RUPPERTSECKEN RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Seniorenheim wird Anlaufstelle für Feriengäste und Gruppentreffen

Dorit und Thomas Hellinger auf ihrer Baustelle.
Dorit und Thomas Hellinger auf ihrer Baustelle.

Mit viel Liebe zum Detail gestaltet ein Ehepaar ein ehemaliges Seniorenheim um. Künftig sollen sich hier Feriengäste wohlfühlen. Der Name des Projekts: „Maison Fasson“.

Zum 1. März 2023 musste das Seniorenheim „Haus Höhenruh“ nach 49 Jahren als Familienbetrieb schließen – zum großen Kummer des Betreiber-Ehepaares Dorit und Thomas Hellinger. Der Hauptgrund war damals Fachkräftemangel: Acht Vollzeitstellen hätten kurzfristig ersetzt werden müssen, ein Ding der Unmöglichkeit. Doch nun haben die beiden neue Pläne – sie wollen in den beiden Gebäuden des ehemaligen Seniorenheims Unterkünfte für Gäste anbieten. Aus dem ehemaligen Haupthaus soll ein Gruppenhaus werden, das Platz für 15 Personen bietet, im Einzelfall können auch bis zu 20 Personen untergebracht werden. Im früheren Nebenhaus sollen ein großer, separat zu mietender Gemeinschaftsraum und zwei Ferienwohnungen entstehen.

Im Moment ist die „Maison Fasson“, so der spätere Name des gesamten Komplexes, allerdings noch eine Baustelle, auf der das Ehepaar fleißig herumwerkelt. „Wir haben nach der Schließung praktisch keine Pause gemacht, sondern sofort mit den Umbauarbeiten begonnen und alles selbst gemacht“, sagt Thomas Hellinger. Nur für die Elektro- und Klempnerarbeiten haben wir Profis gebraucht.“

Das Paar im künftigen Gemeinschaftsraum.
Das Paar im künftigen Gemeinschaftsraum.
Die Malermeisterin ist in ihrem Element. Ehemann Thomas spielt den Handlanger.
Die Malermeisterin ist in ihrem Element. Ehemann Thomas spielt den Handlanger.
Dieses Jugendstil-Schlafzimmer in starken Farben kam zum Nulltarif von einer jungen Familie.
Dieses Jugendstil-Schlafzimmer in starken Farben kam zum Nulltarif von einer jungen Familie.
Sofa und Sessel aus der Villa einer wohlhabenden Dame.
Sofa und Sessel aus der Villa einer wohlhabenden Dame.
Das Farbschema »Eibe« für eines der Zimmer.
Das Farbschema „Eibe“ für eines der Zimmer.
Die Küche im Gruppenhaus stammt noch vom Seniorenheim und genügt professionellen Ansprüchen.
Die Küche im Gruppenhaus stammt noch vom Seniorenheim und genügt professionellen Ansprüchen.
Aus einem alten Pflegebett hat Thomas Hellinger eine fahrbare Werkbank gemacht.
Aus einem alten Pflegebett hat Thomas Hellinger eine fahrbare Werkbank gemacht.

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Was zweifellos hilft: Er selbst ist handwerklich begabt, und seine Frau ist von Haus aus Malermeisterin. Die innenarchitektonischen Impulse kommen alle von ihr. Zum Beispiel die Idee, jedes Zimmer im Gruppenhaus nach einer Pflanze zu benennen und dort ein zu dieser Pflanze passendes Farbschema umzusetzen. Im Raum „Eibe“ sind dies etwa verschiedene Schattierungen von lachsrosa, dunkelgrün und braun. Zur besseren Visualisierung hängt ein DIN-A-4-Blatt mit einem Foto der jeweiligen Pflanze und den entsprechenden Farbmuster an jeder Zimmertür. Das Motto: „Sehr farbig, aber nicht erschlagend.“ Farbe soll auch in den künftigen Buffet-Raum kommen, der von früher noch eine Kassettendecke hat. Hier ist Dorit Hellinger dabei, in jede Kassette einen handbemalten Tapetenbogen mit Blumenmuster zu kleben. Zwei Reihen sind bereits geschafft.

Einrichtung mit Vintage-Möbeln aus dem vergangenen Jahrhundert

Von Dorit Hellinger stammt auch das Einrichtungskonzept für die beiden Häuser: „Die Ferienwohnungen ganz hell und modern, das Gruppenhaus dagegen mit Vintage-Möbeln aus dem vergangenen Jahrhundert. Etwa aus der Zeit von 1920 bis 1950.“ Um an die Möbel zu kommen, ist das Paar in halb Südwestdeutschland unterwegs, von Südhessen bis Nordbaden. „Die meisten Stücke bekommen wir umsonst, wir müssen sie nur etwas aufarbeiten“, verrät Hellinger. Meist fielen sie bei Wohnungsauflösungen an. „Die Leute sind froh, wenn wir kommen und sie mitnehmen – so sparen sie sich die Entsorgungskosten.“

Auf diese Weise sind die beiden beispielsweise an eine elegante Sofagarnitur aus der Villa einer vermögenden Dame oder ein Jugendstil-Schlafzimmer mit Doppelbett, Schrank und Kommode gekommen. Letzteres gehörte einem jungen Paar, das aufgrund seiner wachsenden Familie keinen Platz mehr dafür hatte. „Die haben dem Schlafzimmer regelrecht hinterhergetrauert, haben aber versprochen, mal zu kommen, wenn alles fertig ist, um ein letztes Mal im alten Bett zu schlafen.“

Dank früherer Nutzung sind beide Häuser behindertenfreundlich

Das Gruppenhaus hat sieben Doppelzimmer, einige mit eigenem Duschbad, und ein Einzelzimmer. Dazu kommen noch Gemeinschaftsduschen, Gemeinschaftstoiletten, eine Küche, Gruppenräume, mehrere Balkone und ein Garten. Ein weiterer Garten kann je nach Bedarf von Gästen aus beiden Häusern genutzt werden. Bei den Gästen für das Gruppenhaus denkt das Ehepaar etwa an Wandergruppen oder Pfadfinder, auch an Familien, die gemeinsam feiern wollen, Klassentreffen, Seminare, Klausurtagungen – der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. „Wir hatten auch schon Anfragen von Freunden, die Spielewochenenden veranstalten wollten, auch LAN-Partys können hier stattfinden“, zählt Thomas Hellinger auf. „Unser Gäste-Wifi liefert etwa 20 MBit Download und etwa ein MBit up. Die Hauptleitung liefert um die 60 MBit down und kann nach Rücksprache über LAN genutzt werden.“

Die beiden Ferienwohnungen sind vom Grundriss her gleich geschnitten rund 80 Quadratmeter groß und bieten Platz für jeweils vier Personen. In die Erdgeschoss-Wohnung dürfen auch Hunde mitgebracht werden.

Dass in dem Anwesen bis vor kurzem ein Seniorenheim untergebracht war, erweist sich in diesem Zusammenhang als vorteilhaft – denn dadurch sind beide Gebäude auch für beeinträchtigte Gäste geeignet. Es gibt in jedem Haus einen Fahrstuhl und behindertenfreundliche sanitäre Anlagen. Das Gruppenhaus verfügt über eine komplette Profiküche, in der man auch mal zwölf Pizzen gleichzeitig in den Ofen schieben kann. Zudem ist eine hochmoderne Brandmeldeanlage vorhanden, und im Nebengebäude gibt es einen kleinen Treppenlift.

Wandernde Holländer wollen Eiskaffee und Cola

Was die Nachfrage angeht, so muss sich das Ehepaar Hellinger wohl keine großen Sorgen machen – erste Interessenten haben sich schon gemeldet. Bereits für Ende November hat eine Mittelaltergruppe eine Mittelalter-Spielewoche geplant. Überhaupt steht das Historische offenbar hoch im Kurs: „Ein Freund beispielsweise hat sich mit einer Gruppe angekündigt. Er plant eine Motto-Party, ein viktorianisches Wochenende“, sagt Dorit Hellinger. Wegen der entsprechenden Einrichtung sei das Gruppenhaus für solche Veranstaltungen natürlich besonders geeignet. „Auf Anfrage gebe ich dann auch schon mal das gute Goldrand-Geschirr raus, das normalerweise unter Verschluss bleibt“, verrät sie.

Manche Bekanntschaft kam auf regelrecht kuriose Art und Weise zustande: Zum Beispiel die mit ein paar Holländern, die vom Campingplatz in Gerbach hochgewandert waren: „Wir haben von früher ja noch Tische und Stühle draußen vorm Haus stehen“, erzählt Thomas Hellinger. „Wir selbst waren drinnen und hörten plötzlich Stimmen. Ich kam raus, um zu sehen, was los war, da fingen sie schon an zu bestellen: ,Einen Cappuccino, einen Eiskaffee, für mich eine Cola ...’ – die dachten das hier sei ein Café!“ Er habe die Leute dann aufgeklärt, und die seien sehr interessiert gewesen. „Einer kam aus Amsterdam, wo er Mitglied in einer Radsportgruppe ist. Er überlegt sich jetzt, mit der ganzen Gruppe herzukommen und das Gruppenhaus als Ausgangspunkt für Radtouren zu mieten.“

Von „Haus Höhenruh“ zu „Maison Fasson“

Wenn alles läuft wie geplant, soll die „Maison Fasson“ in etwa einem Monat Eröffnung feiern. Doch wie kam eigentlich der ungewöhnliche Name zustande? „Ganz einfach“, lacht Dorit Hellinger: „Hier kann jeder nach seiner Fasson leben und selig werden, wie in dem Sprichwort. Und ,Maison’ passt zu Fasson. Außerdem schlägt der Name eine Brücke zum alten Haus Höhenruh, denn Maison bedeutet schließlich auch Haus.“

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