Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Rebmeerbad auf Jahre kein Familienbad mehr

Das Nichtschwimmerbecken im Rebmeerbad wird vorerst nicht mehr bevölkert sein.
Das Nichtschwimmerbecken im Rebmeerbad wird vorerst nicht mehr bevölkert sein.

Ein Rohrbruch hat die Sommersaison im Rebmeerbad gehörig verhagelt. Rutschen und Planschen waren in Bad Bergzabern nicht möglich. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Das Rebmeerbad, genauer gesagt dessen Außenbereich, sorgt schon länger für negative Schlagzeilen. Zuerst wurde zwei Jahre in Folge heftig über die Wassertemperatur gestritten. Als der Zank dann endlich beigelegt war, schneite die nächste Hiobsbotschaft ins Haus. Im Juni dieses Jahres, keine zwei Wochen nach dem Start der Freibad-Saison, mussten das Planschbecken und das Nichtschwimmerbecken mit der großen Rutsche außer Betrieb genommen werden. Anders ausgedrückt: Für Familien war der Badesommer im Rebmeerbad schon beendet, bevor er richtig begonnen hatte. Grund war ein kapitaler Wasserrohrbruch. 65.000 Liter flossen pro Tag ins Erdreich, statt in die Becken. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person liegt laut Umweltbundesamt bei rund 45.000 Litern pro Jahr.

Eine schnelle Reparatur sei nicht möglich. Das betonte der für Bäder zuständige Beigeordnete der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Martin Engelhard, gebetsmühlenartig. Die Sache sei äußerst kompliziert, sagte er immer wieder sinngemäß. Man könne nicht einfach das kaputte Rohr herausholen und durch ein neues ersetzen. Er bekam dafür teils heftige Schelte. Allerdings – das wurde im Verbandsgemeinderat am Dienstagabend deutlich: Ganz falsch lag er nicht, denn ein Ingenieurbüro bestätigt diese Einschätzung.

Leck noch immer nicht genau lokalisiert

„Ich kann Ihnen versprechen, dass es komplex wird.“ Mit diesen Worten eröffnete Engelhard seinen Vortrag. Und auch damit lag er richtig. Denn kurz gesagt ist nur eine Sache klar. Nämlich, dass vieles unklar ist. So konnte zum Beispiel die Schadstelle nach wie vor nicht exakt lokalisiert werden. Mehrere spezialisierte Firmen suchten bislang vergeblich. Immerhin konnte festgestellt werden, dass an gleich vier Stellen Wasser aus der Zuleitung zum Nichtschwimmerbecken austritt. Und zwar irgendwo zwischen besagtem Becken und dem Schwimmerbecken. Wo genau die vier Lecks sind, wisse man erst, wenn man aufgräbt, erklärte Engelhard. Womit er direkt zum nächsten Problem überleitete.

Das banale Aufgraben birgt ein großes Risiko. Darauf habe ihn das Ingenieurbüro Richter + Rausenberger, das eine Planung für die Reparatur erstellt hat, deutlich hingewiesen. Denn auf Bauplänen ist zu erkennen, dass neben der defekten Zuleitung noch etliche weitere Rohre und Kabel in dem Bereich verlaufen, in dem die Lecks verortet wurden. Unter anderem zeigt ein Querschnitt des Grabens eine dicke Abwasserleitung, die unterhalb der Zuleitung verlegt wurde. Ob die Skizzen der Realität entsprechen, weiß allerdings niemand. Denn die Pläne sind 46 Jahre alt. Genauso alt sind auch die Kunststoffrohre, die damit ihre technische Lebenszeit schon lange überschritten haben.

Komplette Schließung des Bades droht

Die Abwasserleitung liege nicht einmal einen Meter unter der Zuleitung, erklärte Engelhard. Wie deren Überschüttung, also der Boden zwischen den beiden Rohren aussieht, ist die nächste Wundertüte. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass auch die Ableitung ob ihres hohen Alters porös ist. Daher könne es sein, dass sie bei der kleinsten Erschütterung bricht, betonte Engelhard. Sollte das passieren, wären die Folgen verheerend. Denn das Wasser, das durch diese Leitung fließt, stammt aus dem Sprung- und dem Schwimmerbecken. Das heißt: Wenn dieses Rohr birst, müssen auch die beiden Becken geschlossen werden, die noch in Betrieb sind. Oder kurz: Das Rebmeerbad wäre komplett zu.

Die Kosten für diese trotz des Risikos machbare Reparatur schätzt das Ingenieurbüro auf 240.000 Euro. Wobei dieser Betrag wegen der vielen Unbekannten durchaus auch höher ausfallen könnte. Und es gibt noch einen weiteren Punkt, der zu beachten ist. Unabhängig von der Reparatur muss das Rebmeerbad generalsaniert werden. Denn das Zu- und Ablaufsystem der Becken ist streng genommen gar nicht mehr zulässig. Vereinfacht gesagt wird derzeit das Wasser auf einer Seite hineingepumpt und auf der anderen Seite wieder heraus. Beides geschieht unterhalb der Beckenkante. Eigentlich müsste das Wasser aber überlaufen.

Generalsanierung bislang nicht im Fokus

Neu ist diese Erkenntnis nicht. „Man hatte die Sanierung in Bad Bergzabern bislang aber nicht so im Fokus“, sagt Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory am Tag nach der Sitzung. „Das kam jetzt alles akut auf.“ Fakt ist, dass über eine Generalsanierung noch nicht gesprochen wurde. Insofern kann weder gesagt werden, wie viel Geld die Verbandsgemeinde dafür investieren muss, noch kann ein Zeitpunkt genannt werden, wann das Großprojekt angegangen und abgeschlossen wird. Bis Planung, Vorbereitung und Finanzierung fix sind, vergehen aber mindestens drei Jahre. Klar ist: Bei der Generalsanierung würde eine jetzt neu verlegte Leitung wieder herausgerissen.

Auf dem Tisch der Ratsmitglieder lagen schließlich zwei Varianten. Entweder man wagt die riskante Reparatur für mindestens 240.000 Euro, wohl wissend, dass die neuen Bauteile in ein paar Jahren wieder entsorgt werden. Oder man tut nichts und nimmt in Kauf, dass Nichtschwimmer- und Planschbecken bis zur Generalsanierung außer Betrieb bleiben. „Es waren alle hin- und hergerissen“, beschreibt Flory die Debatte der Räte treffend. Quer durch die Fraktionen gab es sowohl Befürworter als auch Gegner einer Reparatur.

Neue Filteranlage für Bad in Steinfeld

Als schließlich die Abstimmung anstand, näherten sich die Uhrzeiger bereits der 23-Uhr-Marke. Denn das Thema Rebmeerbad wurde im Tagesordnungspunkt 15 von 21 behandelt. Das Ergebnis fiel analog zur vorangegangenen Debatte uneindeutig aus. Neun Räte stimmten für eine Reparatur der Zuleitung, 15 dagegen, drei enthielten sich.

Für Familien mit Kindern heißt das, dass sie für die kommenden Jahre eine Alternative zum Rebmeerbad suchen müssen. Denn es wird dort weder ein Planschbecken noch ein Nichtschwimmerbecken samt Rutsche geben. Sie könnten zum Beispiel das Freibad in Steinfeld ansteuern. Um den Betrieb dort zu sichern, wird die Filteranlage für 33.500 Euro saniert. Auch das hat der Verbandsgemeinderat am Dienstagabend in Oberotterbach beschlossen.

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