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Samstag, 16. März 2019 Drucken

Kirchheimbolanden

Zellertalbahn: Bewegung in der Hängepartie

KIRCHHEIMBOLANDEN: Obwohl der Förderbescheid noch nicht vorliegt, vergibt der Kreis die nächsten Planungsaufträge für die Sanierung

Von Thomas Behnke

Ob man 2020 wieder Züge auf der 2001 reaktivierten Bahnstrecke im Zellertal sehen wird? Hier eine Szene im Bereich des Marnheimer Bahnhofs.

Ob man 2020 wieder Züge auf der 2001 reaktivierten Bahnstrecke im Zellertal sehen wird? Hier eine Szene im Bereich des Marnheimer Bahnhofs. ( Foto: Thomas Stepan)

In die Modernisierung der Zellertalbahn, die seit Jahren in den Startlöchern steckt, kommt etwas Bewegung. Zwar wurden am Donnerstag im Kreisausschuss nur einzelne Planungsaufträge vergeben. Das aber zeigt: Das Vertrauen ist offenbar stark, dass der lange versprochene Förderbescheid des Landes auch kommen wird.

Tatsächlich ist die Vergabe der Planung für die notwendigen Arbeiten an den Gleisanlagen seit 2015 der erste kostenintensive Umsetzungsschritt hin zu dem Ziel, die Bahnstrecke zu modernisieren und fit zu machen für den künftigen Freizeitverkehr. Damals, 2015, war es um die Entwurfsplanung gegangen, die notwendig war, um für das 8,5-Millionen-Euro-Projekt den Förderantrag beim Land stellen zu können. Und seither hängt alles an eben diesem Förderbescheid, von dem es immer wieder heißt, dass er bald vorliegt, der aber nach wie vor noch nicht den Weg von Mainz ins Kreishaus gefunden hat. Im Raum steht eine Förderung in Höhe von 85 Prozent durch das Land.

Der Kreisausschuss hat am Donnerstag einstimmig dafür votiert, die nächsten Planungsschritte in Auftrag zu geben, um keine Zeit zu verlieren. Da der Förderbescheid nach wie vor nicht vorliegt, hat die Kreisverwaltung beim Land dazu den vorzeitigen Maßnahmenbeginn beantragt, also eine Zustimmung dazu, im Vorgriff auf die Förderzusage bereits tätig werden zu können. „Das Land hat das bewilligt und trägt das mit“, sagte Landrat Rainer Guth am Donnerstag dem Ausschuss. Freilich trage ein solcher Bescheid auch den Vermerk, dass das Risiko der Antragsteller trägt, wie Guth einräumte. Das heißt: Käme der Förderbescheid doch nicht, müsste der Kreis die Kosten für diese Planungsschritte in voller Höhe selbst tragen.

Wie groß ist das „Restrisiko“?

Nicht jeder im Kreisausschuss teilte von vornherein solches Vertrauen. „Ich möchte gerne sichergehen, dass wir den Förderbescheid auch bekommen. Welches Restrisiko besteht, dass wir die Planungskosten in den Sand setzen?“, fragte Rudolf Jacob (CDU). Dazu gab sich Guth zuversichtlich, auch mit Blick auf die Zusagen aus Mainz. Kreisbeigeordneter Jamill Sabbagh (Grüne) ergänzte, dass die Mittel für die Zellertalbahn auch im Haushalt des Landes bereits eingestellt seien.

Der Kreis will nun vor allem keine Zeit mehr verlieren, wie Guth hervorhob. Ziel sei es, noch in diesem Jahr mit den Modernisierungsarbeiten am Oberbau der Bahnstrecke – also vor allem an den Gleisanlagen – zu beginnen. Um das zu schaffen, müsse die Planung dafür frühzeitig zur Verfügung stehen.

Auch Lärmschutz Thema

Das Thema hatte auch drei betroffene Anlieger als Zuhörer in die Sitzung gezogen. Das war Anlass, auch deren Bedenken wegen Lärmbelästigung für Häuser, die nah an der Bahnstrecke stehen, anzusprechen. Landrat Guth erinnerte dazu an die Info-Veranstaltung in Niefernheim zum Sachstand bei der Zellertalbahn (wir berichteten). Das Argument, die Anlieger hätten gebaut im Vertrauen darauf, die Strecke sei stillgelegt, treffe nicht zu. Es habe nur eine Betriebsunterbrechung gegeben, die Strecke sei aber nie stillgelegt oder gar entwidmet gewesen. Alle Beschlüsse zur Zellertalbahn seien öffentlich erfolgt, es habe viele Anhörungsmöglichkeiten gegeben. Guth sicherte aber auch zu: „Wir finden einen gemeinsamen Weg.“ Wenn der Lärmpegel tatsächlich unangemessen hoch sei, „stellen wir uns hinter unsere Bürger.“ Dann werde nachzudenken sein über Lärmschutzmaßnahmen.

Ob das „große Ziel“, 2020 mit dem Freizeitverkehr wieder starten zu können, zu schaffen sei, wollte Rita Beck (Grüne) wissen. Dahinter sah Guth noch das eine oder andere Fragezeichen stehen, „das ist schon ein sehr großes Infrastrukturprojekt“. Anfragen wie etwa für Fahrten am Open Friday der Winzer, gebe es indes nicht wenige.

Die Kosten für die jetzt vergebenen Planungsschritte bezifferte Büroleiterin Judith Schappert auf RHEINPFALZ-Nachfrage auf 80- bis 100.000 Euro. Insgesamt ist die Planung für das Sanierungsprojekt mit 676.460 Euro veranschlagt.

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