Südpfalz
Yildiz Härtel behauptet sich im Rennen um Bundestagskandidatur
Ihr flogen die Herzen der Delegierten bei der Nominierungskonferenz zu: Yildiz Härtel aus Edesheim wurde am Samstag im Bürgerhaus Billigheim-Ingenheim mit frenetischem Beifall gefeiert. Die 57-Jährige ist die Bundestagskandidatin der Südpfälzer SPD und möchte die Nachfolge von Thomas Hitschler aus Hainfeld antreten, der im kommenden Jahr nicht wieder zur Wahl antritt.
Der Parteitag war ein hartes Stück Arbeit, saßen doch 157 Delegierte schon ab 10 Uhr mit einem üppigen Programm beim Unterbezirksparteitag in der Halle. Nach der Wiederwahl von Jennifer Braun (Landau) und Mario Daum (Maximiliansau) als Unterbezirksvorsitzende war die Nominierung der Bundestagskandidatin der Höhepunkt des Tages und gegen 15.30 Uhr auch das Ende des Parteitreffens. Ein bedeutender Gratulant konnte die Siegerin nicht in den Arm nehmen: Alexander Schweitzer war als Ministerpräsident beim Ruanda-Tag in Mainz gefragt und hatte nach seinem Grußwort weiterziehen müssen. Dafür verfolgte Kurt Beck das Geschehen in der ersten Reihe.
Eine Frau, drei Männer
Im Vorfeld der Konferenz hatte die SPD zu zwei parteiinternen Castings in Kandel und Landau eingeladen, bei denen sich die vier Kandidaten präsentierten. Am Samstag brauchte es dann zwei Wahlgänge, um die Personalie zu klären. Härtel setzte sich gegen die drei Männer durch. Sie ist nicht neu auf der politischen Bühne, hat sie doch Mandate im Kreistag SÜW, im Verbandsgemeinderat Edenkoben und im Ortsparlament von Edesheim und arbeitet außerdem seit zehn Jahren in Hitschlers Wahlkreisbüro. Schon im ersten Wahlgang hatte sie die meisten Stimmen der 141 Delegierten und die Nase vorn vor Thomas Flocken (Godramstein), Tim Kucharzewski (Siebeldingen) und David Rosenberg (Kuhardt). Flocken trat im zweiten Wahlgang nicht mehr an. Mit 72 Stimmen ließ Härtel dann Rosenberg (44) und Kucharzewski hinter sich.
Der Youngster der Bewerber, David Rosenberg, hatte zwar die kämpferischste Rede gehalten, aber Yildiz Härtel als Älteste erreichte die Genossen auf einer emotionalen Ebene. Die Chance, sich als erste Frau in der Südpfalz um ein Bundestagsmandat zu bewerben, könne sie sich nicht entgehen lassen, bekannte Härtel, Mitbegründerin des Frauennetzwerks SPD SÜW. „Politik ist Leidenschaft. Politik ist man, lebt man und betreibt sie auch in seiner Freizeit.“ Da gebe es keinen Acht-Stunden-Tag und keine Fünf-Tage-Woche.
„Ich glaube an die SPD“
Härtel weiß, wovon sie spricht. Sie ist vielfach engagiert und steht mit beiden Beinen mitten im Leben, wie es eine Delegierte formulierte. Während ihrer beruflichen Laufbahn bei Daimler und als freiberufliche Tagesmutter habe sie Erfahrungen gesammelt, die sie in die politische Arbeit einbringen wolle, sagte Härtel. Ihre beiden Kinder stünden auf eigenen Beinen, sonst hätte sie nicht kandidiert. Die 57-Jährige sprach sich unter anderem dafür aus, die Ausbildungen im Handwerk und an den Hochschulen als gleichwertig zu behandeln. „Ich glaube an die SPD“, rief sie den Delegierten zu.
Thomas Hitschler, der ein Grußwort sprach und ganz bewusst keine Abschiedsworte, schwor die Genossen auf den starken Zusammenhalt ein, der die SPD in der Südpfalz immer schon ausgezeichnet habe. Gemeinsam habe man 2021 Historisches geschafft. „Zum ersten Mal in der Gesichte des Universums haben wir den Wahlkreis direkt gewonnen. Das nimmt uns niemand weg.“ Die letzten elf Jahre seien die beste Zeit seines Lebens gewesen, bekannte Hitschler, seit drei Jahren auch Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverteidigungsminister. Aus familiären Gründen beendet der Vater zweier Kleinkinder die Zeit des politischen Hauptamts. „Familie ist das, was bleibt. Vergesst das nicht“, legte er den Delegierten ans Herz. Er betonte: „Wir geben alles dafür, dass die Südpfalz wieder von einer starken Persönlichkeit im Deutschen Bundestag vertreten ist.“
