Kaiserslautern
Westpfalz-Klinikum: Studiengang für Medizin in Kooperation mit Ungarn
Der offizielle Akt dauerte eine Stunde, danach wurde mit einem Glas Sekt angestoßen. Grund zum Feiern hatten alle Beteiligten in der Tat: Am Dienstagnachmittag wurde im Kaiserslauterer Pfalzgrafensaal der Grundstein dafür gelegt, dass das Westpfalz-Klinikum künftig ein Krankenhaus mit universitärem Charakter sein wird. Möglich macht das eine Kooperation mit der Semmelweis-Universität Budapest. Dazu wurde eine Absichtserklärung zwischen dem Klinikum, der ungarischen Hochschule sowie dem rheinland-pfälzischen Gesundheits- und Wissenschaftsministerium unterzeichnet.
Aus Ungarn angereist war Professor Béla Merkely, Rektor der Semmelweis-Universität. Er sprach von einer professionellen Mitarbeit auf Kaiserslauterer und rheinland-pfälzischer Seite, die wesentlich für diese Grundsteinlegung binnen weniger Monate gewesen sei. Er freue sich über die Kooperation, von der auch seine Hochschule und ihre in Europa führende Fakultät für Humanmedizin profitieren würden.
Gegen Ärztemangel
Das Land wolle die Gesundheitsreform nutzen, um das Westpfalz-Klinikum mit seinen Standorten in Kaiserslautern, dem Landkreis Kusel und dem Donnersbergkreis zu stärken, so Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Dass sich die renommierte Semmelweis-Universität für das Westpfalz-Klinikum entschieden habe, spreche für sich.
Indes geht es auch um den Ärztemangel. Mit dem praxisnahen Studium in Kaiserslautern werde die nächste Generation von Ärztinnen und Ärzten hervorragend auf die Herausforderungen in der medizinischen Versorgung vorbereitet, besonders auf jene in ländlichen Regionen, meinte der Ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums, Karlheinz Seidl. Er wird die Studierenden betreuen. Bestmögliche Unterstützung dabei sagte der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, Thorsten Hemmer, zu.
Verein freut sich
Auch der kommunale Verein „Ärzte für die Westpfalz“ will sein Scherflein beitragen, wie Vorsitzender Rainer Guth (parteilos), Landrat im Donnersbergkreis, erklärte. 2028 sollen die ersten angehenden Humanmediziner nach Kaiserslautern kommen und dort – nach der Vorklinik in Ungarn – den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Insgesamt sollen es einmal 240 Studierende sein.
Mit dem Westpfalz-Klinikum und der Semmelweis-Universität hätten sich zwei Partner gefunden, die sich laut Geschäftsführer Hemmer gut verstehen, ergänzen und große Ziele haben. Das Westpfalz-Klinikum als Maximalversorger verfolge vor allem fünf Ziele. Zunächst sollen Ärzte und Ärztinnen ausgebildet werden, „auch für die eigene Region“. Die hochwertige Versorgung soll zudem vom universitären Charakter profitieren. Schon jetzt seien die Chefärzte des Klinikums in der Lehre aktiv, mit der Kooperation könnten „neue Leuchttürme“ entwickelt werden. Darüber hinaus biete das Medizinstudium in Budapest und Kaiserslautern die „einmalige Chance auf gemeinsame Forschungsprojekte“. Fünftens schließlich werde die Rolle des Klinikums gestärkt, durchaus passend mit Blick auf die Gesundheitsreform.
Guth: Klarer Kontrapunkt
Als Kontrapunkt in einer Zeit, in der vieles rückwärts gehe, wollte Landrat Guth als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Westpfalz-Klinikum GmbH die künftige Kooperation verstanden wissen. Sie sei im Sinn von innovativen Lösungen in der Gesundheitsbranche tatsächlich ein Meilenstein für die medizinische Versorgung der Zukunft, aber ebenso ein Beweis dafür, dass hier Europa gelebt werde.
Mehr eigene Ausbildung in allen Bereich, gab die Kaiserslauterer Beigeordnete Anja Pfeiffer (CDU) als Aufsichtsratsvorsitzende der Krankenhaus-GmbH als zusätzliches Ziel aus. Mit Blick auf die unlängst verkündete geplante Schließung der Zentralküche des Klinikums aus Kostengründen sprach sie von einem Spagat zwischen Einsparungen und Investitionen in die Zukunft, den das Klinikum schaffen müsse.
Ein Masterplan-Baustein
Rundum zufrieden war am Dienstag auch der Kuseler Landrat Otto Rubly (CDU). Mit Blick auf strukturschwache Räume wie große Teile der Westpfalz hatte er nach der jüngsten Kommunalwahl im vergangenen Juni die Landesregierung aufgefordert, einen „Masterplan Westpfalz“ aufzulegen. Dabei forderte er auch dazu auf, die Idee zu unterstützen, einen Studiengang für Medizin am Westpfalz-Klinikum zu etablieren. Darin seien sich alle Städte und Kreise in der Westpfalz einig gewesen, dass dieser Studiengang nun komme, sei ein wichtiger Baustein des Masterplans.
Wäre dann noch die Oberbürgermeisterin von Kaiserslautern, Beate Kimmel (SPD). Sie erwähnte einen zusätzlichen Aspekt, den die Kooperation haben könnte: einen Impuls für die eigene Stadtentwicklung. Aus Sicht der OB ergänzt das Projekt den „renommierten Wissenschafts- und Forschungsstandort Kaiserslautern“. Idealer Standort eines Medizincampus wäre das neue Pfaff-Quartier. In unmittelbarer Nähe zum Klinikum könnte ein Leuchtturm-Projekt entstehen, „für das ich mich gerne mit aller Kraft einsetzen werde“.
