Deidesheim
Freunde treffen, chillen, Spaß haben: Jugendtreff erlebt Besucherboom
Nick Kasimir hatte sich einiges vorgenommen, als er vor etwa einem Jahr die Leitung des Jugendtreffs in Deidesheim übernahm. Der „Corona-Knick“ war in der Einrichtung zu diesem Zeitpunkt noch immer deutlich zu spüren. Ein Jahr später kann er, nicht ohne Stolz, sagen: „Es zeichnet sich ab, dass 2026 das besucherstärkste Jahr seit der Gründung der Einrichtung ist.“ Der Jugendtreff wurde 2017 eröffnet und verzeichnete in den ersten Jahren einen stetigen Zuwachs. Doch dann kam die Pandemie, zudem war die Leitungsstelle zeitweise unbesetzt. Heute sei der Zuspruch „stärker denn je“, stellt Michel Jung-Heyn, Mitarbeiter der Einrichtung, fest.
Seit Kasimir die Leitung übernommen hat, habe sich „wahnsinnig viel getan“. Eine der ersten Maßnahmen war, das IPad, über das die Musik gestartet wird, den Jugendlichen in die Hand zu drücken. Zuvor konnten sie zwar Musikwünsche äußern, für das IPad zuständig blieben aber die Betreuer. Eine kleine Änderung, die aber Symbolcharakter hat. Die jungen Besucher sollen sich im Jugendtreff zu Hause fühlen. Dazu gehört auch, dass Kasimir die Tür gelegentlich auch schon vor der Öffnung des Treffs aufschließt. Beispielsweise wenn er Büroarbeiten erledigt, Schüler ihn sehen und anklopfen. „Warum sollten sie nicht hereinkommen, wenn ich da bin“, sagt er.
Verstärkt auf soziale Medien gesetzt
Als Kasimir nach Deidesheim kam, wussten selbst viele Schüler der benachbarten IGS nicht, was der Jugendtreff eigentlich genau ist, und welche Möglichkeiten sie dort haben. Der neue Leiter zog in der Schule von Klasse zu Klasse und stellte sich vor. Außerdem warb er verstärkt in den sozialen Medien. Auch die Fassade des kleinen Baus weist inzwischen mit einem großen Banner und einer Werbetafel auf die Einrichtung hin.
Ein Jugendtreff müsse attraktiv sein, schließlich sei niemand verpflichtet, ihn zu besuchen, hatte Kasimir im vergangenen Jahr im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt. Inzwischen sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Die Anzahl der Besucher habe sich mehr als verdoppelt, sagt Kasimir: von durchschnittlich elf auf etwa 27 Jugendliche pro Tag. Der bisher stärkste Tag sei ein Freitag im Mai gewesen. „Da waren zwischen 60 und 70 Jugendliche hier.“
Eine Herausforderung für das kleine Team. Denn Kasimir hat den Anspruch, Ansprechpartner für die jungen Leute zu sein, vor allem dann, wenn sie Probleme haben. Das funktioniere bisher (noch) gut. Wer Hilfe brauche, wende sich ganz oft von sich aus an ihn, erzählt Kasimir, der eine Ausbildung als Erzieher absolviert und im Anschluss Soziale Arbeit studiert hat. Doch was, wenn die Anzahl der Besucher weiter in die Höhe schnellt und das Personal nicht aufgestockt wird? Darüber sei er im Gespräch mit den Trägern des Jugendtreffs, erklärt der Sozialpädagoge, also mit der Verbandsgemeinde und der Kreisverwaltung. Derzeit sind im Jugendtreff zwei Stellen angesiedelt, die auf drei Köpfe verteilt sind.
Videospiele, Billard, Darts
Beliebt seien bei den Jugendlichen vor allem die zwei Sofa-Ecken, berichtet Kasimir. Beide sind mit Fernsehern ausgestattet, an denen „gezockt“ werden kann, sprich an denen Videospiele genutzt werden können. Kasimir findet das in Ordnung, hat aber auch ein Auge darauf, dass die Zeit, die jeder Einzelne am Bildschirm verbringt, nicht ausufert. Sehr beliebt seien auch der Billard-Tisch sowie Darts und Tischfußball. Kasimir selbst ist ein großer Fan von Brett- und Kartenspielen, hat etliche neue angeschafft und überzeugt die Jugendlichen leicht davon, dass das durchaus eine Alternative zum „Zocken“ sein kann.
Er hat außerdem eine Befragung durchgeführt, um zu erfahren, was die jungen Besucher selbst an Wünschen haben. Herausgekommen seien dabei auch Themen, die in den Räumen des Jugendtreffs nicht oder nur schwer umzusetzen sind, beispielsweise Sportangebote. Dafür hat Kasimir sich Kooperationspartner gesucht. Für sportliche Aktivitäten steht dem Jugendtreff nun an einem Tag in der Woche ein bestimmtes Zeitfenster in der Sporthalle der Schule zur Verfügung. Filme werden einmal im Monat im Jugendzentrum gezeigt, es gab aber auch schon einmal einen Kino-Event zusammen mit der Feuerwehr in deren Halle.
Kasimir hat noch viele andere Ideen. Eine davon ist ihm ein besonderes Anliegen: die Einrichtung eines Tonstudios. Der Sozialpädagoge ist selbst Sänger und spielt Gitarre. Im Jugendtreff Musik oder Videos aufzunehmen und zu bearbeiten, würde ihm gefallen. Einrichten könne man das in einem kleinen Nebenraum, der zurzeit als Abstellkammer benutzt wird, sagt er.
Zusätzliche Angebote sollen aber keineswegs auf Kosten des Offenen Treffs gehen. Das ist für Kasimir der Kern des Jugendtreffs. Schließlich gibt es Jugendliche, die fast täglich kommen, andere zumindest mehrmals die Woche. „Einfach treffen und chillen“: Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt des Jugendtreffs.