Ludwigshafen
Über 200 Rollerdiebstähle in wenigen Wochen: Wie die Polizei darauf reagiert
Es passiert meistens im Schutz der Dunkelheit und dauert nur wenige Sekunden, weil die Fahrzeuge in der Regel nicht ausreichend gesichert sind. Ein paar geübte Handgriffe reichen daher oft. „Die Täter brechen die Frontverkleidung auf, schließen die Roller kurz und brausen davon“, schildert Polizeioberkommissar Maximilian Hahn, 31, die Vorgehensweise. „In den vergangenen sechs Wochen sind die Rollerdiebstähle im Ludwigshafener Stadtgebiet sprunghaft angestiegen“, berichtet sein Kollege, Hauptkommissar Martin Frier, 50.
Fürs erste Halbjahr 2024 wurden laut Polizei in Ludwigshafen insgesamt 148 Fälle von Rollerdiebstahl erfasst. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien damit rund 100 Delikte mehr angezeigt worden. Eine Zunahme in den Sommermonaten sei zwar normal, weil viele Besitzer von Kleinkrafträdern diese vor allem in der warmen Jahreszeit nutzen und die Fahrzeuge im Winter in geschützten Bereichen auf ihren Grundstücken abstellten. Aber in dieser Dimension sei das außergewöhnlich. Allein im August wurden 45 Diebstähle registriert. Eine schlüssige Erklärung für den aktuellen Ausreißer in der Statistik haben Frier und Hahn aktuell nicht parat. „Die Ermittlungen zur Identifizierung der Täter laufen derzeit auf Hochtouren“, betonen sie.
100 Plakate, 1000 Infokarten
Das federführende Ermittlerduo vom Haus des Jugendrechts, Sachgebiet Jugendkriminalität, steht auf dem Parkplatz der Berufsbildenden Schule (BBS) in der Franz-Zang-Straße, wo beide erste der 100 Plakate zum Schutz vor Rollerdiebstählen aufhängen und auch die ersten von rund 1000 eigens dafür entworfenen Infokarten an etwa 50 Fahrzeugen anbringen, um deren Besitzer zu sensibilisieren. Beispielsweise dafür, dass ein Lenkerschloss allein nicht genüge, um einen Roller zu sichern.
Hahn und Frier raten dazu, in hochwertige Bügel-, Panzer - oder Bremsscheibenschlösser zu investieren oder GPS-Tracker am Roller anzubringen, um gestohlene Fahrzeuge per Smartphone schnell orten zu können. Zehn Prozent eines Rollerwerts sollte man für dessen Sicherung ausgeben. Von Herstellern installierte Wegfahrsperren seien kein großes Hindernis für gewiefte Täter, „meist Jungs“. An Zeugen appellieren die Experten, sich umgehend bei der Polizei zu melden und Bilder oder Videos zu machen, falls sie Verdächtiges beobachten.
Der Standort für den Auftakt der Kampagne ist nicht zufällig gewählt. Die drei etwas abgelegenen Einrichtungen in Mundenheim – BBS Naturwissenschaften sowie Technik 1 und 2 – sind zwar kein Kriminalitätsschwerpunkt. Sie werden aber von insgesamt 7000 jungen Menschen besucht, überwiegend im Alter von 15 bis 20 Jahren. Rund 3000 sind täglich vor Ort, wie Mirko Taus, Leiter der BBS Technik 1, berichtet. Es ist genau die Zielgruppe, um der es der Polizei geht – mit Blick auf die Eigentümer der Roller, aber auch mit Blick auf die Täter, die bisweilen sogar erheblich jünger seien. Diebstahl-Schwerpunkte in Ludwigshafen seien die Stadtteile Maudach, Mundenheim und die Gartenstadt, aber auch in anderen Bezirken gab es schon zahlreiche Fälle.
Schäden von 500 bis 2000 Euro
Viele Täter würden die Roller für eine kurze Spritztour stehlen, um von A nach B zu kommen, weil es cool sei oder weil sie einfach Lust darauf hätten. Danach legten sie die häufig beschädigten Fahrzeuge irgendwo ab, etwa in einem Gebüsch, schildert Kommissar Hahn. Auch in Mannheim wurden bereits gestohlene Fahrzeuge entdeckt, weshalb Frier und Hahn im engen Austausch mit den Kollegen stehen. Einen ähnlichen Anstieg der Deliktzahlen gebe es in der Nachbarstadt allerdings nicht. Organisierte Banden vermuten die Ermittler nicht hinter den Delikten, eher Einzeltäter oder kleinere Gruppen. Bisweilen würden Rollerteile auch vertickt, aber das sei eher die Ausnahme.
Für viele Täter sei ein Rollerdiebstahl ein Kavaliersdelikt, so Hahn. Ist es aber nicht, weil es sich um einen besonders schweren Diebstahl handelt, der mit Sozialstunden, Arrest oder sogar Haftstrafen geahndet werden könne. Diebstähle aufzuklären sei indes eine zähe Angelegenheit, weil die Spurenlage meistens dürftig sei und die Auswertung von DNA-Spuren viel Zeit in Anspruch nehme.
Auf bestimmte Marken hätten es die Diebe nicht abgesehen. Die Schäden an den gestohlenen Fahrzeugen beliefen sich im Schnitt auf 500 bis 2000 Euro. Von Motorrädern ließen die Täter die Finger, weil die Maschinen zu schwer und besser gesichert seien.
Bei Unternehmen oder an Tankstellen
Aufgehängt werden sollen die Präventionsplakate mit dem Titel „Roller richtig gesichert?“ auch bei Unternehmen, an Veranstaltungshäusern oder an Tankstellen. Darauf findet sich ein QR-Code mit weiteren Infos – wie auch auf der Rückseite der kleineren Infokarten, wo zudem praktische Tipps wie diese vermerkt sind: Roller immer an festen Gegenständen anschließen, an gut beleuchteten, belebten Orten abstellen – oder: Alarmanlagen können Diebe abschrecken.
Die Aufklärungskampagne ist zunächst einmal auf vier Wochen begrenzt. Danach soll eine erste Bilanz gezogen werden. Je nach Ergebnis der Auswertung, könnte die Aktion dann weiter fortgesetzt werden. Für den Fall der Fälle hat Thorsten Mischler, Pressesprecher des für Vorder- und Südpfalz zuständigen Präsidiums, insgesamt 2500 Infokarten bestellt. Die Polizei will sich jedenfalls nicht auf „Kommissar Zufall“ verlassen. Zuletzt ging den Beamten ein Rollerdieb bei einer Kontrolle ins Netz, weil er zu schnell unterwegs war.
Zur Sache: die aktuellsten Fälle
Die jüngsten Rollerdiebstähle ereigneten sich laut Polizei am Wochenende, 7./8. September: In der Philipp-Scheidemann-Straße (Oggersheim) wurden zwei auf der Straße abgestellte Roller entwendet. In der Schopenhauerstraße (Friesenheim) wurde ein Fahrzeug gestohlen und später beschädigt in der Geibelstraße (ebenfalls Friesenheim) entdeckt. Schaden: rund 2000 Euro. Zwischen 3. und 4. September beschädigten Unbekannte einen Roller in der Trichterstraße (Oppau) bei einem Diebstahlversuch. Im gleichen Zeitraum wurde ein Roller von einem Parkplatz in der Rüdigerstraße (Edigheim) entwendet, der später beschädigt im Wolfsgrubenweg (ebenfalls Edigheim) aufgefunden wurde. Zudem wurden Fahrzeuge in der Wredestraße (Mitte) und in der Mörikestraße gestohlen. In der Hemshofstraße (Nord) misslang ein Rolleraufbruch, weil die jugendlichen Täter von Zeugen beobachtet worden waren. „Notieren Sie Rahmennummer, Kennzeichen, Marke und Typ Ihres Rollers und legen Sie ein aktuelles Foto des Rollers dazu“, rät die Polizei den Besitzern. Das helfe im Falle eines Diebstahls. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 0621 963-2122 oder -2773 entgegen.