jahr nicht mit zwei Niederlagen in Folge zu beenden. Es würde ein Makel auf einer bislang ordentlichen und vielversprechenden Hinrunde sein.
