Ludwigshafen
400 Rollerdiebstähle seit Jahresbeginn: 20 Tatverdächtige, 100.000 Euro Schaden
Die nackten Zahlen sind erst einmal ernüchternd: Seit Jahresbeginn hat die Polizei insgesamt 400 Diebstähle von Motorrollern in Ludwigshafen registriert – ein drastischer Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Geschätzter Sachschaden: um die 100.000 Euro. Betrachtet man die Statistik differenzierter, ergibt sich ein anderes und etwas freundlicheres Bild. Bis 30. Juni gab es 150 Delikte, 100 mehr als im Jahr zuvor. 250 Fälle kamen seither dazu, allein 45 im August: Zwischen 1. Juli und 11. September waren es 160 Rollerdiebstähle, von 12. September bis 14. November allerdings „nur“ noch 90.
Ein Wendepunkt?
Die Gliederung der Fallzahlen bis und ab Mitte September ist wichtig, weil sie – so die Einschätzung der fünfköpfigen Ermittlergruppe – womöglich einen Wendepunkt markiert. Seit das Präsidium am 11. September ihre Aufklärungskampagne zum Thema Rollerdiebstahl auf dem Parkplatz des Georg-Kerschensteiner-Berufsbildungszentrums in Mundenheim gestartet hat, sind die Fallzahlen merklich zurückgegangen. Inzwischen ermittelt das für bis zu 21-jährige Täter zuständige Sachgebiet Jugendkriminalität gegen insgesamt 20 Tatverdächtige – allesamt Jugendliche aus Ludwigshafen, die zum Großteil schon etwas auf dem Kerbholz habe. „Das sind häufig altbekannte Gesichter“, berichtet Kriminaloberkommissar und Chefermittler Maurice König im RHEINPFALZ-Gespräch.
18-Jähriger in U-Haft
Der Verdacht gegen zwei junge Männer, die der Polizei bereits im September ins Netz gingen, hat sich nach seinen Angaben erhärtet. Ein 18-Jähriger, der Anfang November erwischt wurde und für 25 Diebstähle verantwortlich sein soll, sitzt in Untersuchungshaft. Weitere Fälle lägen der Staatsanwaltschaft Frankenthal vor, das Landeskriminalamt werte noch zahlreiche Spuren aus. König ist zuversichtlich, dass weitere Täter überführt und bis Jahresende zahlreiche andere Fälle aufgeklärt werden können, sobald die Ergebnisse vorliegen.
Der 31-Jährige führt die sinkenden Deliktzahlen vor allem auf die offensive Vorgehensweise der Polizei zurück. Mit dem Start der Aufklärungskampagne seien 300 Infokarten sichtbar an Lenkern von Rollern positioniert worden, speziell auf Parkplätzen vor Schulen oder Unternehmen.
„Das hat Wirkung gezeigt“
Einerseits, um die Inhaber der Fahrzeuge auf die Diebstahlserie hinzuweisen. „Roller richtig gesichert? Lenkerschloss reicht nicht!“ ist auf der Vorderseite der Ausweis-großen Infokarte zu lesen. Andererseits, um ihnen Tipps zur besseren Absicherung zu geben, die der Rückseite zu entnehmen sind: „Immer an festen Gegenständen anschließen; hochwertige Bügel oder Panzerschlösser nutzen; an gut beleuchteten, belebten Orten abstellen; Alarmanlagen können Diebe abschrecken; mit GPS-Trackern ist eine Ortung möglich“. Ein QR-Code führt rasch zu weiteren Ratschlägen. Zudem seien an Einfahrten von Tankstellen den Infokarten entsprechende Großplakate aufgehängt worden. „Das hat Wirkung gezeigt“, ist König überzeugt.
Mehr Kontrollen
Durch die Berichterstattung in den Medien seien überdies viele Menschen für das Thema sensibilisiert worden, in ihrer Nachbarschaft die Augen offen zu halten und der Polizei Verdächtiges zu melden. Denn den Tätern auf die Schliche gekommen sind die Ermittler auch durch Zeugenaussagen, Telefonhinweise sowie Handyaufnahmen – oder im Netz, wo gestohlene Roller zum Verkauf angeboten wurden. Klar sei mittlerweile auch, dass es sich nicht um eine Diebesbande handelt, sondern die Delikte – verteilt über die ganze Stadt – mehreren Tätern zuzuordnen seien.
„Enorm wichtig“, betont König, sei ferner der verstärkte Einsatz der Kollegen der Schutzpolizei gewesen, die ihre Verkehrskontrollen intensiviert und auf Streife bei jugendlichen Rollerfahrern noch genauer hingeschaut hätten. Gespräche mit großen Firmen, etwa dem Werkschutz der BASF, hätten ebenfalls dazu beigetragen, dass Rollerfahrer ihre Fahrzeuge besser sichern oder nicht in schlecht einsehbaren Bereichen abstellen. Im Schnitt, schätzt König, werde pro Diebstahl ein Schaden von 250 Euro verursacht – mal mehr, mal weniger.
Im Schutz der Dunkelheit
Von den Infokarten hat die Polizei insgesamt 2500 Stück geordert – weil sie diese in den Warteräumen ihrer Dienststellen auslegen und ihre Kampagne zunächst einmal fortsetzen will. König geht insofern davon aus, dass sich die Fallzahlen weiter reduzieren – auch weil der Winter naht. In der kalten Jahreszeit werden Roller weniger genutzt und eher in geschützten Bereichen abgestellt. Diebe haben es dann nicht ganz so leicht wie im Frühjahr oder im Sommer.
Rollerdiebstähle ereignen sich überwiegend im Schutz der Dunkelheit und dauern nur wenige Sekunden, weil die Fahrzeuge in der Regel gar nicht oder nicht ausreichend gesichert sind. Ein paar geübte Handgriffe reichen oft. „Die Täter brechen die Frontverkleidung auf, schließen die Roller kurz und brausen davon“, schilderte Königs Kollege, Oberkommissar Maximilian Hahn, die Vorgehensweise beim Kampagnenauftakt. Viele Täter würden die Roller für eine kurze Spritztour stehlen, um von A nach B zu kommen, weil es cool sei oder weil sie einfach Bock darauf hätten. Danach legten sie die häufig beschädigten Gefährte irgendwo ab, etwa in einem Gebüsch, weiß der 31-Jährige.
In zwei Garagen eingebrochen
Dass das Thema trotz der intensiven Bemühungen der Ordnungshüter nicht aus der Welt und eine Garage kein 100-prozentiger Schutz ist, zeigen die jüngsten Fälle. Anfang November wurde in der Hohenzollernstraße (Friesenheim) eine blaue Vespa entwendet. Ein blau-silberfarbenes Zweirad verschwand in der Dagobertstraße (Mundenheim). In der Hoheneckenstraße – ebenfalls in Mundenheim – sind Unbekannte in zwei Garagen eingebrochen. Ihre Beute: neben einem Roller auch ein Mountainbike. Gesamtschaden in diesen vier Fällen: knapp 5000 Euro.