Gundersweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Nachhaltiges Konzept: Landwirt setzt auf „Cow-Sharing“

Luca Leppla hat in Gundersweiler eine kleine Fleischrindherde mit 30 Limousin-Rindern aufgebaut.
Luca Leppla hat in Gundersweiler eine kleine Fleischrindherde mit 30 Limousin-Rindern aufgebaut.

Altes Prinzip, neue Aufmachung: Beim „Cow-Sharing“ wird erst ein Rind getötet, wenn das Fleisch vorab verkauft ist. Wie ein junger Landwirt dadurch zukunftsfähig werden will.

Der Gundersweilerer Junglandwirt Luca Leppla ist sich sicher: „Irgendwann haben die Verbraucher den Kontakt zu den Erzeugern und damit zur Produktion verloren.“ Die Flut an Tierwohl-Labeln und Gütesiegeln helfe da kaum noch weiter. Was diese bedeuten, könne sich kaum jemand vorstellen. „Ich will kein Label. Ich will zeigen, wie es ist“, sagt der Agrarwirtschaftsstudent mit Blick darauf, was er seit fast acht Jahren auf dem Hof seiner Großeltern in Bewegung gesetzt hat. Das Prinzip „Cow-Sharing“ ist ein Teil seines Plans, den landwirtschaftlichen Betrieb wieder aufzunehmen und zukunftsfähig zu machen. Dabei verknüpft er traditionelles Handwerk mit nachhaltigem Fortschritt.

Denn beim sogenannten Cow-Sharing steht das Fleisch eines ganzen Rindes zum Verkauf. Die verschiedenen Fleischsorten wie Hackfleisch, Steak, Braten- und Filetstücke, aber auch Suppenknochen und Innereien werden in von Leppla festgelegten Portionsgrößen auf der Internetseite pfaelzer-weiderind.friedhold.de angeboten. Ähnlich wie in üblichen Onlineshops können Kunden dort die angebotene Ware auswählen und bestellen – aber nur solange, bis das Fleisch dieses einen Rinds vollständig verkauft ist. Es steht also nur eine begrenzte Menge desselben Produkts zur Verfügung. Geschlachtet wird außerdem nur sieben Mal im Jahr. Während der Sommermonate, wenn die Ernte stattfindet, wird ausgesetzt.

Qualität statt Masse

Das Besondere außerdem: Das Fleisch steht nicht sofort wie beim Metzger in der Verkaufsauslage zur Mitnahme bereit. Den Schlachttermin plant Leppla erst dann, wenn mindestens 60 Prozent des Fleisches reserviert sind, „dann können wir überblicken, bis wann etwa der Rest des Fleisches noch verkauft sein wird“, erklärt er. Meist dauere es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr allzu lange bis die restlichen 40 Prozent des Rinderfleisches auch noch verkauft sind. „Vorher wird nicht geschlachtet“, verdeutlicht Leppla. Er will ein Bewusstsein für den Konsum schaffen.

Etwa eine Woche vor dem Schlachttermin melde er sich bei seinen Kunden, vereinbare Abhol- und Liefertermine, um die Kühlkette und damit die Qualität zu wahren. „Wie viel am Ende bei der Schlachtung rumkommt, kann ich natürlich vorab nicht genau sagen, sondern nur schätzen“, erklärt Leppla die Gewichtsspanne bei den Portionsgrößen. Weggeworfen wird bei der bedarfsorientierten Schlachtung im Fall, dass doch einmal mehr Fleisch übrig bleibt, aber nicht. „Das bieten wir anschließend noch tiefgekühlt an.“ Auch weniger häufig nachgefragte Produkte wie Innereien landen nicht im Müll. Der Vorteil: Ein Rinderherz gibt es pro Schlachtung nur einmal. „Das findet auch seine Liebhaber, die solche speziellen Sachen eher bei uns nachfragen als beim Metzger.“

Ziel: Maximale Transparenz

Neu ist das Prinzip der bedarfsorientierten Schlachtung allerdings nicht: Die Vorgehensweise stammt noch aus der Zeit, in der Fleisch bewusster konsumiert wurde, keine Massentierhaltung und Großmetzgereien den Markt mit Waren zu Niedrigpreisen schwemmten. Modern ist hingegen, wie Leppla Transparenz in seiner Arbeit und ein Bewusstsein für eine nachhaltige Landwirtschaft bei dem Verbraucher schaffen will.

Die weiblichen Kühe sind separiert untergebracht. Dabei legt Leppla großen Wert darauf, dass den Tieren möglichst viel Platz und
Die weiblichen Kühe sind separiert untergebracht. Dabei legt Leppla großen Wert darauf, dass den Tieren möglichst viel Platz und natürliches Futter zur Verfügung steht.

So läuft nicht nur der Bestellvorgang online, der Gundersweilerer nutzt auch das soziale Netzwerk Instagram: Auf seinem Kanal „pfaelzer_weiderind“ bietet er mit Bildern von seinen mittlerweile 30 Limousin-Rindern und kleinen Texten Einblicke: Dort erklärt er, dass seine Tiere mehr als doppelt so viel des vorgeschriebenen Platzes in den Ställen haben, nur Futter aus eigener Herstellung erhalten, die Jungtiere den ganzen Sommer mit ihren Müttern auf Weiden verbringen und anders als in anderen Betrieben erst mit zwei Jahren geschlachtet werden, weil durch die natürliche Fütterung das Tier langsamer wächst.

Zurück zu den Wurzeln

Warum legt Leppla so viel Wert auf Transparenz? Als er 2017 die Entscheidung fällte, den großelterlichen Betrieb nach und nach wieder aufzubauen, habe er sich die Frage gestellt: „Wie kann ich den bestehenden Hof zukunftsfähig und damit wirtschaftlich gestalten?“ Seine Großeltern hatten den Mischbetrieb mit Milch und Ackerbach bereits Jahre zuvor nur noch im Nebenerwerb geführt, die Milchproduktion vor dem Jahrtausendwechsel schon eingestellt. „Es hat sich damals schon nicht mehr gerechnet“, skizziert Leppla die Herausforderungen. „Ich hab das Feld quasi von hinten aufgerollt, als es darum ging, was ich hier machen will.“ Da die Familie schon Grünland besaß, stand schnell fest: Eine Kreislaufwirtschaft mit Tierhaltung sollte es sein. Das Futter stammt von den Grünflächen, sie werden als Weideland genutzt. Die Tiere liefern dafür Dünger, mit dem wiederum die Felder bewirtet werden.

Im Sommer leben die Tiere auf Weiden, im Winter bei nasskaltem Wetter sind sie in Ställen untergebracht. Das Futter aus Heu und
Im Sommer leben die Tiere auf Weiden, im Winter bei nasskaltem Wetter sind sie in Ställen untergebracht. Das Futter aus Heu und Grassilage stammt komplett aus eigenem Anbau des Hofs.

„Aber wer Tiere hält, muss ihr Wohl mitdenken!“, ist sich der 25-Jährige sicher. Ein Grund, warum er das Fleisch der Tiere nicht an Supermärkte abgibt. „Dann hätte ich kein Mitspracherecht mehr.“ Schließlich säßen Landwirte immer zwischen den Stühlen: Einerseits soll so kostengünstig wie möglich produziert werden, weil Verbraucher niedrige Preise nachfragen, andererseits wollen viele Bauern lieber nachhaltig arbeiten und im Sinne der Tiere. „Viele Menschen sagen ja immer wieder, sie würden etwas mehr Geld ausgeben, wenn sie dafür wüssten, wo ihre Lebensmittel her kommen“, erzählt Leppla. „Also will ich Einblicke bieten, was mit etwas mehr umgesetzt werden kann“ – zumal die Arbeit der Landwirte oft „nur vereinfacht und in Schwarz-Weiß“ dargestellt werde. Dafür nutze er gerne die Reichweite des Internets. Aber auch vor Ort dürften Verbraucher gerne zu jeder Zeit seine Tiere sehen.

Bewusstsein und Verantwortung

„Das Konzept bietet einfach die Möglichkeit, auf Kritik schnell und transparent zu reagieren“, findet der Agrarwirtschaftsstudent, der im Sommer voraussichtlich sein Studium abschließt und dann weiterhin im Nebenerwerb den Hof seiner Großeltern aufbauen will. Bisher sind er und die Kunden zufrieden, „unser Cow-Sharing wird gut angenommen, die Menschen haben großes Vertrauen“. Kritik, etwa von Vegetariern und Veganern, habe er bisher noch nicht erhalten und die fürchtet der junge Landwirt auch nicht: „Als Mensch zu leben, ohne in irgendeiner Form Einfluss auf das Tierwohl zu nehmen – ich glaube, das geht nicht.“ Selbst wenn sich Menschen dafür entscheiden, auf Ersatzprodukte wie Tofu auszuweichen, beeinflusse die Produktion des dafür benötigten Sojas die Natur und damit auch unweigerlich den Lebensraum von Tieren. „Wichtig ist mir deshalb, dass es den Tieren, die extra für die Lebensmittelherstellung gezüchtet werden, gut geht, solange sie leben.“

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