Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Sammlerin mit Herz: Wie eine Pfälzerin mit Korken krebskranke Kinder unterstützt

Gemeinsam mit Vereinen, Privatpersonen und Gastronomen sammelte Hezel im vergangenen Jahr 133 Kilogramm Kronenkorken.
Gemeinsam mit Vereinen, Privatpersonen und Gastronomen sammelte Hezel im vergangenen Jahr 133 Kilogramm Kronenkorken.

Oft landen sie im Müll oder im schlimmsten Fall in der Natur: Kronen- und Flaschenkorken. Die Steinbacherin Anette Hezel sammelt die Verschlüsse und befreit damit nicht nur die Umwelt von Müll, sondern unterstützt auch krebskranke Kinder.

„Das Geld liegt auf der Straße. Man braucht sich nur danach zu bücken, um es aufzuheben“, heißt es im Volksmund. Im Fall von Anette Hezel ist das ganz wörtlich zu verstehen. Wenn die Steinbacherin unterwegs ist, schweift ihr Blick regelmäßig nach unten. Dort suchen ihre geschulten Augen nicht etwa nach glänzenden Münzen, sondern nach Kronkorken.

Besonders an viel besuchten Orten würden die Verschlüsse aus Weißblech oft gedankenlos in der Natur zurückgelassen, berichtet Hezel. Für knifflige Stellen wie etwa das Gleisbett an Bahnhöfen hat die 64-Jährige eine kreative Lösung gefunden: Mit einer selbstgebauten Magnetangel fischt sie die Flaschendeckel auch aus schwer erreichbaren Ecken. Damit befreit die Steinbacherin nicht nur die Natur von Müll, sondern setzt sich auch für einen guten Zweck ein. In einer speziellen Recyclinganlage wird das Weißblech vom Kunststoff getrennt. Der Materialwert der gesammelten Kronkorken fließt später als Spende an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bonn.

Mehr als 70.000 Euro für den guten Zweck

Hinter der Aktion steht das Karnevalsklübchen Kraus aus Bad Breisig im Landkreis Ahrweiler. Seit 2016 engagiert sich der Verein unter dem Motto „sammeln und helfen“ für den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche. Seitdem wurden 262.146 Kilogramm Kronkorken gesammelt und mehr als 70.000 Euro an den Förderkreis gespendet. Beim jährlichen Kronkorkenfest kommen die ehrenamtlichen Sammlerinnen und Sammler zusammen und zelebrieren die Früchte ihrer Arbeit.

Insgesamt kamen im Jahr 2024 beim Kronenkorkenfest in Bad Breisig 87.000 Kilogramm gesammelte Kronenkorken zusammen.
Insgesamt kamen im Jahr 2024 beim Kronenkorkenfest in Bad Breisig 87.000 Kilogramm gesammelte Kronenkorken zusammen.

„Das war ein besonderes Erlebnis, zu sehen, wie Menschen verschiedenen Alters kamen, um ihre Kronkorken abzugeben. Kleinvieh macht auch Mist“, sagt Anette Hezel über ihren ersten Besuch des Kronkorkenfests in diesem Jahr, bei dem sie stolze 133 Kilogramm – 29 volle Weinkartons – zur Gesamtmenge von knapp 87.000 Kilogramm beigetragen hat.

Kronkorkensammeln birgt wertvolle Botschaft

Seit knapp einem Jahr ist die pensionierte Lehrerin dabei. Bei einer Fahrradtour im Ahrtal habe ein Eimer vor einem Privathaus ihre Neugier geweckt. Die Sammelleidenschaft habe jedoch schon immer in ihr gesteckt. Als Grundschullehrerin habe sie immer fleißig Klopapierrollen, Korken und Filmdosen als Bastelmaterialien für die Kinder aufbewahrt. „Ich bin Halbschwäbin, da spart man sowieso, aber die Pfälzer sagen ja auch ’nix verkumme losse’. Außerdem bin ich in einem Alter, in dem man anfängt, auszusortieren, Dinge loszulassen und wegzugeben und beim Kronkorkensammeln darf ich meine Leidenschaft noch zelebrieren“, erzählt die 64-Jährige lachend.

Hinzu kam, dass Hezel durch ein krebskrankes Kind in ihrem Umfeld für das Thema und die Frage, wie es den Familien von krebskranken Kindern geht, sensibilisiert war. „Als ich sah, dass die Sammelaktion für den Förderverein für die Eltern von krebskranken Kindern und Jugendlichen ist, dachte ich, das ist ja eine tolle Sache und habe angefangen, zu sammeln“, erinnert sie sich. Mit dem Spendenerlös würden ganz konkrete Dinge umgesetzt, wie etwa ein Elterncafé, Reitpädagogik oder Begegnungsmöglichkeiten für verwaiste Eltern. „Das macht unglaublich viel aus und trägt eine wertvolle Botschaft in sich: Viele kleine Schritte von vielen kleinen Menschen auf der ganzen Welt bringen uns voran.“

Unterstützung durch Vereine und Gastronomen

So leidenschaftlich wie die Steinbacherin bei der Sache ist, waren schnell Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden. Aus dem Bekanntenkreis erreichen sie regelmäßig kleine Tütchen mit Korken, berichtet Hezel. Sie freue sich über jeden Einzelnen. Und auch in Steinbach habe die Initiative einen „Lawineneffekt“ ausgelöst. Mit an Bord sind neben dem Angel-, Sport-, Musik- und Männergesangverein auch die Freiwillige Feuerwehr. Wenn bei Festen Getränke ausgeschenkt werden, landen die Kronkorken nicht etwa im Müll, sondern in einem Sammeleimer.

Vor dem Bürgerhaus in Steinbach hat Anette Hezel nicht nur einen offenen Bücherschrank installiert, sondern auch eine Sammelstel
Vor dem Bürgerhaus in Steinbach hat Anette Hezel nicht nur einen offenen Bücherschrank installiert, sondern auch eine Sammelstelle für Korken.

Und auch die Gastronomie der Pfälzerwald-Hütte sowie des Golfplatzes am Donnersberg unterstützen Hezel bei ihrem Vorhaben. Außerdem haben die Steinbacher die Möglichkeit, ihre Korken vor dem Bürgerhaus loszuwerden. Dort hat die 64-Jährige den von ihr eingerichteten offenen Bücherschrank mit dem Namen „Sesam öffne mich“ um eine Sammelstelle für Kronen- und auch für Flaschenkorken erweitert.

„Nabu-Korkampagne“ für den Umweltschutz

Denn: Die pensionierte Lehrerin engagiert sich zusätzlich noch bei der „Nabu-Korkampagne“. Bereits in den 90er-Jahren wurde die Aktion vom Naturschutzbund in Hamburg ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Rohstoff mit einer jahrhundertealten Tradition wieder dem Kreislauf zuzuführen und dadurch die Umwelt zu schützen sowie wichtige Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern. Zwei bis drei Tonnen Korken werden monatlich vor dem Müll gerettet. Hezel konnte im vergangenen Jahr sechs prall gefüllte Mülltüten beisteuern.

„Ich weiß schon länger, dass Weinkorken über den Nabu gesammelt werden und als ich hier anfing, Kronkorken zu sammeln, dachte ich, das bietet sich an, hier auch Weinkorken zu sammeln“, sagt die Steinbacherin. Die Naturverbundenheit sei ihr bereits in die Wiege gelegt worden. Aufgewachsen ist die 64-Jährige „in der Natur, im Stall und mit Landwirtschaft“ auf der Lehr- und Versuchsanstalt Neumühle in Münchweiler an der Alsenz.

Korkeichen erfüllen wichtige Funktionen

Dass Flaschenkorken recycelt werden, sei aus verschiedenen Gründen wichtig, erklärt die ehemalige Grundschullehrerin. Kork habe sich als Naturprodukt besonders im Bereich der Wärmedämmung als Dämmgranulat für den ökologischen Hausbau bewährt. Außerdem sichere die Kultur der Korkeichen in Spanien, Nordafrika und vielen südlichen Ländern wichtige Arbeitsplätze. Für Zugvögel aus Nordeuropa seien die Korkeichenwälder Zwischenstationen auf ihrem Weg in ihre afrikanischen Winterquartiere und wichtige Lebensräume für vom Aussterben bedrohte Tiere. „Ich habe vor Jahren auf Zypern für ein Jahr auch Zugvogelschutz gemacht, daher docke ich innerlich noch einmal daran an“, erklärt Hezel ihr Engagement.

Auch hierzulande werden durch das Recycling der Korken gemeinnützige Arbeitsplätze geschaffen. In Trier verarbeiten beeinträchtigte Menschen bei der Firma King Kork alte Wein- und Sektkorken zu Granulat, aus dem Gegenstände für den Haushalt, Yogakissen, Dämmstoffe oder Reitgranulat entstehen. Mit dem Erlös aus dem Projekt unterstützt der Nabu Kranichschutzprojekte in Spanien – der Heimat der Korkeichen – und Deutschland. Dass statt Kork zunehmend Kunststoff- oder Glaskorken verwendet werden, sieht Hezel kritisch: „Es ist ein falsches Denken, wenn man glaubt, Kork sei ein wertvoller Naturstoff und zu schade als Flaschenverschluss. Im Gegenteil: Der Abbau von Kork ist eine wichtige Einnahmequelle für viele Menschen. Es ist gut für den Boden und ein nachhaltiger Rohstoff, der viele Vorteile mit sich bringt.“

Info

Weitere Informationen sowie eine Übersicht der Sammelstellen finden Sie im Internet unter kkk-breisig.de oder nabu.de. Falls Sie größere Mengen an Korken abgeben möchten, können Sie sich außerdem per E-Mail an den Ortsbürgermeister von Steinbach, Dirk Schneider, wenden.

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